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Roberto de La Grive, ein junger piemontesischer Adeliger, erleidet in der Südsee Schiffbruch und treibt mit seinem Schiff in Sichtweite einer Insel. Da er jedoch nicht schwimmen kann, ist sie für ihn nur schwer erreichbar. Während der Zeit an Bord erfährt der Leser in Rückblicken eine Menge über die Biographie Robertos: Briefe an seine verehrte Signora, die er stürmisch aus der Ferne verehrt, und lückenhafte Aufzeichnungen, mit denen er sich die Zeit vertreibt.
Sein geheimer, wissenschaftlicher Auftrag auf dieser Reise ist die Suche nach dem Fixpunkt, mit dem sich untrüglich die Einteilung der Längengrade bestimmen läßt. Schon bald bemerkt er allerdings, daß er nicht allein auf dem Schiff ist und er macht sich auf die Suche.
Das Handlungsgerüst des dicken Wälzers dient Eco vor allem dazu, sein enzyklopädisches Wissen über die Zeit des 17. Jahrhunderts ansprechend zu verpacken. Er schildert in Exkursen philosophische Überlegungen und den finsteren Aberglauben dieser Zeit, gibt in Traktaten allerlei absurde Maschinen und Erfindungen zum Besten und macht sich paradoxe Gedanken über das Denken der Steine.
Die Insel des vorigen Tages ist ein ungemein gelehrtes und phantasievolles Buch, doch leider hat der Autor einen etwas mageren Plot für seine vielfältigen Exkurse ausgewählt. Der Roman ist eine sehr anspruchsvolle Lektüre, die oft nur mit einem Fremdwörterbuch zu bewältigen ist. Wer Spaß an abstrusen Spinnereien und phantasievollen Romankonstrukten hat und dabei noch eine Menge über das 17. Jahrhundert erfahren möchte, der liegt bei diesem Buch richtig. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein Insider-Buch,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Insel des vorigen Tages. (Broschiert)
Roberto de la Grive ist unterwegs, um den "Ursprung der Längengrade" zu finden, den Fixpunkt, an dem alles beginnt. Kein leichtes Unterfangen, sucht er doch etwas, das es ja eigentlich gar nicht gibt... Vor dem Hintergrund dieser Geschichte breitet sich ein Eco aus, wie man ihn kennt: eigentlicher Inhalt des Buches ist nicht die Rahmenhandlung, sondern ein Streifzug durch die Wissenschaftsgeschicht des Mittelalters. Allerdings ist dies keine "Wissensvermittlung" im übliche Sinne, sondern geschieht eher "en passant", nämlich durch zahlreiche, offene oder versteckte Anspielungen, von kleineren Textpassagen bis hin zu ausführlichen Abschnitten. Eco setzt hier vielfach Kenntnisse in Philosophie und Wissenschaftshistorie voraus, ohne die zahlreiche Ausführungen nicht zu verstehen oder gar in den entsprechenden Kontext einzuordnen sind. Wer in diesen Bereichen ausreichend bewandert ist, wird sicher seinen Spaß an diesem sehr humorvollen, wenn auch stellenweise vielleicht etwas langatmigen Werk haben. Für alle anderen, und das trifft wohl auf die Mehrzal leider zu, muß vieles unverständlich, wenn auch nicht uninteressant, bleiben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schwierig schön!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Insel des vorigen Tages. (Taschenbuch)
Roberto de la Grive, Abkömmling eines heruntergekommenen lombardischen Adelshauses, landet als einziger Überlebender eines Seeunglücks und Schiffbrüchiger auf einem verlassenen Schiff (!) vor einer unbewohnten Insel, von der ihn nicht nur die Datumsgrenze trennt, sondern auch die Tatsache, daß er nicht schwimmen kann.Er war im Auftrag des französischen Hofes unterwegs, um diese Datumsgrenze ausfindig zu machen, Mitarbeiter eines weltumspannenden Konkurrenzprojektes, das der Bestimmung der Längengrade diente. Was so selbstverständlich erscheint, war bis ins 18. Jahrhundert hinein ein gravierendes Problem: Die Schiffe der Entdecker fuhren ins Blaue hinein über die Ozeane, sie wußten zwar, in welchen Breiten sie sich befanden, aber nicht wie schnell oder langsam sie auf ihren Reisen vorankamen! Roberto ist ein sperriger Protagonist, ein Feigling und Dummkopf mit Neigung zu Paranoia und Wahnvorstellungen. Die Entdeckung, daß er auf diesem Schiff, auf dem sich ein Raum mit Vögeln und ein anderer voller Uhren befinden, nicht allein ist, versetzt ihn in Panik. Der Leidensgenosse, Pater Caspar Wanderdrossel, ebenfalls ein Nichtschwimmer, klärt ihn über die Geschichte des