'Es warten große Aufgaben auf dich.' ' So spricht GON, der Gott ohne Namen, zu seinem Propheten Seshmosis. Leser des 1. Bandes ' Der Nomadengott ' wissen natürlich, wer GON, Seshmosis, Raffim, der Sänger El Vis, Prinzessin Kalala und all die anderen sind, deren weitere Abenteuer in diesem Buch fortgesetzt werden.
Und an Abenteuern mangelt es wahrlich nicht. Seshmosis war ein einfacher Schreiber, bis er, ganz ungewollt und zufällig, zum Propheten des Gottes ohne Namen wurde. Der misst nur etwa dreißig Zentimeter und erscheint mal als Katze, mal als kleiner Stier.
Ihm gehören die Tajarim an, was übersetzt so viel wie Touristen bedeutet. Zusammen mit GON zogen sie aus Ägypten aus und kamen nach Byblos. Lange bleiben sie dort allerdings nicht, denn Prinzessin Kalala plant die nächsten Auftritte von El Vis, in den sie nach wie vor glühend verliebt ist.
Leider herrschen zurzeit bei den Göttern auf dem Olymp einige Unstimmigkeiten und das Auftauchen eines neuen Gottes wird wenig erfreut begrüßt. So kommt es, dass die Tajarim sich bald im Labyrinth des Minotaurus befinden und kurz darauf in die Wirren des Trojanischen Krieges geraten. Dabei treffen sie auf einen weiteren Irrfahrer namens Odysseus, der außerdem eine Menge spannender Geschichten zu erzählen weiß.
Gerd Scherm versteht es, den Leser von der ersten Seite an perfekt zu unterhalten. Wie schon in Der Nomadengott gibt es auch hier wieder eine Menge lustiger Anspielungen, aber auch echte Mythen und Fakten fließen geschickt in die Geschichte gewoben mit ein.
Es macht großen Spaß, die Götter bei ihren Kämpfen untereinander zu erleben. Seshmosis, der Schreiber, ist ein absolut sympathischer Protagonist. Er ist sehr liebenswert, versucht stets sein Bestes und gerät ' nicht zuletzt durch seine Mitreisenden ' doch immer wieder von einer gefährlichen oder auch komischen Situation in die andere.
Die Figuren sind alle sehr originell und gut ausgearbeitet. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen. Ist für mich so ein richtiges Wohlfühlbuch, das mich mit einer schönen, humorvollen Geschichte, die dabei ihren eigenen Charme hat, wunderbar unterhält.
Sehr hübsch ist auch die Aufmachung des Buches, das Cover ist niedlich, einzelne Abschnitte werden durch verschiedene altägyptische Hieroglyphen voneinander getrennt. Als Anhang gibt es ein Personenverzeichnis und ein Götterverzeichnis, so wie die Gebote von GON.
Fazit: Wer humorvolle Fantasy mag, sollte unbedingt zugreifen. Auch wer das Fantasy-Genre so eher nicht kennt, kann unbesorgt lesen, da der Roman sehr leicht verständlich ist.
Dieser Roman ist zwar der 2. Band einer Trilogie, lässt sich aber problemlos ohne Vorkenntnisse des 1. Bands lesen und verstehen.