Mit der Inquisition verbindet sich im allgemeinen Bewusstsein das Bild einer mordlüsternen, willkürlich folternden Gesinnungspolizei, die die Menschen unterdrückte und vor der jene in permanenter Furcht und Verschüchterung lebten. Die vorliegende Einführung von Gerd Schwerhoff bietet die Möglichkeit, sich in relativer Kürze einen Überblick zu verschaffen, der verschiedene Vorannahmen zu korrigieren im Stande ist.
Das Buch besteht aus drei Hauptteilen, in denen die päpstliche Inquisition des späten Mittelalters, die spanische Inquisition der frühen Neuzeit sowie ihr römisches Pendant behandelt werden. Der Autor stellt Kontinuitäten und Neuerungen in Zielsetzung und Methodik dar, öffnet den Blick für die Verflechtungen mit dem Politischen und Entwicklungen im Spannungsfeld von Notwendigkeit und Kritik. Bildete die konkrete Erfahrung mit den Katharern und der Ketzerkreuzzüge die Hauptaufgabe der mittelalterlichen päpstlichen Inquisition, unterstand die spätere spanische Variante, die sich formal zwar immer noch auf den Papst berief, de facto jedoch der Landeskrone. Auch hatte sich das Einsatzgebiet geändert: Statt Ketzerbekämpfung stand die Inquisition im Dienste der Politik und richtete sich periodisch gegen zwangskonvertierte Juden ("Conversos"), christianisierte Muslime ("Moriscos") und zwischendurch auch in geringerer Zahl gegen Protestanten.
Die Praktiken und Verhörmethoden bestanden dabei keineswegs aus willkürlicher Folter, sondern diese bildeten nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten, die in der Hauptsache auf psychologische Beeinflussung ausgelegt waren (wie z.B. die lange Einzelhaft, um die Angeklagten mürbe zu machen und zum Geständnis zu zwingen). Es ist darauf hinzuweisen, dass Methoden wie Folter auch den derzeitigen Vorstellung legitimer Rechtspraxis entsprach, es sich also nicht um eine Erfindung der Inquisition handelt, sie vielmehr sogar von der römischen Inquisition eher mit größerer Zurückhaltung eingesetzt wurde, als dies bei weltlichen Gerichten der Fall war. Das Besondere und Revolutionäre der Inquisition war vielmehr ihre protokriminalistische Arbeitsweise, die Erfassung zahlloser Daten und anschließende systematische Auswertung der Fakten.
In einem weiterführenden Exkurs geht Schwerhoff auf die Beziehungen zwischen Inquisition und Hexerei ein, die jedoch nicht deren ursprüngliche Hauptaufgabe bildeten, sondern eher zu den weltlichen Verbrechen gezählt wurden. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit dem "Mythos der Inquisition". Der Autor zeigt hier, wie aufklärerische und politische Motivationen vor allem die spanische Inquisition über die tatsächlichen Faktenlage hinweg noch dämonisierte. Die von dieser "Polizei des Gewissens" ausgegangene Gewalt sei nicht kleinzureden, im Rahmen eines umfassenden Überblicks jedoch zu relativieren. Das Buch bietet einen soliden, komprimierten Überblick über ein sehr großes Thema.