Auf Henryk M Broder wurde ich durch eine TV-Talkshow aufmerksam. Durch seine Polemik und seinen Zynismus eher unsympathisch wirkend, überzeugte er mich doch durch seine scharfsinnige Argumentation über Sachverhalte, die man heute nur selten so klar und unverhohlen in der Öffentlichkeit ausdrückt ohne von betroffenen Interessenvertretern abgewatscht zu werden.
Insofern erwartete ich beim Kauf des Buches eher ein satirisches, polemisches Werk. Doch weit gefehlt. In Essays, Interviews und Artikeln führt Broder den Leser unkommentiert an das israelisch-palästinensiche Dilemma heran, sich darauf verlassend, dass die verquere Situation der im "Heiligen Land" konkurrierenden Interessengruppen für eine Realsatire ausreicht.
In Essays, Aufsätzen und Interviews lässt Broder Fundamentalisten, religiöse Führer zu Wort kommen, die nur absolute Lösungen tolerieren, er beschreibt Zionisten, nicht handlungsfähige Regierungen, religiöse Eiferer, ausländische "Mode"-Juden, die ihre Zugehörigkeit zum Judentum als Ausdruck ihrer "Exzentrik" zelebrieren, Institutionen, die durch Beibehaltung des Status Quo profitieren und Friedensaktivisten, die in bester Absicht nicht in der Lage sind zwischen den gegensätzlichen Interessen zu vermitteln.
Der Leser erlangt Einblick in eine Geldvernichtungsmaschinerie. UN-Komitees, Internationale Hilfsorganisationen und ein bis an die Zähne bewaffneter Sicherheitsapparat kosten nicht nur den Steuerzahler vor Ort Unsummen. "Der Nahost-Konflikt ist ein Klacks auf der Landkarte der Weltgeschichte, doch haben sich die teilnehmenden Parteien darauf verständigt, auf einer Provinzbühne eine Supershow hinzulegen".
Dieses Buch sei jedem empfohlen, der bislang nur über die TV-Nachrichten mit dem Nahost-Konflikt informiert wurde, denn es bietet wichtige Einblicke in das Wesen einer Gesellschaft, die sich nur in einem Punkt einig ist: an diesem Fleckchen Erde möglichst allein ohne die anderen Gesellschaftsteile leben zu wollen.