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Die Jeckes
 
 
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Die Jeckes [Gebundene Ausgabe]

Gideon Greif , Colin McPherson , Laurence Weinbaum
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
  • Verlag: Böhlau; Auflage: 1. Auflage. (1. Januar 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3412115991
  • ISBN-13: 978-3412115999
  • Größe und/oder Gewicht: 24,6 x 17,9 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 479.070 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Renate Baum, Zblizenia, Annäherungen (Polen-Deutschland), 3 (33) 2002

[…] Dieses wichtige Buch liest sich – trotz des düsteren Hintergrundes – leicht und flüssig, ist nie trocken oder langatmig. Es bietet eine Fülle von Informationen und lässt nicht unberührt. Möglichst viele Leser sind diesem verdienstvollen, hervorragend ausgestatteten und mit Glossar, Ortsregister und Karte versehenen Buch zu wünschen.

Roland Kaufhold, psychosozial, Nr. 94 Heft IV/2003

Gideon Greif et. al. haben ein wichtiges, ein wertvolles Werk vorgelegt. Es verlebendigt das Schicksal [der] aus Deutschland vertriebenen Juden, die sich z.T. erst durch diese rassistische Vertreibung selbst als Jude verstanden, verlebendigt deren Biographien, deren häufig zu gering erachteten Beiträge zur Entstehung des demokratischen Staates Israel. Es ist ein Werk, welches man nicht ohne Ergriffenheit zu lesen vermag. Es hat viele Leser verdient.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch "Die Jeckes. Deutsche Juden aus Israel erzählen" von Laurence Weinbaum, Gideon Greif und Colin McPherson ist sowohl inhaltlich als auch von der Ausstattung her von hervorragender Qualität.

Den Interviews vorangestellt ist eine fünfteilige Einführung (Was ist ein Jecke? Jüdisches Leben in Deutschland vor 1933. Die braune Zeit. Einwanderung in Palästina. Zu Besuch in Deutschland), die den leider immer noch nicht ausreichend Informierten wie auch den Eingeweihten einen sehr interessanten Einblick in das Leben deutscher Juden in Deutschland bis 1933, unter dem Nationalsozialismus und - später - in Palästina bietet.

Zunächst werden die verschiedenn Theorien zur Herkunft des Wortes "Jecke" aufgezeigt, für dessen Entstehung es keine eindeutige und endgültige Erklärung gibt. Diese Bezeichnung für die Einwanderer aus Deutschland hatte in Palästina zunächst durchaus keinen freundlichen Klang. Die Einwanderer aus Osteuropa und anderen Ländern sahen in den "Jeckes" Menschen mit sehr deutschen Eigenschaften: überkorrekt, überpünktlich, ein wenig steif und förmlich; sie boten reichlich Stoff für Witze. Aber gerade diese Eigenschaften, gepaart mit einem hohen Bildungsniveau, trugen wesentlich zum gelungenen Aufbau des späteren Staates Israel bei, so dass heute keine Geringschätzung mehr mitschwingt, wenn der Begriff "Jecke" benutzt wird.

Ausgezeichnet herausgearbeitet sind die psychologischen Unterschiede und Animositäten zwischen den bereits in Deutschland ansässigen und den aus Osteuropa nach dem Ersten Weltkrieg hereinströmenden "Ostjuden". Die meisten deutschen Juden waren - von staatlicher Seite beabsichtigt und großenteils auch aus eigenem Wunsch und Willen - stark assimiliert und in die deutsche Gesellschaft integriert. In allen kulturellen und wissenschaftlichen Bereichen waren ihr Einfluss und ihre Leistungen bedeutend. Sie betrachteten die Zuwanderer aus dem Osten, die vorwiegend jiddisch sprachen und bisweilen weiterhin Kaftan und Hut trugen, als Vertreter einer fremden, ja asiatischen jüdischen Kultur, mit der sie wenig oder gar nichts verband. Diese wiederum hielten zunächst die bereits in Deutschland lebenden für Juden, die die Verbindung zum Judentum verloren hatten. Erst allmählich kam es zu einer Annäherung der beiden Gruppen.

