Aus der Amazon.de-Redaktion
Doch der Schein trügt, schreiben Marita Vollborn und Vlad D. Georgescu. Was im Handel wenig kostet, fordert an anderer Stelle seinen Tribut. Und den zahlen andere, betonen die Autoren: Die kleinen Landwirte, die unter dem Preisdruck der Discounter ächzen und nicht selten ihre Existenz aufgeben müssen. Die Verbraucher, die mit den modernen Lebensmitteln ihre Gesundheit und Psyche gefährden. Und letztlich die Gesellschaft, die die Folgekosten einer aus dem Lot geratenen Ernährungsweise zu tragen hat. Diese dunkle Seite der Erfolgsstory von den billigen Nahrungsmitteln ist das Thema des Buches Die Joghurt-Lüge. Es will die Mechanismen der Industrie offen legen und den Blick ins Eingemachte erlauben, so die Autoren. Das gelingt vollauf. Zahlreiche Beispiele zeigen, wie weit die Entwicklung hin zum synthetischen Industrie-Food bereits fortgeschritten ist. Prominentestes Beispiel: Der Erdbeerjoghurt, dessen Fruchtstücke niemals Kontakt mit einer Erdbeerstaude hatten, sondern rein synthetisch hergestellt wurden. Die Joghurt-Lüge.
Die Autoren belassen es allerdings nicht bei der nahe liegenden Skandalisierung via Ekel-Effekt. Ihnen geht es grundsätzlicher um das System der Ernährung, das sich unter dem Einfluss industrieller Produktionsverfahren stillschweigend breitgemacht hat. Die Folge: Niemand durchschaut mehr, was er isst, so das nüchterne Fazit. Und die Folgen schlechter Ernährung trägt letztlich die Gesellschaft. Fettleibigkeit und ernährungsbedingte Erkrankungen sind zu einer Belastung für das Gesundheitssystem geworden. Letztlich aber wird jeder selbst entscheiden müssen, wem er glaubt und was er isst. Das wissen auch Marita Vollborn und Vlad D. Georgescu: Was wir jeden Tag essen, bestimmen wir letzten Endes selbst. Darin liegt die größte Macht, die wir als Verbraucher haben. Ihr Fazit: Selber kochen schützt. -- Winfried Kretschmer
Pressestimmen
11.10.2006 / Freundin: Clever essen "Gut als Nachschlagewerk geeignet!"
12.10.2006 / Falter: Schlechten Appetit! "Das Gammelfleisch ist im wahrsten Sinne des Wortes gegessen. Da kommt 'Die Joghurt-Lüge' wie gerufen, ein Buch, das systematische Fehlentwicklungen der Ernährungsindustrie aufzeigt, die nicht zuletzt auf die Wünsche von uns Konsumenten zurückgehen."
28.10.2006 / Süddeutsche Zeitung: Joghurt-Lüge "Die beiden Lebensmittelspezialisten klären die Verbraucher auf, was alles in Tütensuppen und Tiefkühlmenüs steckt."
06.12.2006 / Frankfurter Rundschau: Die Appetitverderber "Die Autoren legen den Finger in jede Wunde der Lebensmittelbranche, arbeiten jeden Skandal akribisch ab, warten mit einigen überraschenden Details und Hintergrundinformationen auf. Dabei verarbeiten sie eine Fülle von aktuellen Forschungsergebnissen, Geschäftsberichten und Stellungnahmen aus Politik und Wirtschaft."
Falter 40/2006
Frankfurter Rundschau, 6. Dezember
Kurzbeschreibung
Klappentext
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auszug aus Die Joghurt-Lüge. Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie von Marita Vollborn, Vlad D. Georgescu. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Umsätze sind gigantisch, die Zahl der Beschäftigten ist enorm. Mehr als
130 Milliarden Euro erwirtschaftet die Lebensmittelbranche hierzulande
jedes Jahr, über 550?000 Menschen hält sie in Lohn und Brot. Produziert
wird rund um die Uhr, die Verkäufe laufen an sieben Tagen die Woche,
bundesweit.
