Um von der der afrikanischen Sprechtrommel als Mittel zur Nachrichtenübermittlung zum modernen, digitalisierten Nachrichtentransfer durch Computertechnik zu gelangen, mussten vielfältige technische Lösungen erdacht und mathematisch logische Zusammenhänge erkannt werden. Dennoch stehen beide in engerer Beziehung als man annehmen mag. Der informationstheoretische Zusammenhang zwischen diesen scheinbaren Polen einer Entwicklung ist eine der überraschenden Erkenntnisse die James Gleick in seinem Buch vermittelt.
Ausgehend von besagten Trommeln führt Gleick den Leser durch die Geschichte der Information, die zunächst eine Geschichte der Nachrichtenübermittlung und -speicherung ist. Erst in den 40er Jahren des 20ten Jahrhunderts entsteht die Informationstheorie, in der die zu übertragenden Informationseinheiten losgelöst von der eigentlichen Nachricht, der Bedeutung, betrachtet werden.
Dazwischen: eine faszinierende Fülle von mathematisch logischen Betrachtungen, Erfindungen und technischen Lösungen zur Nachrichtenübermittlung. Die Erfindung der Schrift, dem ersten künstlichen Gedächtnis, mit ihren Konsequenzen für das menschliche Denken in Kategorien und für logische Schlussfolgerungen markiert auch den echten Beginn des Bewusstseins. Die Schrift ermöglicht aber auch komplexere Mathematik, und da das Rechnen eine Kunst war, die nur wenige beherrschten, waren Rechentafeln, z.B. für Multiplikationen, verbreitet.
Die zunehmende Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung durch Telegrafie und Telefon hat natürlich Konsequenzen für das Zusammenleben der Menschen, befeuert neue Industriezweige und erzeugt mit zunehmender Verbreitung neue Probleme, die technische Lösungen benötigen.
Die Befürchtung, dass die elektrische Telegrafie Zeitungen obsolet machen könnte, ist aus heutiger Sicht eine skurrile Randnotiz aus damaliger Zeit. Elektrische Telegrafie ist aber auch der Wegbereiter für die Erstellung von Wetterberichten: Wetterdaten aus sehr entfernten Gebieten konnten erstmals sehr schnell zusammengeführt werden. Konsequenterweise sind seit ca.1860 Wetterberichte in Tageszeitungen zu finden.
Der Siegeszug des Telefons hat weitreichende Folgen. Die Verbreitung derartiger Netze, die Datenübertragung über große Entfernung rückt auch Fragen von Störgeräuschen, fehlerhaften Signalen und verfügbarer Bandbreite in den Vordergrund. Die theoretischen Überlegungen hierzu zeigen, dass diese Punkte ein generelles Problem jeder Informationsübermittlung darstellen.
Diese kurzen Beispiele illustrieren ein wenig wie James Gleick sein Thema angeht.
Der Leser lernt die Mathematiker, Physiker, Biologen und Erfinder kennen (Morse,Babbage,Turing, Shannon,Gödel und viel mehr) erfährt beiläufig etwas aus ihrem Leben und wird in die grundlegenden Probleme und Theorien die sie bearbeitet haben eingeführt. Dabei werden Logik, Mathematik, Kryptographie, Physik, Informationstheorie erörtert und historische und kulturelle Entwicklungen dargestellt. Die Konsequenzen der Informationstheorie auf Computertechnologie (denkende Maschinen), Psychologie, Sozialwissenschaften und auf die Biologie (Gene sind Information) werden ausführlich dargestellt. Zum Schluss wird die allgegenwärtige Informationsflut zum Thema.
Auf diese Weise ergibt sich eine wissenschaftshistorische Betrachtung und interdisziplinäre Übersicht zum Thema Information. Die Darstellung beschränkt sich also nicht auf die rein technische Seite des Themas, sondern umfasst auch seine kulturellen, soziologischen und philosophischen Aspekte.
Gleicks Buch ist in seiner Gesamtheit, mit seinen Querbezügen ein Überblick, der klar macht, dass das Ganze weit mehr ist als die erläuterten Einzelaspekte erahnen ließen.
Kurz zur Kindle Version des Buchs: die enthaltenen Tabellen, Photos und Grafiken sind von guter Qualität und schränken daher das Lesevergnügen nicht ein.
Ein sehr gelungenes Buch, das konzentriertes Lesen erfordert, aber auch belohnt.