Aus der Amazon.de-Redaktion
Roberto de La Grive, ein junger piemontesischer Adeliger, erleidet in der Südsee Schiffbruch und treibt mit seinem Schiff in Sichtweite einer Insel. Da er jedoch nicht schwimmen kann, ist sie für ihn nur schwer erreichbar. Während der Zeit an Bord erfährt der Leser in Rückblicken eine Menge über die Biographie Robertos: Briefe an seine verehrte Signora, die er stürmisch aus der Ferne verehrt, und lückenhafte Aufzeichnungen, mit denen er sich die Zeit vertreibt.
Sein geheimer, wissenschaftlicher Auftrag auf dieser Reise ist die Suche nach dem Fixpunkt, mit dem sich untrüglich die Einteilung der Längengrade bestimmen läßt. Schon bald bemerkt er allerdings, daß er nicht allein auf dem Schiff ist und er macht sich auf die Suche.
Das Handlungsgerüst des dicken Wälzers dient Eco vor allem dazu, sein enzyklopädisches Wissen über die Zeit des 17. Jahrhunderts ansprechend zu verpacken. Er schildert in Exkursen philosophische Überlegungen und den finsteren Aberglauben dieser Zeit, gibt in Traktaten allerlei absurde Maschinen und Erfindungen zum Besten und macht sich paradoxe Gedanken über das Denken der Steine.
Die Insel des vorigen Tages ist ein ungemein gelehrtes und phantasievolles Buch, doch leider hat der Autor einen etwas mageren Plot für seine vielfältigen Exkurse ausgewählt. Der Roman ist eine sehr anspruchsvolle Lektüre, die oft nur mit einem Fremdwörterbuch zu bewältigen ist. Wer Spaß an abstrusen Spinnereien und phantasievollen Romankonstrukten hat und dabei noch eine Menge über das 17. Jahrhundert erfahren möchte, der liegt bei diesem Buch richtig. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Dennoch sieht Roberto in dem Fremden seinen Schicksalsgenossen. Von seinem Versuch, zu der Insel des vorigen Tages, die östlich der Datumsgrenze liegt, zu gelangen, kehrt der Fremde jedoch nicht mehr zurück. In seiner Verlassenheit beginnt Roberto sich einen Roman auszudenken, in dem sich Wahn und Wirklichkeit immer mehr vermischen. Dies führt zu einer waghalsigen Entscheidung ... -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Über den Autor
Auszug
Und doch erfüllt mich meine Demütigung mit Stolz, und da zu solchem Privilegio verdammt, erfreue ich mich nun gleichsam einer verabscheuten Rettung: Ich glaube, ich bin seit Menschengedenken das einzige Wesen unserer Gattung, das schiffbrüchig ward geworfen auf ein verlassenes Schiff
So, in unverbesserlichem Manierismus, Roberto de La Grive, vermutlich im Juli oder August 1643.
Seit wie vielen Tagen war er auf den Wellen getrieben, an ein Brett gebunden, tagsüber mit dem Gesicht nach unten, um nicht von der Sonne geblendet zu werden, den Hals unnatürlich verrenkt, um kein Wasser in den Mund zu bekommen, verätzt von der Salzlauge, sicherlich fiebernd? Die Briefe lassen es nicht erkennen, sie lassen an eine Ewigkeit denken, aber es kann sich um höchstens zwei Tage gehandelt haben, sonst hätte er nicht überlebt unter der Peitsche des mengenden Phöbus (wie er bilderreich klagt) - er, der sich als so kränklich beschreibt, ein Nachttier aus angeborener Schwäche.
Er war nicht imstande, die Zeit zu messen, aber ich glaube, das Meer hatte sich nach dem heftigen Sturm, der ihn von Bord der Amarill gefegt hatte, recht bald wieder beruhigt, und das als Rettungsfloß dienende Brett, das ihm der Matrose maßgeschneidert hatte, dürfte ihn, von den Passatwinden über ein heiteres Meer getrieben in einer Jahreszeit, in der südlich des Äquators ein äußerst milder Winter herrscht, nicht allzuweit gebracht haben, ehe die Strömung es in die Bucht trieb.
Es war Nacht, er war eingenickt und hatte nicht bemerkt, daß er auf das Schiff zutrieb, bis das Brett mit einem leichten Erzittern an den Bug der Daphne gestoßen war.