Die Jagd nach geheimnisumwitterten Schätzen, das Überwinden tödlicher Fallen und das Lösen geheimnisvoller Rätsel sind ganz klar die obligatorischen Zutaten zu einem potentiell guten Abenteuerfilm im Stile von "Indiana Jones" & Co. - auch der Vorgänger der "Jagd nach der Heiligen Lanze", der sich mit der Suche nach dem legendären Schatz der Nibelungen befasste, beherzigte diese Rezeptur und schaffte es überraschenderweise einen unterhaltsamen und guten deutschen Abenteuer-TV-Film darzustellen. Die Fortsetzung versucht zwar krampfhaft erneut jenes Erfolgsrezept zu kopieren, scheitert aber grandios an der schlampigen und lieblosen Umsetzung. Neben den wirklich schlechten schauspielerischen Leistungen (Kai Wiesinger ist einfach kein glaubhafter Abenteurer, Benjamin Sadler war im Vorgänger in jeder Hinsicht haushoch überlegen, Bettina Zimmermann agierte wie die Strohpuppe von nebenan und Fabian Busch war in Teil 1 viel witziger und spritziger als hier), den grottigen Effekten (jemand nannte hier schon die miserablen Autofahrten...billiger gehts nicht mehr, gleiches gilt für manche Hintergründe, die eine Burg zeigen) und den einfach nur schlechten Dialogen (klischeehaft hoch drei, siehe der Professor, der Lateinsprüche für Fünftklässler klopft und sich dabei noch intellektuell fühlt), sondern im offensichtlichen Dummverkaufen des Publikums.
Ich gestehe Filmen stets eine Menge Storyfreiheit zu und meckere an für sich nie, wenn Geschichte für eine gute Abenteuerstory etwas (!) zurecht gebogen wird, aber was hier an offensichtlichen Falschinformationen kommt, ist einfach ein Affront gegen jegliche Allgemeinbildung. Beginnen wir mit der Suche nach Friedrich Schillers Schädel: Das Herr Schiller in Weimar begraben liegt, haben die Autoren ja gerade noch recherchieren können, aber wenn sich die Abenteurer nach Weimar begeben, um dort in der Schillergruft herumzuschnüffeln, warum wird als Ort der Handlung die Stadt Dresden gezeigt? War nicht genug Geld in der Kasse, um da ein wenig Authentizität einzubauen? Mit vielen anderen Städten hätte der "Betrug" vielleicht funktioniert, aber zum einen ist Dresdens Silhouette einfach zu markant und zum anderen mussten die Damen und Herren auch noch schön am Fürstenzug vorbeifahren, der nun 100%ig nicht in Weimar zu bestaunen ist.
Nächster Punkt: Jürgen Prochnow alias "Der Böse" (dagegen war selbst seine Leistung aus "Wing Commander" oscarwürdig) schwadroniert stolz über seine Ahnengalerie und legt schön dar, wie seine Linie doch von Napoleon direkt abstammt. An sich nicht unmöglich, aber warum ist inmitten der Bildergalerie ein Gemälde von August dem Starken zu finden? Der hat ja nun wirklich Null komma nix mit Napoleon am Hut.
Und dann ist da natürlich noch die bereits erwähnte Sache mit den verschiedenen Trägern der Lanze. Wo Karl der Große oder auch Napoleon selbst natürlich im Rahmen der "Zurechtbiegung" von Geschichte noch funktionieren, sollte jedem klar sein, dass es sich bei Alexander dem Großen um einen Vertreter der Antike handelt, der knapp 350 Jahre VOR dem Tode Christi lebte. Wie soll er also die Lanze, mit der man überprüfen wollte, ob Jesus am Kreuz bereits tot sei, geführt haben? Ein Zeitstrudel? Ein temporaler Riss im Universum? Eine Eruption von Antizeit? "Star Trek" wüsste da sicher eine Antwort...! Käse hoch drei!
Was bleibt ist am Ende der Ärger darüber, dass erneut eine an sich interessante Idee völlig lustlos umgesetzt wurde. Die deutsche Geschichte bietet viele Ansatzpunkte um Schnitzeljagden Marke "Indiana Jones" oder "National Treasure" (diese Nic-Cage-US-Geschichtsabenteuer) ordentlich zu inszenieren. Personen wie Goethe, Schiller und Co. könnte man in einem tollen und moderneren Lichte erscheinen lassen, faszinierende Geschichten um sie basteln und sie damit den Leuten wieder näher bringen. Dazu serviert man dann malerische Eindrücke aus deutschen Landschaften, wie es "Die Jagd nach der Heiligen Lanze" ja auch versucht, aber irgendwann nervt einen das unmotivierte Abklappern bekannter Orte einfach nur noch. Dabei sind die "Sächsische Schweiz", der Königsee, die Walhalla und natürlich auch das Brandenburger Tor wunderbare Fixpunkte, die man aus seinem persönlichen Leben kennt. Dazu gesellt sich der einzige wirkliche Pluspunkt der ganzen Sache: Klaus Badelt. Man mag ja bei den Effekten und der Schauspielkunst gespart haben, aber immerhin nahm sich der "Fluch der Karibik"-Routinier der musikalischen Begleitung an...wenigstens etwas.
Sollte es also tatsächlich Überlegungen geben, die Reihe fortzusetzen, so wäre es sicher ratsam wieder auf Benjamin Sadler zurück zu greifen und die ganze Sache von einem halbwegs historisch versierten Menschen noch einmal durchgehen zu lassen, um so gravierende Fehler wie hier zu vermeiden. Das Publikum mag ja mittlerweile ein ganzes Stück anspruchsloser geworden sein, aber wenn Regisseure und andere Verantwortliche davon ausgehen, dass die wenigsten die inhaltlichen Lücken und Fehler nicht erkennen, dann ist dies unterm Strich ganz schön dreist. Daher gibt es insgesamt einen Stern - und den nicht, weil es nicht noch weniger gibt, sondern für den routinierten Soundtrack.