Die geschichtlich widersprüchliche Aufarbeitung jener Ereignisse, die Deutschland in den Ersten Weltkrieg rissen - der Autor revidiert diese Sicht und verwendet statt dessen und zurecht den Begriff 'stolpern', wofür er in seinen Ausführungen stringenten Beweis antritt - bedurften und bedürfen zum tieferen Verständnis eine sich auf exaktes Quellenstudium beziehende Betrachtung. Der Definition von 'Schuld' kommt daher eine rationale, nicht politisch standortbedingt bewertende Abwägung zu, und zwar eine, die den Aspekt des Getriebenseins aus Zugzwängen heraus vs. den des Treibens aus opportunistisch verdrängender Sicht der Dinge heraus diskutiert. Dies vollzieht Meyer-Arndt in akribischer Hinführung des Lesers zu dessen ihm wahrscheinlich verborgen gebliebenen Hintergründen (die hierfür geltenden Anmerkungen nehmen rund 70 Seiten des 400 Seiten umfassenden Buches ein), indem er sein Werk als Forum einer sich der political correctness entziehenden Aufklärung versteht. Sein Beitrag zum Einordnen damaliger politischer Entscheidungen, deren Grundlegungen langwährenden, determinierenden Charakters sind und plausibilisieren, wie und wodurch Deutschland wurde, was es ist, ist nicht hoch genug einzuschätzen und stößt bei Historikern hoffentlich eine erneute Auseinandersetzung mit diesem tragischen Element der Historie an. Meyer-Arndts Verdienst besteht somit darin, so tief geschürft zu haben, daß die Wurzeln einer allmählich verdämmernden deutschen Vergangenheit bloßgelegt zu werden vermochten.