Die Zahlen variieren: Zwischen 50?000 und 70?000 Lebensmittelgeschäfte
sorgen dafür, dass der Verbraucher alles bekommt, was sein Herz begehrt:
Erdbeeren im Dezember, Äpfel aus Chile oder Weintrauben aus Südafrika sind
ebenso selbstverständlich wie die tiefgekühlte Pizza, tiefgekühltes Gemüse
oder Joghurt für Fitness-fanatiker - bar jedweder Fette und mit möglichst
wenig Kalorien. Fleisch in allen Variationen ist ebenso normal wie
Victoria-Barsch oder Pazifik-Fisch. Und das Sortiment im Kühlregal reicht
von Fitnessdrinks bis hin zu Functional Food. Moderne Lebensmittel sollen
uns gesund halten, schmecken und für wenig Geld zu haben sein. So
jedenfalls lautet die globale Message einer Industrie, die mit
Milliardenaufwand über Werbung, PR-Kampagnen und Sponsoringaktionen die
Konsumenten vom Segen der New-Food-Ära zu überzeugen versucht. Ein wohl
kalkulierter und gezielt unters Volk gebrachter Trugschluss, wie unser Buch
dokumentiert.
Denn die meisten modernen Lebensmittel fordern in Wirklichkeit ihren Tribut
- und gefährden Gesundheit und Psyche der Verbraucher massiv. Dabei geht es
nicht um Schadstoffbelastungen, Hygieneskandale oder Zusatzstoffe allein.
Vielmehr löst die gigantische Marketingmaschinerie der großen Dominatoren
am Lebensmittelfirmament eine Verhaltensänderung bei den Verbrauchern aus.
Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen belegen, dass diese Mechanismen
existieren und deren Folgen gravierend sind: "Immer dümmer" würden
Menschen, weil der Konsum bestimmter Lebensmittel einen wahren Teufelskreis
auslöse. Erst übergewichtig, dann träge und am Ende nur noch vor dem
Fernsehapparat - das sei etwa der vorgezeichnete Weg bei vielen
Jugendlichen, konstatieren Wissenschaftler der Universität Erlangen und
stützen sich dabei auf IQ-Messungen bei Kindern und Teens, deren
Essgewohnheiten genau unter die Lupe genommen wurden.
Die Lebensmittelindustrie kennt die fatalen Auswirkungen ihrer
Marketingstrategien, hält aber ungehindert daran fest. Todesfälle unter den
Verbrauchern als Folge des gesteuerten Nahrungsmittelkonsums sind
mittlerweile keine Seltenheit mehr. Über 300?000 Menschen sterben jedes
Jahr allein in den USA, weil sie den Verlockungen der Lebensmittelindustrie
nicht widerstehen konnten. Weltweit sind gar mehr als drei Millionen
Menschenleben zu beklagen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
attestiert. Der übermäßige Konsum von Süßigkeiten, zuckerhaltigen Getränken
oder Chips & Co. verursacht auch hierzulande volkswirtschaftliche Schäden
in Milliardenhöhe und belastet die gesetzliche Krankenversicherung enorm.
Was noch vor einigen Jahrzehnten undenkbar schien, ist mittlerweile
traurige Realität geworden: Kinder erkranken an Adipositas oder
"Alters"-Diabetes, Asthma und Allergien, und das nur, weil sie Lebensmittel
und eine Werbelandschaft vorfinden, die unsere Essgewohnheiten auf subtile
Weise steuern. Wer glaubt, nur Kinder und Jugendliche seien der
Lebensmittelmaschinerie ausgesetzt, irrt. Bei Erwachsenen beobachten
Mediziner brüchige Arterien, eine höhere Neigung zur Demenz und
registrieren den vorzeitigen Herztod ihrer Patienten als Folge des
veränderten Nahrungsmittelkonsums. Die Folgen des uneingeschränkten
Geschäfts mit Lebensmitteln sind dramatisch: eine deutlich höhere
Morbidität im Alter und eine sinkende Lebenserwartung der Bevölkerung.
Zwar soll eine ganze Reihe von Gesetzen dafür sorgen, dass Lebensmittel nur
dann in den Verkehr gelangen, wenn sie sicher sind. Doch in der Praxis
erweisen sich die Regelungen und Gesetzestexte als Makulatur. Das einst
sehr strenge deutsche Lebensmittelrecht hat längst den Platz für
verwässerte Verordnungen, sinnlose Reglements und unverständliche
Deklarationen frei gemacht. Juristen, nicht Lebensmittelchemiker, bestimmen
daher die Marktstrategien der großen Lebensmittelmultis. Durch findige
Angaben zu den Inhaltsstoffen suggerieren die Hersteller die
Unbedenklichkeit der Ware - wohl wissend, dass das nicht immer stimmt. So
kommt es in regelmäßigen Abständen zu Rückrufaktionen und Warnmeldungen
durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Nur: Kaum ein
Verbraucher nimmt davon Notiz, und nicht immer verschwinden die Produkte
aus dem Supermarktregal.
