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Die Informanten
 
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Die Informanten [Gebundene Ausgabe]

Juan Gabriel Vásquez
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Schöffling (15. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895610054
  • ISBN-13: 978-3895610059
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,8 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 322.804 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Juan Gabriel Vásquez
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

Wer Informationen weiterreicht, macht sich nur selten des Verrats schuldig; umgekehrt aber basiert der Verrat häufig darauf, dass vertrauliche Informationen an Menschen übermittelt werden, denen das Wissen Macht verleiht. Der Journalist Gabriel Santoro, Sohn eines bekannten Rhetorikprofessors, möchte mit seinem ersten Buch informieren: "Ein Leben im Exil" ist die Chronik einer befreundeten, deutsch-jüdischen Familie. Doch Gabriels Vater reagiert heftig auf die Veröffentlichung; er schreibt einen bösen Verriss für die größte Tageszeitung Kolumbiens. Erst lange Zeit später treten Vater und Sohn wieder in Kontakt, und langsam beginnt Gabriel Santoro zu verstehen, welche alten Wunden er mit seinem Werk aufgerissen hat. Mit seinem Debütroman gelingt dem Autor und Übersetzer Juan Gabriel Vásquez ein eindringliches Werk: "Die Informanten" ist ein dramaturgisch und sprachlich perfekter Roman über persönliche Beziehungen und die kaum bekannte Geschichte eines ganzen Landes zugleich. Es geht um Verrat - an einer ganzen Bevölkerungsschicht, an Freunden, aber auch an den eigenen Erinnerungen, und es fällt schwer zu bewerten, welches der schlimmere Bruch ist. Wie alle Autoren seiner Heimat musste sich auch Vásquez mit diesem Debüt am Großmeister Gabriel Garcia Marquez messen lassen. Test bestanden: Vásquez hat seinen eigenen Platz gefunden, und nun wartet alle Welt gespannt auf den Zweitling. (jul)

Kurzbeschreibung

Voller Stolz schenkt der junge kolumbianische Journalist Gabriel Santoro seinem Vater, einem bekannten Rhetorikprofessor, sein erstes Buch. Er kann nicht ahnen, dass sein Vater diese Chronik einer befreundeten deutsch-jüdischen Familie mit einem Verriss in der größten Zeitung des Landes zunichtemachen wird. Mehr noch, dass er mit der Veröffentlichung seines Buches auf ein dunkles Geheimnis gestoßen ist. Gabriel begibt sich auf Spurensuche, die ihn vom Kolumbien der dreißiger Jahre in die Gegenwart führt, und entreißt ein bis heute vertuschtes, unrühmliches Kapitel der Geschichte seines Landes der Vergessenheit. Vásquez' großes Thema ist die Erinnerung, die Rückkehr unserer persönlichen und politischen Albträume. In einer melodischen, bildreichen Prosa deckt er immer neue Schichten der historischen Wahrheit auf und dringt in seelische Abgründe vor.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Juan Gabriel Vasquez thematisiert in "Die Informanten" eine in Europa weitgehend unbekannte Facette des 2. Weltkrieges: Die in einigen südamerikanischen Ländern erfolgte, durch die Gesandschaften der USA initiierte Verfolgung und Internierung von Personen, denen Kontakte zu den Achsenmächten nachgesagt worden waren. Mit Hilfe eines Informantennetzes erstellte die US Gesandschaft in Kolumbien eine schwarze Liste mit verdächtigen Personen, deren Vermögen eingefroren wurde und die wenig später in Internierungslagern festgesetzt worden sind. Im Mittelpunkt von Vasquez Roman steht ein solches Schicksal: Enrique Deresser wird denunziert und wenig später interniert. Er verliert seine wirtschaftliche Existenz, seine Frau verläßt ihn, sein Sohn taucht unter. Kurze Zeit nach seiner Freilassung nimmt sich Deresser das Leben. Jahrzehnte später stößt der Journalist Gabriel Santoro auf das Schicksal Deressers, dessen Sohn mit Santoros Vater, einem angesehenen Rethorik-Professor, zu dessen Jugendzeiten befreundet gewesen war. Was hat sich damals wirklich abgespielt und welche Rolle hat Santoro Senior gespielt? Warum ist Santoro Senior so erboßt über die Idee des Sohnes, einen Roman über die damalige Zeit zu veröffentlichen?

Vasquenz entspinnt ein komplexes Beziehungsgeflecht. "Die Informanten" ist aus verschiedenen Erzählkonstrukten zusammengesetzt: Santoro Junior arbeitet selber an einem Buch über die damaligen Geschehnisse, so dass der Leser die Entstehung dieses Buches im Buch mitverfolgt und anhand Gesprächen mit der Freundin des Vaters, aus einem Interview mit der Geliebten und schließlich durch ein Treffen mit dem Sohn des Denunzierten die Details der damaligen Geschehnisse erfährt.

"Die Informanten" ist nicht nur thematisch spannend, sondern auch abwechslungsreich geschrieben. Wie Wasser, das sich langsam zurückzieht und den Grund freilegt, gibt der Roman nach und nach den Blick frei auf die Dramatik der Ereignisse, in deren Kern die Verführbarkeit eines jungen Menschen mehrere Leben zerstört hatte.

Eine Anmerkung für zukünftige Leser von "Die Informanten": Es ist empfehlenswert, das Nachwort des Autors bereits zu Beginn zu lesen, da einige Hintergründe zur historischen Einordnung geliefert werden, die europäischen Lesern, die mit der Geschichte Kolumbiens nicht vertraut sind, so nicht bekannt sein dürften und für das Verständnis des Romans wichtig sind.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte Kolumbiens. Im Jahre 1941 schloss dieses lateinamerikanische Land im Kampf gegen die Achsenmächte mit den USA ein Geheimabkommen. Eine "Schwarze Liste" wurden eingeführt. Wer auf dieser Liste stand, deutsche Juden und deutsche Nazis, wurde auf Grund von Denunziationen, von Vorurteilen und Gerüchten interniert, zum Verlust der bürgerlichen Existenz verurteilt.

