Denken Sie mal an den Fall Bachmeier - die Frau, die den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss und dafür aller Propaganda des deutschen Boulevards zum Trotz zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Das war bitter, aber: Es war im Sinne der Justiz gerecht. Und mit diesem Urteil hat unsere Justiz auch ein Urteil über seine eigene Daseinsberechtigung gesprochen.
Dass bei "Die Jury" kein unzweifelhaftes Happy End möglich ist, geht schnell aus der Handlung hervor. Man ist also sehr gespannt, wie diese schwierige Situation gelöst wird. Stattdessen bedient man sich jedoch einer Faustregel, wie sie die Bildzeitung im Fall Bachmeier gerne benutzt hat: Opfer = prinzipiell im Recht. Täter = grundsätzlich im Unrecht. Und ehe man sich versieht, findet man sich auf der Seite eines Lynchmörders wieder, ganz besonders, weil dieser auch noch als fürsorglicher Vater und armer Afroamerikaner daherkommt. So idealistisch das Handeln des weißen Anwalts fast ohne Honorar, unter massiver Bedrohung durch den Ku Klux Klan für die Rechte eines Schwarzen einzutreten auch ist, so kämpft er letztendlich dafür, dass Schwarze das gleiche Recht auf Selbstjustiz haben wie Weiße. Und so ist es nicht verwunderlich, dass nicht Recht- und Beweislage die letztendliche Entscheidung herbeiführen sondern das rührende Pladoyer des Anwalts.
Verbuchen Sie diesen Film also besser unter Hollywood-Trivialschinken und genießen Sie einen spannenden Actionfilm mit Pseudoanspruch; denn "Die Jury" ist schon durch sein grandioses Aufgebot an Topstars, die sich allesamt mächtig ins Zeug gelegt haben, recht unterhaltsam.