Ihre Sprache ist sparsam, reduziert, etwas fade, fast manchmal ein wenig belanglos, das ganze Buch wirkt irgendwie zusammenhangslos und lose geschrieben, als ob die gesamte Erzählweise wie auf Diät gehalten wäre und man als Leser sich das Ganze, gefälligst selbst zusammen zu räumen hat. Ein Wechsel der Perspektiven, der Gegenwart und Vergangenheit, kann den Leser beizeiten irritieren und verunsichern. Inka Parei hat einen Roman über einen namenlosen Betriebsmechaniker geschrieben, der nach 20 Jahren noch einmal zu ND (Neues Deutschland / eine sozialistische Tageszeitung?) zurückkehrt, und zwischen Vergangenheitsbewältigung und der Gegenwart innerlich hin- und hergerissen wird.
Man könnte meinen, wir hätten schon genug Romane über die ehemalige DDR, die Flut und das Bedürfnis nach einer Verarbeitung der ehemaligen DDR, scheint ungebrochen, Inka Parei macht hier keine Ausnahme. Das ganze Buch ist von einer Schwere, Farblosigkeit, einer grauen, mühsamen Sprache und Ausdrucksweise durchzogen, ein Buch das wie nicht zu atmen scheint. Die Luft steht still. Der namenlose Hauptprotagonist, erinnert sich an sein Handwerker-Leben als Betriebsmechaniker. Seitenlang können wir uns im technisch-mechanischen Reparatur-Alltag hineinlesen, was ich persönlich fast schon als belanglos gelesen habe.
Er erinnert sich an seine damalige Berufskollegen, von denen er auch einen besucht. Daneben ist da seine wohl seine erste Ehefrau Martha, die krebsleident im Krankenhaus liegt und ihn beauftragt abzuklären, ob sie damals in einem verstrahlten LKW war, weil sie vermutet ihr Krebs sei von der damaligen Verstrahlung verursacht. Und dann ist da noch ein Arbeitskollege, der sich von einem Kühlturm stürzt, um sich zu suizidieren und den Ich-Erzähler an seine Grenzen bringt und er ausrastet...
Fazit: Der Roman ist wie eine Einsichtnahme in ein einfaches Arbeiterleben, der ehemaligen DDR in den 80er Jahren, eine biographische Aufarbeitung, die Erinnerungen an die eigene Kindheit enthält, der eigenen Eltern, Tschernobyl, Gorbatschow und Reagon diskutieren über Abrüstung, die Menschen diskutieren über die Barschel-Affäre. Ein alter Mann, der von der Vergangenheit eingeholt wird, und Mutmassungen über das Fremdgehen seiner damaligen Frau anstellt. Sowohl im Kontakt mit seiner kranken Ex-Frau, als auch mit ehemaligen Arbeitskollegen, wirkt er wie verunsichert, seine Erinnerungen gehen immer wieder zurück in seinen technischen Alltag, wo man dafür zu sorgen hatte, dass alle Maschinen liefen.
Als er dort ausgebotet wird, ihm Überbrückungsgeld angeboten wird, (In welchem Bundesland wollen Sie leben?) versucht er sich in einer Existenzgründung im Westen, die erzählerisch kaum beachtet wird. Die ganze Aufmerksamkeit liegt darin, noch einmal mit Vergangenem, auch wenn es schon 20 Jahre her ist, wie noch einmal in Kontakt zu treten, Revue passieren zu lassen. Wären da nicht gelegentlich Sätze, die literarisches Talent vermuten liessen, würde man vermutlich vorliegend Buchausgabe enttäuscht weglegen, doch so kommt man zwischendurch auf gehaltvolle Sätze, die man gerne anstreicht und noch mal nachliest, auch wenn man das komische Gefühl nicht los wird, dass hier wie auf einer verordneten Diät Literatur versucht wurde..
Um etwas von der Atmosphäre wieder zu geben, zitiere ich gerne hier eine Stelle: (183)
"Die Farben verloren ihre Leuchtkraft, die Vögel verstummten. Ich sah kaum in den Himmel, nahm nur die Athmosphäre in mich auf, versuchte, zu verstehen, was fehlte. Die Welt wirkte kraftlos. Ohne Lebendigkeit oder Wärme. Wann immer ich seither an den Tod denke, denke ich an diese Art von Licht."