Selbst das vom Bundestag am 29. Juni 2006 verabschiedete
Verbraucherinformationsgesetz (VIG) ist nicht geeignet, die Machenschaften
der Lebensmittelindustrie zu stoppen. In seiner jetzigen Form und ohne
gravierende Nachbesserungen ist das VIG wertlos, kritisiert die vom
ehemaligen Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode im Jahr 2002 gegründete
Nichtregierungsorganisation foodwatch. Zwar sollen Behörden die
Öffentlichkeit bei Gesundheitsgefahren informieren, sie müssen es aber
nicht. Der Verbraucher hat nach wie vor kein einklagbares Recht auf
Aufklärung, wer Etiketten fälscht oder Gammelfleisch vertreibt. Außerdem
gestehen Ausnahmeregelungen den Unternehmen zu, Betriebsgeheimnissen
vergleichbare oder vertraulich erhobene Informationen für sich zu
behalten.
Was die Großen der Branche professionell können, ahmen auf ganz anderer
Ebene die Kleinen nach. Profit um jeden Preis lautet die Devise in der
Landwirtschaft - nur wer billig produziert, hat eine Chance, dem Druck des
Handels standzuhalten. Der wiederum bestimmt längst die Preise. Aldi, Lidl
oder Wal-Mart, nicht wie einst das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage,
geben vor, zu welchen Konditionen die Rohstoffe für unsere Nahrungsmittel
zu haben sind - die Produzenten fügen sich dem Druck und bieten zum
Discountpreis daher auch das an, was eigentlich teurer sein müsste.
Was aber billig ist, soll dennoch schmecken, lauten die internen
Anweisungen der Marketingabteilungen der großen Lebensmittelkonzerne. Ein
Ziel, das sich nur noch mit chemischer Schützenhilfe realisieren lässt.
Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und eine wahre Armada an weiteren
Zusatzstoffen gehören zum Aufgebot der multimilliardenschweren
Lebensmittelindustrie.
Dabei belegen zahlreiche unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen, dass
nicht nur die Menge der eingesetzten Zusatzstoffe massive Auswirkungen auf
die Gesundheit der Verbraucher haben kann. Auch die chemische
Zusammensetzung einzelner Substanzen vermag Allergien, Asthma oder
Stoffwechselstörungen auszulösen.
Im Wirrwarr der Deklarationsgesetze aber sind die Käufer schlichtweg
überfordert. Was sich hinter den zahllosen E-Nummern verbirgt, wissen nur
wenige Experten.
Beispiel E 620: Der Geschmacksverstärker gehört zur chemischen Klasse der
Glutamate und wird aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen mithilfe
enzymatischer Verfahren gewonnen. E 620 kann auch gentechnisch hergestellt
werden. Er steht im Verdacht, Migräne, Allergien und Asthma auszulösen. Die
Glutaminsäure (E 620) und deren Salze (E 621-625) sind in reiner Form ein
weißes, wasserlösliches Kristallpulver, das keinen eigenen Geschmack
besitzt. Erst über die Sensibilisierung der Geschmackspapillen im Mund
verstärkt es den Geschmack und hebt diesen hervor. Ein Glücksfall für die
Hersteller, denn über die Überlistung der körpereigenen Geschmacksnerven
lassen sich in der Produktion wertvolle Rohstoffe einsparen - und auf diese
Weise die Preise discountmäßig gestalten.
Für die Verbraucher ein undurchsichtiges Geschäft. Denn die klare und
verständliche Deklaration ist nicht mehr möglich, wie Lebensmittelchemiker
und -juristen attestieren. Ob Antioxidantien, Konservierungsstoffe oder
Süßungsmittel - die Liste der Substanzen liest sich wie ein Wörterbuch der
Laborchemie. Nebenwirkungen und Risiken sind inbegriffen, aber nie erwähnt.
