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Die Inquisition: Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit: Ketzerverfolgung im Mittelalter und Neuzeit
 
 

Die Inquisition: Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit: Ketzerverfolgung im Mittelalter und Neuzeit [Kindle Edition]

Gerd Schwerhoff
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Die Verfolgung von vermeintlichen Ketzern und Hexen, von ehemaligen Juden und Muslimen gilt als eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Christentums. Gerd Schwerhoff bietet einen umfassenden Überblick über die Inquisition von der Verfolgung der Katharer und Waldenser im Hochmittelalter über die berüchtigte Spanische Inquisition und das „Heilige Offizium“ am Beginn der Neuzeit bis zu ihrem Niedergang im 18. Jahrhundert. Er beschreibt anschaulich, wie ein Inquisitionsprozeß ablief, und zeigt, daß die Inquisitoren nicht nur mit Folter und Scheiterhaufen gearbeitet haben, sondern sich vor allem auch subtiler, geradezu moderner Machttechniken bedienten. Nicht zuletzt geht das Buch der schwarzen Legende nach, die sich bis heute um die Inquisition rankt.

Über den Autor

Gerd Schwerhoff ist Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der TU Dresden.

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35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Mit der Inquisition verbindet sich im allgemeinen Bewusstsein das Bild einer mordlüsternen, willkürlich folternden Gesinnungspolizei, die die Menschen unterdrückte und vor der jene in permanenter Furcht und Verschüchterung lebten. Die vorliegende Einführung von Gerd Schwerhoff bietet die Möglichkeit, sich in relativer Kürze einen Überblick zu verschaffen, der verschiedene Vorannahmen zu korrigieren im Stande ist.

Das Buch besteht aus drei Hauptteilen, in denen die päpstliche Inquisition des späten Mittelalters, die spanische Inquisition der frühen Neuzeit sowie ihr römisches Pendant behandelt werden. Der Autor stellt Kontinuitäten und Neuerungen in Zielsetzung und Methodik dar, öffnet den Blick für die Verflechtungen mit dem Politischen und Entwicklungen im Spannungsfeld von Notwendigkeit und Kritik. Bildete die konkrete Erfahrung mit den Katharern und der Ketzerkreuzzüge die Hauptaufgabe der mittelalterlichen päpstlichen Inquisition, unterstand die spätere spanische Variante, die sich formal zwar immer noch auf den Papst berief, de facto jedoch der Landeskrone. Auch hatte sich das Einsatzgebiet geändert: Statt Ketzerbekämpfung stand die Inquisition im Dienste der Politik und richtete sich periodisch gegen zwangskonvertierte Juden ("Conversos"), christianisierte Muslime ("Moriscos") und zwischendurch auch in geringerer Zahl gegen Protestanten.

Die Praktiken und Verhörmethoden bestanden dabei keineswegs aus willkürlicher Folter, sondern diese bildeten nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten, die in der Hauptsache auf psychologische Beeinflussung ausgelegt waren (wie z.B. die lange Einzelhaft, um die Angeklagten mürbe zu machen und zum Geständnis zu zwingen). Es ist darauf hinzuweisen, dass Methoden wie Folter auch den derzeitigen Vorstellung legitimer Rechtspraxis entsprach, es sich also nicht um eine Erfindung der Inquisition handelt, sie vielmehr sogar von der römischen Inquisition eher mit größerer Zurückhaltung eingesetzt wurde, als dies bei weltlichen Gerichten der Fall war. Das Besondere und Revolutionäre der Inquisition war vielmehr ihre protokriminalistische Arbeitsweise, die Erfassung zahlloser Daten und anschließende systematische Auswertung der Fakten.

