Eine ausführlichere und fundiertere Darlegung des Judentums scheint kaum
denkbar. Bar Mitzwa, Talmud, Tora mögen geläufige Begriffe sein. Was
aber ist die Chawura? Wo ist der Unterschied zwischen sefardischen und
aschkenasischen Juden? Wer war Abraham Joschua Heschel? Leo Trepp,
hochehrwürdiger Rabbiner - der letzte deutsche, 1935 ordiniert -
beantwortet diese und eine Vielzahl weiterer Fragen ungemein kompetent
in einem Standardwerk, das der Marix Verlag 2006 neu aufgelegt hat.
Gemeinschaft wider die Kälte
Die Chawura, um nur eine der oben gestellten Fragen herauszugreifen, ist
ein Ding, das wohl keinen frommen Christen, aber einen säkularisierten
Agnostiker vor Neid mit grüner Blässe schlagen könnte. Trepp fasst sich
kurz und schreibt:"Die Chawura ist eine lose Vereinigung gleichgesinnter
Familien zu gemeinsamen Lernen, Gestaltung neuer Formen im Gottesdienst
und gegenseitiger Hilfeleistung."
Ein kleines Herdfeuer wider die soziale Kälte ist also diese Chawura,
die Gemeinschaft, oder auch, wie der Autor nur einige Zeilen weiter
schreibt, ein "psychologischer Schutz gegenüber dem Ansturm" der Welt.
Interreligiöser Dialog
Trepp beginnt ganz vorn, mit grundlegenden Definitionen von Judentum,
Tora, Gott, Sabbat oder der Mitzwa. Er richtet sich bewusst an Leser,
deren Kenntnisse rudimentär sind - "Die Juden" kann mit seiner Fülle an
historischen, kulturellen, sozialen, politischen und religiösen Fakten
durchaus als Nachschlagewerk verstanden werden.
Es geht aber noch darüber hinaus: ein Kapitel widmet sich, ganz modern,
der Stellung der Frau im Judentum, ein anderes dem Dialog mit anderen
Religionen, der dem Autor übrigens besonders am Herzen liegt. Dass sich
Leo Trepp mit über 90 Jahren noch einmal an eine Überarbeitung seines
1998 erstmals erschienenen Werkes gemacht hat, ist eine bemerkenswerte
Leistung.