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Die Kältezentrale
 
 
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Die Kältezentrale [Gebundene Ausgabe]

Inka Parei
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
  • Verlag: Schoeffling (8. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895611077
  • ISBN-13: 978-3895611070
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 274.319 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Berlin im Jahr 2006: Ein Mann hat in den achtziger Jahren im Gebäude des Neuen Deutschland als Handwerker gearbeitet und später die DDR verlassen. Eines Tages bekommt er einen Anruf von seiner früheren Frau. Sie wartet in einem Krankenhaus auf die exakte Diagnose ihrer Krebskrankheit. Um ihr zu helfen, reist er zurück in die Stadt und versucht, die Ereignisse einiger Tage Anfang Mai 1986 zu rekonstruieren. War ein aus der Ukraine kommender Lastwagen, mit dem sie in Berührung kam, verstrahlt? Und warum erscheint der Tod eines Kollegen, an dem er sich die Schuld gab, zweifelhafter denn je? Sind die Geschehnisse von damals der Grund dafür, dass er in dem Leben, das er bis vor Kurzem geführt hat, nie wirklich Fuß fassen konnte? Schnell beginnen die Tage in Berlin ihm zu entgleiten, werden zu einer verzweifelten Suche nach Orientierung angesichts eines nie verkrafteten Bruchs in seinem Leben.

Über den Autor

Inka Parei wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren und lebt seit 1987 in Berlin.
Ihr erster Roman DIE SCHATTENBOXERIN wurde 2000 mit dem Hans Erich Nossack-Preis ausgezeichnet und ist in 13 Sprachen übersetzt. 2003 erhielt sie für den Anfang des Romans WAS DUNKELHEIT WAR den Ingeborg-Bachmann-Preis sowie den Kelag-Publikumspreis. Zuletzt wurde sie mit dem Heinrich-Heine-Stipendium ausgezeichnet (2009).

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von A. Zanker TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ihre Sprache ist sparsam, reduziert, etwas fade, fast manchmal ein wenig belanglos, das ganze Buch wirkt irgendwie zusammenhangslos und lose geschrieben, als ob die gesamte Erzählweise wie auf Diät gehalten wäre und man als Leser sich das Ganze, gefälligst selbst zusammen zu räumen hat. Ein Wechsel der Perspektiven, der Gegenwart und Vergangenheit, kann den Leser beizeiten irritieren und verunsichern. Inka Parei hat einen Roman über einen namenlosen Betriebsmechaniker geschrieben, der nach 20 Jahren noch einmal zu ND (Neues Deutschland / eine sozialistische Tageszeitung?) zurückkehrt, und zwischen Vergangenheitsbewältigung und der Gegenwart innerlich hin- und hergerissen wird.

Man könnte meinen, wir hätten schon genug Romane über die ehemalige DDR, die Flut und das Bedürfnis nach einer Verarbeitung der ehemaligen DDR, scheint ungebrochen, Inka Parei macht hier keine Ausnahme. Das ganze Buch ist von einer Schwere, Farblosigkeit, einer grauen, mühsamen Sprache und Ausdrucksweise durchzogen, ein Buch das wie nicht zu atmen scheint. Die Luft steht still. Der namenlose Hauptprotagonist, erinnert sich an sein Handwerker-Leben als Betriebsmechaniker. Seitenlang können wir uns im technisch-mechanischen Reparatur-Alltag hineinlesen, was ich persönlich fast schon als belanglos gelesen habe.

Er erinnert sich an seine damalige Berufskollegen, von denen er auch einen besucht. Daneben ist da seine wohl seine erste Ehefrau Martha, die krebsleident im Krankenhaus liegt und ihn beauftragt abzuklären, ob sie damals in einem verstrahlten LKW war, weil sie vermutet ihr Krebs sei von der damaligen Verstrahlung verursacht. Und dann ist da noch ein Arbeitskollege, der sich von einem Kühlturm stürzt, um sich zu suizidieren und den Ich-Erzähler an seine Grenzen bringt und er ausrastet...

