Paris, Anfang der 30ger Jahre: Das Leben pulsiert, wird bestimmt von Kunst, Kultur und der Gesellschaft. Inmitten der Konventionen, der Fassaden des Schönen Anais Nin. Unkonventionell und klar, wahrhaftig und deutlich. Eine Frau als Symbol, als standhafte Statue, die doch zerbrechlich ist. Und ungewöhnlich. Denn gewöhnlich war sie nie. Gewöhnliches wollte sie auch nicht: "Ich suche mir die Höhepunkte", vertraute sie ihrem Tagebuch an.
Ihr Leben war eine Wanderung ganz oben im Leben. Um die Täler wusste nur sie. Und ihr Tagebuch. Ihm - und nur ihm - vertraut sie mit poetischer Sanftheit ihre Beobachtungen an, teils rational, teils vom Gefühl geprägt. Ihm zeigt sie ihr wahres Gesicht; das, der facettenreichen Frau, emanzipiert, kühl und lebensfroh zugleich, die ihre Zweifel und Unsicherheiten schutzsuchend darin versteckt.
Der Leser spürt die Menschlichkeit dieses Tagebuches, welches fast Person ist, Zuhause, Freund und Vertrauter zugleich. Der einzige Freund, dem sie wirklich vertraut, wie Anais Nin später einmal gesagt hat. Je schwerer die Intensität ihres Lebens auf ihr lastet, je mehr sie den Rausch von Innigkeit mit den Männern und Einsamkeit mit sich selbst erlebt, desto mehr schreibt Anais Nin. Gewappnet mit den frühen gesellschaftlichen Erfahrungen, die sie durch ihre Eltern schon im Kindesalter erfuhr, begegnet sie den Menschen, die das Paris der 30er so prägten und zieht sie in ihren geheimnisvollen Bann: Henri Miller, aber auch Antonin Artaud, Tennessee Williams und andere.
Auf der Suche nach der Wahrheit rast die Autorin durch ihre Gedanken und nimmt den Leser mit sich. Die Wahrhaftigkeit ihrer Sprache, die Zartheit dahinter, eine schutzlose Seele hinter dem Gesicht einer unkonventionellen, selbstbewussten Frau ist die Quintessenz dessen, was ins Auge sticht, bei der Lektüre dieses Werkes.
Noch etwas anderes sticht bei der Neuausgabe anlässlich des 100. Geburtstages von Anais Nin am 21. Februar 2003 ins Auge: Das Werk trägt zwei Namen! Im Buch selbst heißt es "Die Intensität des Lebens" - auf dem Schutzumschlag hingegen "Das Leben in seiner größten Intensität".
"Die Tagebücher 1931 - 1934" von Anais Nin ist keine Lektüre für Minuten, keine Entspannung am Abend, wenn der Leser nicht mehr nachzudenken wünscht - es ist die "Intensität des Lebens" in allen Facetten und Farben, in allen Begegnungen und geschilderten Menschen, analytisch, detailliert und doch von bezauberndem Sanftmut geprägt!