"Die braune Zeit" schildert die sich verschärfende Situation bis zum Jahr 1939 und die Bedeutung des Zionismus in dieser Zeit, behandelt aber die Shoa nicht. Dies ist im Sinne des Themas auch folgerichtig, da die in Israel interviewten Jeckes zwischen 1933 und 1939 nach Palästina ausgewandert sind. Palästina war für viele deutsche Juden nicht das Wunschziel; wer die Möglichkeit aufgrund einer gewissen Prominenz hatte, bevorzugte westeuropäische Länder oder die Vereinigten Staaten.

Wie mühevoll sich das neue Leben in Palästina für kultivierte deutsche Juden gestaltete, wird im Kapitel "Einwanderung in Palästina" deutlich. Alles war ungewohnt: das Land, das Klima, der Alltag, die Kultur, der niedrige Entwicklungsstand. Und nicht zuletzt die Sprache, mit der sich die Jeckes außerordentlich schwer taten, weil in ihren Augen die Anwendung des wesentlich einfacher strukturierten Hebräisch einen kulturellen Abstieg bedeutete. "Die Jeckes waren tatsächlich die einzigen Einwanderer in Palästina der dreißiger Jahre, die an ihrer eigenen Kultur und Identität festhielten und die Anpassung verweigerten. ... Selbst der Holocaust schaffte es nicht, die emotionale Bindung zu Deutschland völlig zu brechen." Dies brachte anfangs massive Konflikte mit der neuen, fremden Gesellschaft mit sich. Mit der Zeit allerdings wurden Einsatz, Pioniergeist und Leistungen der deutschen Juden durchaus anerkannt.

Dem heutigen Deutschland gegenüber bestehen unter den noch lebenden Jeckes zwiespältige Gefühle. Wie sich die Besuche im Nachkriegsdeutschland gestalteten und welche Emotionen sie hervorriefen, gerade auch angesichts des wieder aufkeimenden Rassismus und Antisemitismus, wird im Kapitel "Zu Besuch in Deutschland" eindringlich beschrieben.

Alle Einführungskapitel enthalten bereits Äußerungen von Zeitzeugen, was den Text sehr lebendig hält.

Die fast 80, zwischen 1994 und 1997 in deutscher Sprache geführten Interviews veranschaulichen, welchen Einschnitt die erzwungene Emigration in die Biographien der Jeckes brachte. Jäh wurden sie als Kinder oder junge Menschen aus ihrem Leben, ihrer gewohnten Umgebung, ihrem Alltag gerissen und gezwungen, sich in einer zunächst feindlichen Fremde neu einzurichten. Die geschilderten Schicksale bewegen, ganz besonders, weil man nicht sprachlich glättend in die persönlichen Berichte eingegriffen, sondern jedem Gesprächspartner seine eigene Art sich auszudrücken belassen hat. So ist ein hohes Maß an Authentizität gegeben.

Dieses wichtige Buch liest sich - trotz des düsteren Hintergrundes - leicht und flüssig, ist nie trocken oder langweilig. Es bietet eine Fülle an Informationen und lässt nicht unberührt. Möglichst vielen Lesern sei es wärmstens empfohlen. (Renate Baum, Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin)

