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Die Jagd auf den Meteor: Die Originalfassung [Gebundene Ausgabe]

Jules Verne , Gaby Wurster
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Zum 100. Todestag am 24. März 2005: »Ohne den Meister der technischen Phantasie sähe die Welt vielleicht ganz anders aus.« Andreas Eschbach

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Jules Verne, geboren 1828 in Nantes, studierte Rechtswissenschaften und verfaßte bereits während des Studium zahlreiche Theaterstücke und Erzählungen. Seine phantastischen Romane wie »20 000 Meilen unter dem Meer« und »Reise zum Mittelpunkt der Erde« wurden weltberühmt. Verne starb am 24. März 1905

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Kapitel
In dem Friedensrichter John Proth eine seiner angenehmsten Berufspflichten erfüllt und dann in seinen Garten zurückkehrt.

Es gibt keinen Grund, dem Leser zu verheimlichen, daß die Stadt, in der sich die abenteuerlichen Ereignisse dieser Geschichte zutrugen, im amerikanischen Bundesstaat Virginia liegt. Wenn der Leser einverstanden ist, nennen wir diese Stadt Whaston und fügen noch hinzu, daß ihr östlicher Teil am rechten Ufer des Potomac liegt, doch es erscheint uns müßig, noch genauere Erläuterungen zu geben, und müßig ist es auch, diese Stadt gar auf den besten Landkarten der Vereinigten Staaten suchen zu wollen.
Wenn die Bewohner von Whaston am Morgen des 27. März jenes Jahres durch die Exter Street gingen, konnten sie über einen eleganten Reiter staunen, der sein Pferd in kleinen Schritten die Straße hinauf- und hinuntertraben ließ und schließlich auf dem Platz der Verfassung unweit des Stadtzentrums anhielt.
Der Reiter mochte noch keine dreißig Jahre alt sein. An seinem Äußeren erkannte man den typischen Yankee, dem es nicht an einer gewissen originellen Vornehmheit mangelte. Er war verhältnismäßig groß und von schöner, kräftiger Gestalt, er hatte braune Haare und ebenmäßige Gesichtszüge und trug einen braunen Bart, jedoch keinen Oberlippenbart. Ein weiter Überzieher bedeckte ihn bis zu den Beinen und
lag ausgebreitet auf der Kruppe des Pferds. Sein lebhaftes Tier führte er mit soviel Geschicklichkeit wie auch Sicherheit. Alles an seinem Auftreten verriet einen Mann der Tat, einen entschlossenen Mann, der es gewohnt war, den ersten Schritt zu tun. Er wankte wohl nie zwischen Wunsch und Angst, was das Zeichen eines Zauderers ist. Außerdem hätte ein Beobachter festgestellt, daß er seine ihm eigene Ungeduld nur schwerlich unter einer kühlen Erscheinung verbarg.
Warum war er nun in diese Stadt gekommen, wo niemand ihn kannte und sich niemand erinnern konnte, ihn jemals gesehen zu haben? Wollte er längere Zeit bleiben? Jedenfalls machte er nicht den Eindruck, als wolle er nach einem Hotel fragen. Im übrigen hätte er die Qual der Wahl gehabt, denn man kann von Whaston sagen, daß der Reisende in keiner anderen Stadt der Vereinigten Staaten besser empfangen und besser bedient worden wäre sowie besser gegessen und mehr Komfort vorgefunden hätte, und dies alles zu überwiegend günstigen Preisen.
Der Fremde schien nicht die Absicht zu haben, länger in Whaston zu verweilen. Selbst das gewinnendste Lächeln der Hoteliers hätte auf ihn keinen Eindruck gemacht.
Seit der Reiter auf dem Platz der Verfassung erschienen war, standen Wirte und Bedienungspersonal in den Türen und wechselten folgende Worte:
»Woher kam er?«
»Aus der Exter Street.«
»Und woher kam er überhaupt?«
»Soweit ich gehört habe, kam er durch den Vorort Wilcox.«
»Seit einer halben Stunde reitet er auf dem Platz umher.«
»Vielleicht wartet er auf jemanden.«
»Möglich, aber er ist ziemlich ungeduldig.«
»Immerzu sieht er zur Exter Street hinüber.«
»Von dort erwartet er wohl jemanden.«
»Und wer soll dieser Jemand sein? Eine Sie oder ein Er?«
»Wirklich eine vornehme Erscheinung, meiner Treu!«
»Dann hat er wohl ein Rendezvous.«
»Ja, aber kein Rendezvous, wie man es sich gemeinhin vorstellt.«
»Und warum nicht?«
»Weil er nun schon ein paarmal vor John Proths Haus gehalten hat.«
»Und da John Proth der Friedensrichter von Whaston ist...«
»... heißt das, dieser Mann ist in irgendeiner Sache vorgeladen...«
»... und die gegnerische Partei hat sich verspätet.«
»Nun, Richter Proth wird die beiden im Handumdrehen zu einer Einigung und Versöhnung führen.«
»Er ist ein fähiger Mann.«
