Es gibt eine unüberschaubare Flut an wissenschaftlichen Büchern über die mannigfaltigen Aspekte jüdischen
Lebens, ihrer Geschichte und Kultur; und es gibt Reiseführer über Israel. Ulrich Harbecke ist eine sehr gelungene Synthese aus beidem gelungen. Als Begleitbuch zur mehrteiligen Dokumention Die Juden" auf ARTE, in der dem Zuschauer die faszinierende und über 3000 Jahre alte Geschichte und Kultur des jüdischen Volkes auf der Suche nach dem gelobten Land vorgestellt wurde, fasst es die wesentlichen Aspekte der Sendereihe unter griffigen Kapiteln zusammen.
Ulrich Harbecke, Jahrgang 1943 und bis 2005 Redakteur beim WDR, hatte nicht nur Lehraufträge inne, sondern tat sich auch als Schriftsteller mit zahlreichen Veröffentlichungen hervor. Nicht zuletzt deshalbpräsentiert er ein spannend geschriebenes Reisebuch, das aus einer Vielzahl von Einträgen und Geschichten - einem Puzzle vergleichbar - besteht und sich so nach und nach zu einem glänzenden Mosaik vor dem geistigen Auge des Lesers entfaltet. Er geht dabei durchaus chronologisch vor, indem er einzelne Einträge, wie Hostienschändung", sephardisches und aschkenasisches Judentum", Chassiden" Assimilierung", Rassenhass", Schtetl", Amsterdam", Theodor Herzl" und Holocaust", sinnvoll unter Kapitel wie Halbmond und Kreuz", Tod und Taufe" u. a. subsumiert.
Neben den dunklen tragischen Seiten der jüdischen Geschichte zeigt er aber auch die unbekannteren Aspekte des jüdischen Humors und der Selbstironie. Gerade die Fähigkeit, auch über sich selbst und seine Religion lachen zu können, hebt die Präsidentin des Zentralsrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, in ihrem Vorwort Wer sind die Juden?" hervor, indem sie Rabbi Israel von Rischin mit den Worten zitiert: Wir können kein Feuer machen, wir können keine Gebete sprechen, wir kennen auch den Ort nicht mehr, aber wir können die Geschichte davon erzählen." Diese Gabe des Geschichten-Erzählens, Ereignisse in Anekdoten und in Gedichten und Liedern festzuhalten, hat bekanntlich nicht allein die deutsche Literatur sehr bereichert.
Es ist ein schönes Buch mit hohem Anspruch, das sehr sorgfältig lektoriert worden ist und in keiner Reisetasche fehlen sollte, wenn man Israel besucht. Darüber hinaus gibt es auf viele Fragen profunde Antworten, wenngleich ein Stichwort- und Personenverzeichnis im Anhang fehlt. Das wird allerdings durch den reich bestückten Anhang mehr als ausgeglichen, in dem sich die Kraftlinien der Geschichte", Die dreizehn Glaubensartikel", die jüdischen Feiertage und kommenden Festtage, eine ausführliche Zeittafel" und zuguterletzt neben Danksagung und Literaturhinweisen Jüdische Witze" finden, die mannach der Lektüre des Buches sehr viel besser versteht und von denen hier nun einer zum Besten gegeben werden soll:
In der Donaumonarchie wurden den Juden zwangsweise neue Namen verpasst, für die Beamten eine Gelegenheit, sie lächerlich zu machen. Kommt also ein Ehemann vom Amt nach Hause. Die Gattin ist neugierig: Und? Wie heißen wir nun?" Schweißloch." Bist du meschugge? Konntest du dir nichts Anständigeres aussuchen?" Was heißt ,aussuchen`bei dieser Räuberbande. - Allein das ,w` hat mich zwanzig Gulden extra gekostet."