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Wir bestätigen hiermit, dass die Dokumentation dieser Sammlung von persönlichen Berichten uns sehr beeindruckt hat und dass die Qualität dieses Buches einen sehr hohen Stellenwert hat, einen Stellenwert für die Juden, aber einen auch für Deutsche.Es war an der Zeit, dass diese Sammlung von persönlichen Berichten als Buch veröffentlicht wurde, denn bald werden diese Menschen nicht mehr unter uns sein. Die Gruppe der Jeckes ist gemessen an der Zahl der Einwanderer nicht groß, dennoch war ihr Einfluss für den Aufbau des Staates Israel nicht unerheblich. Von daher ist es wichtig für die Nachkommen, dass ihre Berichte uns erhalten bleiben. Das Wort „Jecke“ ist in Israel verbunden mit Gründlichkeit und Pünktlichkeit. Inzwischen wird es auch in Deutschland wieder benutzt mit dem gleichen Sinn.Mit Bewunderung und Betroffenheit nehmen wir zur Kenntnis, dass diese Menschen wohlgeordnete Verhältnisse in Deutschland verlassen haben, um in Israel unter sehr schwierigen Bedingungen eine Landwirtschaft, eine Ökonomie und eine Struktur aufzubauen. Der Staat Israel ist ihnen zu großem Dank verpflichtet.Für deutsche Leser hat das Buch nochmals eine andere Qualität, deshalb ist es gut, dass die Berichte in deutscher Sprache vorliegen. Leser und Leserinnen der ersten, zweiten und dritten Generation ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Nichts hilft mehr gegenseitiges Verständnis aufzubauen, als authentische Berichte.Wir empfehlen dieses Buch für Schulklassen wie auch für Universitäten, die Lehrer ausbilden. Schließlich waren die Jeckes deutsche Bürger, die auch in Deutschland viel geleistet haben und zur Entwicklung in der Wissenschaft, in der Kultur und in der Ökonomie hervorragendes beigetragen haben.Die persönlichen Berichte über die Besuche in Deutschland nach 1945 zeigen uns, dass das Verhältnis zwischen den Jeckes und den Deutschen noch lange nicht „normal“ ist, vielleicht auch nie werden kann. Wir alle sollen aber die Hoffnung haben, dass die zweite und dritte Generation offen ist für den Dialog und für Freundschaften, ohne einen Schlussstrich zu ziehen, denn der Holocaust gehört nun einmal zu der Identität der Deutschen und der Juden. Wir empfehlen allen, die sich um die Freundschaft zwischen Juden und Deutschen bemühen, das Buch der Jeckes zu lesen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
„Jeckes" - das sind jene deutschen Juden, denen es gelang, bis zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges ins damalige Palästina zu gelangen. Es waren etwa 50.000 Menschen, die aus der Mitte Europas in den Nahen Osten kamen, und es waren vor allem die jungen deutschen Juden, die von zionistischen Idealen angetrieben wurden. Die deutschen Juden machten lediglich etwa 33 Prozent der Einwanderer zwischen 1933 und 1939 aus, doch sie prägten das öffentliche Leben, die Entwicklung des Landes und das Antlitz des 1948 gegründeten Staates Israel wie keine andere Gruppe. Heute ist vieles von dem, was deutsche Juden Israel einem Stempel gleich aufgedrückt hatten, verwischt. So, wie viele im Stil des Bauhauses errichteten Gebäude in Tel Aviv zerfallen, wird auch irgendwann einmal nur ein Schemen dessen zurückbleiben, was deutsche Juden mitbrachten. Noch vor wenigen Jahren war in vielen Straßen und in vielen Cafés in Tel Aviv und Jerusalem Deutsch zu hören, und das Hebräische rollte den Jeckes noch beim Bestellen schwer von der deutschen Zunge, die Heinrich Heine perfekt zitieren, aber einen „Cafe Hafouch" kaum bestellen konnte. Das Antiquariat „Stein" auf der King George Street in Jerusalem, das Antiquariat Pollak und die Buchhandlung Landsberger in Tel Aviv waren die dazugehörigen Fundgruben, hatten doch die Einwanderer aus Deutschland Bücherkisten dabei, in denen sich zugleich der Traum ihres