Dabei gäbe die Fachliteratur einen erschreckenden Aufschluss über das
Ausmaß der potenziellen Gefahren - doch wer soll das alles wissen?
Welches wirtschaftliche Potenzial hinter dem Geschäft mit dem Geschmack des
Kunden steckt, demonstriert ein Beispiel eindrucksvoll: Drei Unternehmen
dominieren das Geschehen weltweit. Givauden, International Flavors &
Fragrances und Quest International sind auf diesem Gebiet die globalen
Player, allein der Europamarkt für Geschmacksstoffe umfasst ein Volumen von
1,29 Milliarden US-Dollar, wie ein Papier der Unternehmensberatung Frost &
Sullivan dokumentiert.
In der perfekten Strategie der Lebensmittelbranche haben die Verbraucher
letztlich kaum eine Chance. Sie lassen sich manipulieren, steuern und sogar
zu Verhaltensänderungen bewegen, die auf Dauer ihre Gesundheit, ihre
Intelligenz und sogar ihr Leben gefährden. Die Ahnungslosigkeit der
Konsumenten bildet die Basis für das perfekte Milliardengeschäft der
Lebensmittelindustrie.
Beispiel Fettzufuhr: Trotz der zunehmenden Zahl Übergewichtiger können die
wenigsten Deutschen so genannte gute von schlechten Fetten unterscheiden,
wie eine Umfrage des Emnid-Instituts zeigt. Nur ein Drittel der Deutschen
(34 Prozent) achtet aus gesundheitlichen Gründen auf das Fett in ihrem
Essen. "Fett ist aber nicht gleich Fett; es kommt nicht nur auf die Menge
an, sondern auch auf die Art der Fette", sagt Prof. Eberhard Windler,
Fettstoffwechselexperte am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Ganz
ohne Fett könnte der Mensch nämlich nicht leben, weil die Vitamine A, D, E
und K fettlöslich sind und daher ohne Fett nicht vom Körper aufgenommen
werden können. Eine extrem fettreduzierte Lebensweise wirkt sich daher
sogar negativ auf die Gesundheit aus. Werden hingegen die richtigen Fette
verwendet, können diese helfen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.
Die Emnid-Umfrage ergab, dass nur 26 Prozent der Deutschen den Unterschied
zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren richtig erklären können.
58 Prozent davon haben schon einmal von dem Unterschied gehört, wissen aber
nicht, in welchen Nahrungsmitteln welche Fettsäuren vorkommen.
Unwissen aber bietet den Nährboden für manipulierten Lebensmittelkonsum,
selbst dann, wenn es eigentlich nichts Neues zu verkaufen gibt. Besonders
sarkastisch: Mittels Werbung und über millionenschwere PR-Kampagnen soll
den Menschen ausgerechnet der gesundheitliche Nutzen der neuen Lebensmittel
suggeriert werden. "Functional Food" sei an dieser Stelle als ein Beispiel
genannt, wie mithilfe fragwürdiger Studien und wissenschaftlich nicht
haltbarer Methoden sogar eine therapeutische Wirkung der Produkte
suggeriert wird.
Ein Trend, den die Industrie geschickt zu nutzen weiß. Wie das gehen kann,
erfuhr man per Pressemitteilung Ende 2005 in Frankreich. Gleich zwei große
Joghurthersteller schlossen mit französischen Krankenversicherern Abkommen
ganz besonderer Art. Danach könnten in der französischen Republik Käufer
von bestimmten Functional-Food-Joghurts bei Vorlage der Quittung einen Teil
der Ausgaben von ihrer Krankenversicherung zurückerhalten - der Joghurt auf
Rezept rückt in greifbare Nähe.
Dass Geld im Mittelpunkt aller Entscheidungen zu stehen scheint,
dokumentiert am eindrucksvollsten das Beispiel BSE. Die von Menschen
geschaffene Erkrankung beschäftigt Mediziner und Forscher nach wie vor -
auf politischer Ebene und vor allem gegenüber der Öffentlichkeit aber gilt
das Problem de facto als gelöst. Rindfleisch wird wieder en masse verkauft,
kaum ein Verbraucher misstraut "seinem" Schlachter. In Wirklichkeit jedoch
sind nach wie vor weder die Folgen noch die potenziellen Auswirkungen der
Prionenerkrankung bekannt. BSE-Rinder können immer noch in den Handel
kommen. Während sich die Republik über die "Fleischskandale" des Jahres
2005 erregte, zeigt das Beispiel BSE die wahren Lücken im Kontrollsystem -
und macht deutlich, dass allein ökonomische Überlegungen die politischen
Entscheidungen in Sachen Verbraucherschutz zu bestimmen scheinen.