In einem weiterführenden Exkurs geht Schwerhoff auf die Beziehungen zwischen Inquisition und Hexerei ein, die jedoch nicht deren ursprüngliche Hauptaufgabe bildeten, sondern eher zu den weltlichen Verbrechen gezählt wurden. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit dem "Mythos der Inquisition". Der Autor zeigt hier, wie aufklärerische und politische Motivationen vor allem die spanische Inquisition über die tatsächlichen Faktenlage hinweg noch dämonisierte. Die von dieser "Polizei des Gewissens" ausgegangene Gewalt sei nicht kleinzureden, im Rahmen eines umfassenden Überblicks jedoch zu relativieren. Das Buch bietet einen soliden, komprimierten Überblick über ein sehr großes Thema.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Albert Knorr TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
In seinem Buch kann Gerd Schwerhoff den Geschichtsprofessor zu keiner Zeit verbergen. Sein Werk bietet dem Leser einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Inquisition. Gerd lenkt die Aufmerksamkeit auf die Strukturen und die Logistik im Hintergrund. Er verdeutlicht, wie viel bürokratischer Aufwand notwendig war, um die Fülle an Prozessen vom Mittelalter bis zur Neuzeit führen zu können. Von der Erstellung standardisierter Befragungsbögen bis hin zu Archiven (Datenabgleich der Inquisitoren) reichen seine detaillierten Schilderungen.

So wissenschaftlich fundiert und gesichert die Daten sein mögen, so knochentrocken werden sie dem Leser aber leider auch dargeboten.
Nun darf man sich von einem Sachbuch sicher kein Leseerlebnis wie bei einem Thriller erwarten, aber man kann Geschichte durchaus lebendiger vermitteln, als dies hier geschieht.

Fazit: Eine Unmenge interessanter Details in komprimierter Form, aber leider kein wirkliches Lesevergnügen. Am Ende des Buchs angekommen, fehlen einfach ein paar greifbare Schilderungen und "Fallbeispiele", um die Theorie in Erinnerung zu behalten.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gerhard Brouwer TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Gerd Schwerhoff, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der TU Dresden, gibt einen Abriss der Inquisition von ihrer Entstehung im späten Mittelalter (vor allem gegen die Katharer und Waldenser in Südfrankreich und Norditalien) bis zu ihrer systematischen Anwendung als Institution in der Neuzeit (nach 1500).
Er schildert die Verquickung von Staat und Kirche bei der Verfolgung der "Ketzer" (wohl abgeleitet von Katharer) und läßt nicht aus die materiellen Interessen der beteiligten Gruppen. Das ist ganz offensichtlich bei der Spanischen Inquisition der Neuzeit, die eine neue Zielgruppe als Objekt der Begierde hatte: die Conversos, das sind getaufte Neuchristen jüdischer Herkunft, die oft nur die Wahl hatten zwischen Christwerden oder Tod und als Christen der Inquisition unterworfen werden konnten sowie etwas später die Moriscos, zwangschristianisierte Muslime, aus denen oft auch verborgenes Anhängen an ihrer alten Religion herausgefoltert wurde. Protestanten spielen in der Geschichte der Spanischen Inquisition zahlenmäßig eine geringere Rolle.
Die Römische Inquisition, unter direkter Verantwortung der Päpste, war vergleichsweise milder und hat weniger Häretiker dem Arm des Staates überlassen, d.h. verbrennen lassen.
Bei Schwerhoff ist Ratzinger noch Kardinal und Leiter der Glaubenskongregation, dem Nachfolgeinstitut der Inquisition, dem Disziplinarmaßnahmen gegen die Theologen Hans Küng und Leonardo Boff, aber auch die Auseinandersetzungen mit den Traditionalisten um Erzbischof Marcel Lefebvre, die Front gegen die liturgischen Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils machten, "den Ruf eines neuen Inquisitors eingebracht" haben. Mein Zusatz: damit hat er ja auch als Benedikt der XVI. seine Probleme.
Schwerhoff merkt man an, dass ihm die Kürze, das Kürzen der Stofffülle schwerfällt, er bedankt sich zu Beginn für Unterstützung "für klug dosierte Grausamkeiten im Kürzungsprozess". Er ist nie reißerisch bei Schilderung von Grausamkeiten bzw. schildert keine Folterungen. Er beschreibt die juristischen Normen und Arbeitsweisen, versucht realistische Schätzungen der Verfahren und Tötungen zu geben und verweist mehrfach darauf hin, dass die Inquisition oft nur genauso grausam war wie weltliche Gerichte damals, vielleicht sogar milder. Hexenverfolgungen etwa mit den Tausenden von Verbrennungen waren mehr weltlichen Gerichten zuzuschreiben als der Inquisition.
Am Mythos von der "schwarzen Legende" insbesondere der Spanischen Inquisition, an der Schwerhoff etwas kratzt, ist also noch viel dran!
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