»Und ein guter Mensch.«
Womöglich war dies der wahre Grund, warum der Fremde nun in Whaston weilte. Er hatte wirklich verschiedentlich vor John Proths Haus gehalten, war aber nicht abgesessen. Er sah zur Tür hin, zu den Fenstern und zum Frontispiz, wo Friedensrichter stand. Dann blieb er reglos stehen, als warte er darauf, daß jemand auf der Schwelle erschien. Und noch ein letztes Mal sahen die Hotelangestellten, wie der Mann das Pferd zügelte, das, wie er selbst, ungeduldig war und tänzelte.
Doch da öffnete sich die Tür weit, und ein Mann trat auf den Absatz der kleinen Treppe, die zum Gehweg führte.
Kaum sah der Fremde diesen Mann, lüftete er den Hut und sagte:
»Mister John Proth, wenn ich nicht irre.«
»Der bin ich«, antwortete der Friedensrichter und erwiderte den Gruß.
»Eine einfache Frage, auf die Sie bitte nur mit ja oder nein antworten möchten...«
»Bitte, mein Herr.«
»War vielleicht heute morgen eine Person bei Ihnen und hat nach Seth Stanfort gefragt?«
»Nicht, daß ich wüßte.«
»Danke.«
Und mit diesem Wort lüpfte der Reiter den Hut ein zweites Mal, schlug mit den Zügeln und trabte zur Exter Street.
Nach allgemeiner Ansicht bestand nun kein Zweifel mehr, daß der Fremde etwas mit John Proth zu tun hatte. An der Art, wie er seine Frage gestellt hatte, handelte es sich wohl um Seth Stanfort selbst, der sich als erster zu einer Verabredung eingefunden hatte. Und nachdem der Zeitpunkt für dieses Treffen vielleicht schon verstrichen war – würde er die Stadt nun verlassen und nicht mehr zurückkommen?
Da wir in Amerika sind, beim wettlustigsten Volk der Welt, muß man sich nicht wundern, daß zwischen dem Personal der Hotels und den Schaulustigen, die auf dem Platz stehengeblieben waren, gleich Wetten auf eine baldige Rückkehr respektive die endgültige Abreise des Fremden abgeschlossen wurden; gewettet wurde um wenige Cents bis hin zu einem halben Dollar, nicht mehr, doch die Verlierer würden die Wettschulden begleichen, und die Gewinner, allesamt ehrbare Leute, würden sie einstreichen.
Richter John Proth aber beschränkte sich darauf, dem Mann nachzublicken, der in Richtung Wilcox ritt. Proth war ein Philosoph, ein Weiser, ein Justizbeamter, der schon mindestens fünfzig Jahre Klugheit und Weisheit auf sich vereinigte, obwohl er erst ein halbes Jahrhundert alt war – er mußte also schon klug und weise auf diese Welt gekommen sein. Hinzu kam, daß er Junggeselle war und sein Leben noch nie von einer einzigen Sorge getrübt worden war. Er war aus Whaston gebürtig und hatte die Stadt selbst in jungen Jahren selten oder gar nicht verlassen. Man kannte ihn als einen Mann ohne jeden Ehrgeiz, und er wurde auch von den Rechtssuchenden verehrt. Er hatte gesunden Menschenverstand und zeigte sich immer nachsichtig gegenüber den Schwächen und manchmal auch den Fehlern der anderen. Seine Aufgabe als Friedensrichter sah er darin, die Fälle zu regeln, die ihm vorgelegt wurden, die verfeindeten Parteien, die vor seinem kleinen Gericht erschienen, miteinander zu versöhnen, die Ecken abzuschleifen, das Räderwerk zu schmieren und die Zusammenstöße zu mildern, die es unvermeidlich in einer Gesellschaftsordnung gibt, so vollkommen sie auch sein mag, und kein anderer Friedensrichter war dieses Titels so würdig, kein anderer Richter war so gut wie John Proth.
Er erfreute sich eines gewissen Wohlstands, und wenn er seine Pflichten erfüllte, so tat er dies nur aus Lust und Laune, denn er strebte nicht nach höheren Ämtern. Er liebte die Ruhe – für sich wie auch für die anderen. Die Menschen betrachtete er als Lebensnachbarn, deren Existenz nicht gestört werden durfte. Er ging früh zu Bett und stand früh auf. Er las seine Lieblingsautoren aus der Alten wie auch aus der Neuen Welt, und als Zeitung bezog er den guten, ehrlichen Stadtanzeiger Whaston Nouvellist, in dem es mehr Anzeigen gab als politische Meldungen. Jeden Tag machte er einen Spaziergang von einer oder zwei Stunden, und dabei grüßten ihn so viele Leute, daß er alle drei Monate einen neuen Hut brauchte. Neben diesen Spaziergängen und neben den Stunden, die er seinem Beruf widmete, verbrachte er die Zeit in seinem friedlichen, behaglichen Haus, er pflegte die Blumen in seinem Garten, und sie dankten ihm seine Hingabe, indem sie ihn mit ihren frischen Farben erfreuten...

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