Deutschland befand. Früher fanden sich dort Erstausgaben und Werkausgaben, die gesammelten deutschen Klassiker, Bücher aus den Verlagen der Weimarer Republik, aus dem alten Jüdischen Verlag, von Else Lasker-Schüler und Martin Buber. Heute sind diese Antiquariate mit hebräischen, russischen, spanischen Büchern bestückt, und man muss entweder auf staubigen Dachboden in noch staubigeren Plastiktüten nach den alten Büchern wühlen. Die Jeckes haben Spuren hinterlassen, doch ihre Enkel können kein Deutsch mehr, und heute sind es die orientalischen und die russischen Juden, die nach und nach an Einfluss gewinnen und dieses Erbe der Gründerzeit zu Geschichte gerinnen lassen. Im grellen Licht der israelischen Sonne verblassen die Bücher, vergilben die Fotografien und sind die Spinnweben der Pionierzeit besonders deutlich zu sehen. Genau wie die Falten, die sich in die Gesichter der Jeckes im Laufe der Jahre eingegraben haben. Die zarte Haut der einst jungen Frauen und die rasierwasserverwöhnten Wangen der einst jungen Männer aus Deutschland sind nun ihrerseits Lebensbücher geworden, in denen sich, Kapitel für Kapitel, Ängste, Hoffnungen, Träume, Enttäuschungen, Mühsal, Trauer und nicht zuletzt die vielen Kriege eingegraben haben. Die Gesichter der Jeckes sind zu den ersten israelischen Landschaften geworden. Diese Gesichter sind es zuerst, die den Leser beim Blättern in diesem Buch fesseln. Die Fotografien von Colin McPherson sind außergewöhnliche Porträts, die die Menschen zwar oft in Nahaufnahme zeigen, aber ihnen niemals schamlos zu Leibe rücken, sie sind nicht aufdringlich, denn die Porträtierten haben sich geöffnet, und das ist zu sehen. Knapp 70 Jeckes erzählen ihre Geschichte, und die Herausgeber Weinbaum und Greif haben nicht die Interview-Form gewählt, wie sie gerade en vogue ist, um Zeitzeugenberichte zu transkribieren. Das ist ihnen zu danken, denn so ist ein erzählerischer Redefluss entstanden, der nicht unterbrochen wird, sondern sich gerade wegen der in sich abgeschlossenen Form zu persönlichen Aussagen mit jeweils eigener Note geworden ist. Jeder erzählt seine oder ihre eigene Geschichte, und es liest sich so, dass man die Stimmen fast schon zu hören glaubt. Die Berichte der Jeckes sind vielfältig, und doch ist immer wieder vom schmerzhaften Verlust der einstigen Heimat Deutschland die Rede. Manche der Jeckes sind nie ganz heimisch geworden in Israel, manche wieder haben sich im Kibbuzleben eingerichtet, andere leben in der Stadt, manche machten eigene Läden auf, andere engagierten sich in der Politik. Viele haben ihre Familie in der Schoah verloren. Dieses Geschichtsbuch spannt einen Bogen über das 20. Jahrhundert. Wer es aufmerksam liest - und das sollte man tun! -, der wird einige der Jeckes besonders ins Herz schließen, manchmal mit ihnen lachen oder auch weinen müssen. Viele von ihnen haben die Publikation nicht mehr erleben dürfen, oft, viel zu oft steht unter den Bildern: „Er/sie starb 1998, 1999..." Die knapp 60 Seiten umfassende Einleitung in das Thema ist flüssig und informativ geschrieben. Sie gibt Auskunft über die historische Ausgangssituation im deutschen Kulturkreis und die Auswanderung aus Nazideutschland, die Fremdheit im Orient und die ersten zaghaften Kontakte zu Deutschland nach 1945. Das ganze ist gewürzt mit Anekdoten und Zitaten, die den Text auf angenehme Weise launig machen. Nach den Berichten der Jeckes folgen ein Glossar, ein Personenregister und ein Ortsregister, sodass keine Frage offen bleibt. Das Buch ist rundherum empfehlenswert. Und damit genug der Worte, sagte doch schon Kurt Tucholsky: „Aber das Buch ist nicht geschrieben, damit es besprochen, sondern damit es gelesen wird." Susanne Urban-Fahr, Redaktion TRIBÜNE (zeitschrift zum Verständnis des Judentums)
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