Fazit: Der Roman ist wie eine Einsichtnahme in ein einfaches Arbeiterleben, der ehemaligen DDR in den 80er Jahren, eine biographische Aufarbeitung, die Erinnerungen an die eigene Kindheit enthält, der eigenen Eltern, Tschernobyl, Gorbatschow und Reagon diskutieren über Abrüstung, die Menschen diskutieren über die Barschel-Affäre. Ein alter Mann, der von der Vergangenheit eingeholt wird, und Mutmassungen über das Fremdgehen seiner damaligen Frau anstellt. Sowohl im Kontakt mit seiner kranken Ex-Frau, als auch mit ehemaligen Arbeitskollegen, wirkt er wie verunsichert, seine Erinnerungen gehen immer wieder zurück in seinen technischen Alltag, wo man dafür zu sorgen hatte, dass alle Maschinen liefen.

Als er dort ausgebotet wird, ihm Überbrückungsgeld angeboten wird, (In welchem Bundesland wollen Sie leben?) versucht er sich in einer Existenzgründung im Westen, die erzählerisch kaum beachtet wird. Die ganze Aufmerksamkeit liegt darin, noch einmal mit Vergangenem, auch wenn es schon 20 Jahre her ist, wie noch einmal in Kontakt zu treten, Revue passieren zu lassen. Wären da nicht gelegentlich Sätze, die literarisches Talent vermuten liessen, würde man vermutlich vorliegend Buchausgabe enttäuscht weglegen, doch so kommt man zwischendurch auf gehaltvolle Sätze, die man gerne anstreicht und noch mal nachliest, auch wenn man das komische Gefühl nicht los wird, dass hier wie auf einer verordneten Diät Literatur versucht wurde..

Um etwas von der Atmosphäre wieder zu geben, zitiere ich gerne hier eine Stelle: (183)

"Die Farben verloren ihre Leuchtkraft, die Vögel verstummten. Ich sah kaum in den Himmel, nahm nur die Athmosphäre in mich auf, versuchte, zu verstehen, was fehlte. Die Welt wirkte kraftlos. Ohne Lebendigkeit oder Wärme. Wann immer ich seither an den Tod denke, denke ich an diese Art von Licht."
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Halbwertszeit der Identität 15. Dezember 2011
Von mjessen
Format:Gebundene Ausgabe
Ein wenig hilflos erscheint er schon, der Hauptcharakter in Inka Pareis neuem Roman 'Die Kältezentrale' ( Schöffling & Co., 2011). Schwankend zwischen DDR-Berlin und dem Jetzt, irrt er orientierungslos durch die Straßen und durch die brüchig gewordenen Salons seiner Erinnerungen. Damals angestellt als Mechaniker im Gebäude des Neuen Deutschlands, beschwört er nun einige Nächte herauf, die sich kurz nach der Verschlusssache Pripyat ereignet haben. Die Gegenwart zwingt ihn dazu, sich mit seinen eigenen unzuverlässigen Erinnerungen zu konfrontieren. Nach Jahren der Stille erhält der Erzähler einen Anruf seiner Exfrau. Todkrank liegt sie in einem Berliner Hospital. Zur Ermittlung der Strahlungsart wird der Erzähler ausgesandt, um die alten Mechanikerkollegen des Neuen Deutschlands ausfindig zu machen und etwas über den, angeblich vertstrahlten, ukrainischen Laster in Erfahrung zu bringen. Dieser Laster auf dem Gelände des Redaktionsgebäudes könnte es gewesen, der für ihre Krebserkrankung verantwortlich ist.

Auf den ca. 200 Seiten ihren dritten Romans beschreibt Inka Parei nun wie kalt es in der DDR wirklich gewesen ist. Die Kälte als System, die Kälte als Zustand, an dem ständig von jedem gearbeitet werden muss. Es folgen Beschreibungen der Mechaniken, der Apparaturen und der finsteren Gänge, die ins Verborgene führen. Um dem Roman eine möglichst kalte Klangfarbe zu geben, greift Parei dabei auf eine sehr schmucklose und fokussierte Sprache zurück. Ebenso beweist sie bei der Beschreibung der Arbeitsabläufe eine bemerkenswerte Präzision. Die Zerdehntheit des Erzählers und seine zerfledderten Erinnerungen wirken in diesem Licht einer verdorrten und sparsamen Sprache noch eindringlicher. Die zwei Ebenen des Romans durchdringen sich, wechseln sich in ihrer Wichtigkeit ab. Erklären oder moralisieren will keine davon. Parei geht es ums Erzählen, um ausführliche Beschreibungen. Oft fühlt man sich an einen Detektivroman erinnert, der in der Versunkenheit vergessener Tage nach einer Antwort für den Schrecken der Gegenwart sucht.

