Die Kindergeschichten von Peter Bichsel habe ich geliebt. Mit der Erwachsenenliteratur des Autors kann ich mich nicht so recht anfreunden. Vorweg schon mal: Ich gebe die beiden Sterne dafür, dass ich mir ernsthaft Gedanken über das Buch gemacht habe, gefallen hat es mir nicht.
Nachdem ich vor kurzem von seinem Buch „Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen“ schon sehr enttäuscht war, wollte ich so schnell nicht aufgeben und kaufte mir nun „Die Jahreszeiten“.
Wenn ich von dem Buch erzählte und mein Bestfreund mich fragte: „Ja, wie isses denn nu?“, musste ich erstmal verdutzt innehalten und nachgrübeln. Anders. Es ist auf jeden Fall anders als alle anderen Bücher, die ich bisher gelesen habe. Gibt es eine Handlung? Nein, eine Handlung gibt es eher nicht, einen roten Leitfaden, ja, aber keine Handlung.
Anfangs versuchte ich noch, mit dem notwendigen Ernst an die Geschichte heranzugehen, bald aber schon fühlte ich mich etwas veralbert. Zurückgestoßen. Die Hauptperson, Kieninger, geht in der Geschichte spazieren, probiert sich aus, bis der Autor plötzlich bemerkt, dass Kieninger genauso gut erfunden sein könnte. Nicht real. Ab diesem Moment wurde ich misstrauisch. Wie soll ich mich in einer Geschichte zurechtfinden, die sich selbst nicht ernst nimmt. Das Buch ist gefüllt mit belanglosen Informationen: Der Boiler ist wie Boiler gelb gestrichen. Oder: Die Treppen bestehn aus aufeinanderfolgenden Stufen, die untereinander und mit den Mauern in geeigneter Weise verbunden sind. Oder auch: Eine alte Nachbarin ist gestorben, wir haben einen Kranz gekauft. Das machen wir immer, wenn ein Nachbar stirbt.
Bei Gesprächen, die ich nach der Lektüre dieses Buches führte, fiel mir auf, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte: Brauche ich diese Informationen wirklich? Aber ja doch, darum bin ich doch. Um Zuzuhören, um mit den Menschen die ich mag, zusammen zu sein und Ihnen zuzuhören. Genauso möchte ich auch, dass liebe Menschen mir zuhören.
Was will Herr Bichsel also? Anecken? Aufrütteln? Sinnlose Mitteilungen verurteilen? Ist er es leid geworden, zuzuhören? Will er es den Menschen heimzahlen, die ihm tagtäglich nutzlose Informationen geben?