"Verschlusssache BSE" nannten wir daher ein Kapitel dieses Buches, das
exemplarisch die Strukturen und Schwächen im gigantischen Geschäft mit
unserem Fleisch aufdeckt.
Nicht minder riskant scheint aus unserer Sicht der heimliche Einzug der
Gentechnik in unsere Lebensmittel. Obwohl Verbraucher gentechnisch
veränderte Pflanzen und Nahrungsmittel mehrheitlich nicht wollen,
konsumieren sie diese doch: in Form von Zusätzen der verschiedensten Art,
als Aromen oder als Würze. Neue Kennzeichnungsregelungen entpuppen sich bei
näherer Betrachtung als unzulänglich. So dürfen Landwirte ihre Kühe mit
Gentech-Futter versorgen, aber die Milch müssen sie dennoch nicht als
gentechnisch verändert deklarieren. Und das, obwohl keinesfalls gesichert
ist, ob und wie jene nachweisbaren Gentech-Erbfragmente in der Milch im
Organismus der Verbraucher wirken. Während die Pharmaindustrie zu jedem
neuen Medikament klinische Studien vorlegen muss, die sich eingehend mit
den Nebenwirkungen und Risiken der Wirkstoffe befassen, fehlen
entsprechende aufwändige Prüfverfahren nach dem Muster der klinischen
Studien der Phasen I bis III bei der Zulassung des Gentech-Food.
Trotzdem entscheidet die EU-Kommission ganz im Sinne der Hersteller. Im
März 2006 ließ sie den gentechnisch veränderten Mais "1507" von Pioneer
Hi-Bred, einer Tochtergesellschaft von DuPont, zur Verwendung als
Lebensmittel zu. Der Mais war bereits im November 2005 für den Import und
zur Verwendung als Futtermittel zugelassen worden. Trotz fehlender
Langzeitstudien an großen Probandenkohorten nach dem Vorbild der
Pharmabranche gelangte somit das auf den europäischen Markt, was
hierzulande gleich mehreren Umfragen zufolge kaum ein Verbraucher haben
will. Die Hersteller freilich durften sich freuen: "Zusammen mit dieser
Entscheidung wird der Weg für den Import von Getreideprodukten und
Produkten mit der 1507-Eigenschaft in alle 25 Länder der EU geebnet", ließ
Pioneer Hi-Bred über eine Pressemitteilung1 verkünden.
Noch ungesicherter als die Langzeitfolgen des Genfood-Konsums sind
Erkenntnisse über "Nanofood", bei dem Zusatzstoffe in winzigster Form
vollkommen neue Eigenschaften der Produkte versprechen. Diese Lebensmittel
sollen schon in wenigen Jahren auf den Markt gelangen - sie erscheinen für
die Hersteller als Tor zu einem neuen Milliardenmarkt. Nur: Langzeitstudien
über die Risiken und Folgen gibt es nicht, noch weniger existiert dazu ein
gesetzliches Regelwerk, das dem Verbraucher die nötige Sicherheit bieten
würde. Trotzdem gehen die Konzerne offensiv daran, "Nanofood" schon bald zu
vermarkten - wohl wissend, dass ihnen niemand Einhalt gebieten wird.
Wer seine Gesundheit langfristig nicht aufs Spiel setzen will, muss daher
wissen, was er isst - oder eben auch lieber nicht. Das Buch will nicht eine
ganze Branche diskreditieren und im Vergleich zu vielen anderen kritischen
Werken zum Thema Lebensmittel auch keine Anleitung zum Umstieg auf
Bioprodukte sein - obwohl wir als Autoren im Laufe der Recherchen für
dieses Buch und nach Abwägung aller Aspekte letzten Endes überzeugte
Bioprodukt-Käufer geworden sind.
Unser Buch will die Mechanismen der Industrie offen legen und den Einblick
ins "Eingemachte" erlauben - am Ende wird jeder Leser für sich entscheiden
können, was er in Zukunft glauben und vor allem essen kann.