Nach "
Der Deutsche Orden" (2007) und "
Die Templer" (2009) hat Prof. Dr. Jürgen Sarnowsky (Jg. 1955) mit dem ebenfalls in der Reihe C.H.Beck Wissen erschienenen Band "Die Johanniter: Ein geistlicher Ritterorden in Mittelalter und Neuzeit" sein Kompendium über die drei größten mittelalterlichen Ritterorden komplettiert. Als Professor für mittelalterliche Geschichte am historischen Seminar der Universität Hamburg mit einem Forschungsschwerpunkt "Die geistlichen Ritterorden im mittelalterlichen Europa" zählt er im deutschsprachigen Raum zu den Koryphäen auf diesem Spezialgebiet der Mediävistik.
In einer kurzen Einleitung geht der Autor zunächst auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ritterorden ein, die er nach Anthony Luttrell als die mittelalterliche Art einer Verbindung zwischen NATO und Rotem Kreuz bezeichnet. Die anschließende Darstellung des "Ordo Hospitalis sancti Johannis Ierosolimitani" wurde von ihm dann in drei Kapitel gegliedert. Mit dem ersten Kapitel beginnt die Gründung des Ritterlichen Orden Sankt Johannis vom Spital zu Jerusalem (1119/1120), der auf einen bereits im Jahre 1048 von Kaufleuten aus Amalfi gegründeten Muristan zurückgeht. Über die "Militarisierung", Erwerb von Besitz, Krise und Erneuerung um 1200 und die Konflikte im 13. Jahrhundert endet der erste historische Abschnitt schließlich mit dem Fall der Hafenstadt Akkon (1291) und den Jahren auf Zypern. Aufgrund ihrer Konkurrenz zum Templerorden wurden die Johanniter in die Politik hineingezogen, wie z. B. bei der Krönung Königin Sibylles von Jerusalem (1186), die von ihnen nicht unterstützt wurde. Während sich die Templer ein Bündnis mit Damaskus unterstützten, sprachen sich die Johanniter für eine Kooperation mit Ägypten aus. Im "Krieg um die Abtei St. Sabas" in Akkon stellten sie sich zusammen mit Genua, Ancona, den Katalanen und dem Herrn von Tyrus auf die Seite der kaisertreuen Ghibellinen, während die Templer mit Venedig, Pisa und dem Fürsten von Antiochia die papsttreuen Guelfen unterstützen. Die Straßenschlachten, die sich beide Parteien in Akkon lieferten, wurden schließlich zu einem Aspekt der zur Kritik an den Ritterorden führte, die im letzten Abschnitt erläutert wird.
Gegenstand des zweiten Kapitels sind die Strukturen der Johanniter, die hohen Ordensämter (Konventualbaillis), die Rolle des Konvents sowie okzidentalen Präzeptoreien und Priorate. Neben der Landesherrschaft über die Inseln des Dodekanes und der Verwaltung der Finanzen, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe wird in einem besonderen Abschnitt auf das geistliche und adlige Selbstbildnis der Ordensangehörigen eingegangen. Eine Besonderheit gegenüber den anderen Ritterorden war das Aufkommen der acht Zungen um 1300. Bemerkenswert ist auch das Priorat von Dacia, mit dem übrigens nicht Rumänien, sondern Skandinavien gemeint war und aus dem der heutige protestantische Johanniterorden i Sverige hervorgehen sollte.
Mit dem dritten Kapitel, das bei der Eroberung von Rhodos und den anderen Inseln des Dodekanes (bis 1307) anfängt, beginnt der Weg des Ordens in die Moderne. Neben der Etablierung auf den griechischen Inseln markiert die Übernahme des Templerbesitzes nach der Zerschlagung des Ordens (ab 1312) einen für das weitere Bestehen der Johanniter bedeutenden Vorgang. Der Orden beteiligte sich an den erfolglosen Kreuzzügen des 14. Jahrhunderts und blieb auch vom Großen Abendländischen Schisma (1378 bis 1417) nicht verschont. Auf die Korsarentätigkeit der Johanniter wird eingegangen. Der Zeitraum vom Ende Ordensherrschaft auf Rhodos, seinem Wirken auf Malta bis in die Gegenwart zu dem in Rom ansässigen Großmeister der Malteser, der als Fürst eines "Völkerrechtssubjektes ohne eigenes Territorium" diplomatische Beziehungen zu 104 Ländern unterhält und den protestantischen Ablegern des Ordens (Johanniter), wird jedoch recht kurz abgehandelt.
Neben sechs Abbildungen bietet der Band drei historische Karten, eine Liste der Großmeister (zu denen auch der russische Zar Paul I. zählte), ein Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Personenregister. "Die Johanniter" sind ein guter Einstieg in die Thematik. Für timediver®, der mittlerweile zahlreiche Ordensburgen und alle Groß- und Hochmeistersitze der drei großen Ritterorden besuchen konnte, ließ der Band, gewissermaßen als Repetitorium einmal mehr ihren historischen Weg vom Orient in den Okzident Revue passieren. Mit dem Wunsch, dass die zweite Auflage noch mit einer Zeittafel ergänzt wird, erfolgt eine Bewertung mit 4 1/2 Amazonsternen.