Schiffes - Daphne - und seiner Mannschaft auf: Die Mannschaft habe nach ihrem Eintreffen mit allem wichtigen Werkzeug auf die Insel übergesetzt und sei dort von Wilden niedergemacht worden. Roberto versucht, sich das Schwimmen beizubringen, aber es gelingt ihm nicht. Sodann entsinnt sich Wanderdrossel der Zeichnung einer Taucherglocke, die er irgendwann irgendwo in einem Buch gesehen haben will, und spekuliert darauf, daß er mittels diesem Instrument auf dem Meeresgrund zur Insel wandern könne, um das Werkzeug zurückzubringen; die beiden basteln sich diese Taucherglocke, Wanderdrossel steigt mit ihr ins Meer und verschwindet. Alleingelassen verlegt sich Roberto darauf, einen Roman über sein Leben und das seiner verwegensten Wahnvorstellung, eines imaginierten "dunklen Zwillingsbruders" namens Ferrante, zu entwickeln, der seinem Schicksal einen Sinn geben soll; zugleich versucht er es nochmals mit dem Schwimmen. Die Welt des Roberto de la Grive ist ein Kaleidoskop des 17./18. Jahrhunderts, Erinnerungen mischen sich mit Wunsch- und Wahnvorstellungen eines überreizten Gemüts. Dazwischen vermittelt Eco über einen Erzähler geschickt Wissen und Aberglauben dieser Zeit, macht vor keinem noch so absurden oder schrecklichen Detail Halt. Der Stil ist geradezu pompös, angelehnt an die selbstverliebte Sprache dieser Zeit läßt er seinen Erzähler Robertos Leben anhand (fiktiver) Dokumente erzählen, über dieses Leben räsonnieren ebenso wie über die damalige Zeit. Realität und Fiktion verweben sich zu einem Gemisch aus historischer Realität, fiktiver Realität und fiktiver Fiktion - eine derart kunstvolles Rezept, deren Zusammensetzung und Verarbeitung bislang nur einem Umberto Eco zu Gebote steht. Der Roman ist gespickt mit Zeichen, Symbolen, Metaphern, Anspielungen, Verweisen etc., unkommentiert, parodiert, ironisiert, verfremdet etc., und das ohne daß es sich der Autor an irgendeiner Stelle dem Leser gegenüber raushängen ließe, um wie viel intelligenter, klüger, gebildeter er doch sei. Eco gönnt einem den Spaß des Wiedererkennens von Motiven, weckt den Wunsch danach, es nicht nur einmal zu lesen, sondern wieder in die Hand zu nehmen, auf die Suche zu gehen, die Spurensuche nach der Entwicklung unserer heutigen Weltanschauungen. Die Sprache hat eine sonderbare Sogwirkung, sobald man beginnt, sich an ihrem Zeichenkodex entlangzuhangeln, was voraussetzt, daß man sich auf diese Art des Sprechens - denn er "erzählt" diese Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes! - einläßt. Selbstverständlich könnte man den Plot auf 50 Seiten oder gar weniger straffen. Selbstverständlich braucht es die geschwätzige, pompöse Sprache nicht, um eine Geschichte über die Bestimmung der Längengrade zu schreiben - das hat Dava Sobel mit "Längengrad" längst bewiesen. Aber Sobel liefert bei aller Gelehrtheit nur das "naturwissenschaftliche" Detail aus dem konfusen Konglomerat aus Wissenschaft und Weltanschauung einer Zeit, für die die Figur des Roberto de la Grive ein pefekter Repräsentant ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tiefe Gedanken zu Aberglaube und Wissenschaft des 17. Jh,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Insel des vorigen Tages. (Taschenbuch)
Umberto Eco ist sicher ein echter Kenner des 17. Jahrhunderts. Ich habe mich schnell in der damaligen Zeit auf dem Grad zwischen Aberglaube und Wissenschaft wiedergefunden.Die Story an sich ist recht simpel und bedarf sicher nicht wirklich eines so dicken Wälzers. Aber es macht Spass, über so ein Buch in die Welt des 17. Jahrhunderts einzutauchen. Es ist das sprachlich hohe Niveau, dass vermutlich auch der guten Übersetzung zu verdanken ist und die geschickt verpackte, philosophische Auseinandersetzung mit der Zeit und der Suche nach dem Längengrad, was dieses Buch so lesenswert macht. Es geht hier weniger um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung und der Suche nach dem Längengrad, wie in Dava Sobels "Längengrad", dem m.E. wohl besten Buch zu diesem Thema. Aber auch die philosophische Betrachtung ist sehr interessant! "Die Insel des vorigen Tages ist kein spannender Thriller aber ein wirklich gut verpacktes 17. Jahrhundert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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