Das ist der Stoff, aus dem der 37-jährige kolumbianische Autor Juan Gabriel Vásquez einen aufregenden, einen faszinierenden Roman, eine Geschichte über die Schattenjahre in Kolumbien, gemacht hat. Ein Buch über einen Verrat und seine Folgen, über die schreckliche "Tortur der Listen", über menschliche Schicksale und eine besondere Vater-Sohn-Beziehung. Darüber schreibt er sozusagen einen Roman in einem Roman - in vier Kapiteln mit den programmatischen Titeln: "Das unvollendete Leben", "Das zweite Leben", "Das Leben gemäß Sara Guterman" und "Das geerbte Leben" sowie ein Nachwort.

"Ein Leben im Exil" heißt das Buch, das der jungen Journalist Gabriel Santoro veröffentlicht hat. Eher eine Chronik, die auf Gesprächen mit der aus Deutschland geflohenen Jüdin Sara Guterman, einer Freundin der Familie Santoro, beruht. Das Buch wird überaus gelobt, nur der Vater des Autors, ein angesehener Jurist und Rhetorikprofessor, schreibt einen fatalen Verriss. Sein Urteil über das Buch des Sohnes: "Das ganze Buch deutet auf mich. Es ist ein Buch über das Leben der Deutschen und was die Deutschen während des Krieges durchgemacht haben. Ich bin ein Teil davon... das Buch ist ein Attentat gegen mich." Dieser sich daraus ergebende Vater-Sohn-Konflikt nimmt dramatische Formen an und birgt ein dunkles Geheimnis. Das Buch, das uns jetzt vorliegt, ist sozusagen die "Fortsetzung" des Buchs im Roman. Und sein Autor damit ein "Testamentsvollstrecker".

Raffiniert verknüpft der Autor die Geschicke der handelnden Figuren zu einem einzigartigen Tableau realer und fiktiver Geschehnisse. Denn einst waren sie Freunde, Gabriel Santoro sen., Enrique Deresser und Sara Gutermann - bis es zu einem unheilbaren Bruch kommt. Enriques Vater Konrad steht plötzlich auf der "Liste", wird in das berüchtigte Hotel Sabaneta interniert - mit unsagbaren Folgen für Leib und schließlich Leben. In welchem Zusammenhang mit Santoro sen. steht diese Internierung? Verrat, Denunziation? Der Vater war an der Erstellung der Listen maßgeblich beteiligt. Nicht nur Konflikte und Abhängigkeiten zwischen den Menschen mit ihren Albträumen und Ängsten, auch moralische Verantwortung, Schuld und Sühne stehen jetzt in der Diskussion. Den Kampf mit den Schatten der Erinnerung kämpfen alle, aber aus verschiedenen Perspektiven. Auch die Opfer. Ihre Leiden sind unermesslich bis hin zu Selbstauslöschung.

Juan Gabriel Vásquez hat eine ausgewogene Darstellung dieser vielschichtigen Problematik gefunden. Der Schriftsteller, den man mittlerweile mit Garcia Márquez und Vargas Llosa - er bezeichnet Vásquez als "eine der originellsten neuen Stimmen der lateinamerikanischen Literatur" - vergleicht, hat einen äußerst komplexen, kunstvoll konstruierten, einen meisterhaften Roman in einer sehr geschmeidigen Prosa geschrieben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Regina Karolyi TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Gabriel Santoro weiß, dass sein Beruf - Journalist - von seinem Vater nicht ernst genommen wird. Dennoch hat der Sohn nicht mit der Reaktion des Vaters gerechnet, als er diesem ein Exemplar seines ersten Buchs schenkt: Der Vater überwindet seine Aversion gegenüber den Massenmedien und verfasst eine Rezension zum Buch - einen bitterbösen Verriss.
Für das Buch hat Gabriel die Jugendfreundin seines Vaters, Sara Guterman, interviewt und ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. Sara war 1938 mit ihrer jüdischen Familie aus Deutschland nach Kolumbien geflohen, und ihr Vater hatte dort ein Hotel eröffnet. Sara lernte dort viele interessante Persönlichkeiten kennen, unter anderem den damals jungen Santoro senior.
Sara erzählte dem Sohn ihres Jugendfreundes auch von der "Schwarzen Liste", die in enger Kooperation mit den USA geführt wurde und Menschen mit Nationalitäten aus den Achsenmächten enthielt, die verdächtigt wurden, eine nationalistische Gesinnung und somit eine USA-feindliche Einstellung zu haben. Mit diesen Listen wurde durchaus Missbrauch getrieben. Repressalien, Freiheits- und Vermögensentzug waren die Folge. Zu den Opfern gehörte auch Deutscher aus Santoro seniors und Saras Freundeskreis.
Erst nach dem Unfalltod des Vaters und den Enthüllungen von dessen letzter Geliebter begreift der junge Gabriel, dass sein Vater, sonst lebenslang ein Moralist, Teil dieser Machenschaften war und deshalb so aggressiv auf das Buch reagiert hat. Er muss ein zweites Buch schreiben ...
Trefflich ausgedacht und doch an wahren Ereignissen ausgerichtet, unerbittlich und dabei einfühlsam, kritisch ohne schlichtes Aburteilen lässt Juan Gabriel Vásquez ein düsteres Kapitel der Geschichte in seiner südamerikanischen Ausprägung auferstehen: ein packender Roman, eine schmerzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Verrat.
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