Konfrontiert mit dem alten Ich der DDR in den Gesichtern seiner gealterten und vom Alkohol zerfressenen und desorientierten Arbeitskollegen, verliert der Erzähler schon bald den Bezug zu sich selbst und landet, stark alkoholisiert, in einem Obdachlosenheim. Parei zelebriert dabei die Kälte. Die Kälte zwischen Arbeitskollegen, zwischen Ehepartnern, zwischen dem Staat und dem Bürger und letztendlich die eigene, innerliche Kälte.

Der Leser wird dabei durch ein finsteres Labyrinth geführt und immer wieder mit Variationen des Themas konfrontiert, die sich fragmentarisch zu der Suche nach der eigenen Identität, dem verschneiten Gipfel des Romans auftürmen. Inka Parei gelingt es, trotz der schlichten Sprache und der Verrätselungen einen intensiven Roman vorzulegen, der durch seine starken Bilder und seine ästhetische Stimmigkeit überzeugen kann. Gezeigt wird allerdings nicht nur die Zerrissenheit eines DDR-Bürgers, der seinen Weg nicht gehen durfte, sondern ebenfalls die Zerrissenheit einer Westdeutschen Schriftstellerin, die scheinbar lieber über menschliche Finsternis und Kälte schreibt und deren DDR-Szenario eher als publikationsförderndes Hintergrundrauschen angesehen werden könnte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
'Wie soll man die Zeit, in der man noch sehr jung war, begreifen, wenn die Bedingungen, unter denen man einmal gelebt hat, nur noch in der eigenen Erinnerung existieren? Wie entkommt man unter solchen Umständen, dem Gefühl, dass es nicht um das frühere Leben handelt, sondern um ein ganz anderes? Und wer ist man mit einem auf diese Art fragmentierten Leben?' (S. 157)

Diesen Fragen geht der Protagonist in Inka Pareis neustem Roman 'Die Kältezentrale' nach. Ein Anruf aus der Vergangenheit scheint es zu sein, als seine frühere Frau ihn kontaktiert und ihn bittet, zurück nach Berlin zu kommen, das er 1987 verlassen hat. Sie ist schwer krank und drängt ihn herauszufinden, ob der LKW in dem sie sich vor Jahren für ein paar Stunden versteckt hat und der aus der Ukraine kram, verstrahlt gewesen ist. Nur so könne sie richtig behandelt und viellicht noch gerettet werden.
Die Reise nach Berlin zwingt die Figur, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, er beginnt Menschen von früher aufzusuchen und erinnert sich an seine Arbeit in der Kältezentrale des 'Neuen Deutschland'.

Die Geschichte des Protagonisten spielt auf unterschiedlichen Zeitebenen und springt scheinbar wahllos hin und her zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Man muss als Leser aufmerksam bleiben und ist manchmal zu Beginn eines Absatzes etwas irritiert, weil nicht gleich klar ist, wo man sich mit dem Charakter befindet. Doch gleichzeitig ist diese Irritation sinnbildlich für die ganze Geschichte, denn genauso unsicher steht auch die Hauptfigur von Inka Parei vor ihrer Vergangenheit, die sich einer Einordnung so völlig entzieht. Sichere Erinnerung und das Glauben, etwas sei passiert, verschwimmen und geben der Figur das Gefühl, ein Doppelgänger habe damals gelebt, ein anderer Mensch und vielleicht doch ein bisschen er selbst. Diese Zerrissenheit transportiert Inka Parei sowohl in der Sprache als auch der gesamten Konstruktion des Romans auf eine ganz besondere Art und Weise.

Ein großartiger Roman über die Auseinandersetzung mit eigenen Vergangenheit und die Angst vor dem, was man dabei entdecken kann.
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