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Die Indoeuropäer: Herkunft, Sprache, Kultur
 
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Die Indoeuropäer: Herkunft, Sprache, Kultur [Broschiert]

Harald Haarmann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 128 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: Nachdruck. (30. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406606822
  • ISBN-13: 978-3406606823
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,8 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 53.580 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Harald Haarmann beschreibt anschaulich, was wir über die Ursprache der Indoeuropäer und ihre Urheimat in der südrussischen Steppe wissen, und erklärt, wie die berittenen Steppennomaden ab dem 4. Jahrtausend v.Chr. nach Westen und Osten gewandert sind. Allmählich vermischten sie sich mit anderen Kulturen und wurden schließlich in Persien, Indien, Westeuropa und andernorts sesshaft. Nicht nur die Sprachen der Indoeuropäer legen Zeugnis von dieser Entwicklung ab, sondern auch ihre Mythen sowie archäologische Funde.

Über den Autor

Harald Haarmann, Dr. phil. habil., geb. 1946, studierte Allgemeine Sprachwissenschaft und verschiedene philologische Einzeldisziplinen an den Universitäten Hamburg, Bonn, Coimbra (Portugal) und Bangor (Wales). Er lehrte und forschte an verschiedenen deutschen und japanischen Universitäten. Er ist Mitglied im Forscherteam des Research Centre on Multilingualism (Brüssel). Für seine Arbeit erhielt er diverse Preise: Prix logos (1999) der Association européenne des linguistes et des professeurs de langues (Paris) und den Premio Jean Monnet (1999) im Bereich Essayliteratur. Harald Haarmann lebt und arbeitet in Finnland.

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Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
"Forschung zur Sprachverwandtschaft wird erst dann sinnvoll, wenn es gelingt, Ähnlichkeiten nicht nur im Wortschatz, sondern auch im Lautsystem, im grammatischen Bau und in der Syntax aufzuspüren und zu belegen."
(Harald Haarmann)

Zu Beginn seines brandneuen Werkes gibt der international renommierte Sprach- und Kulturwissenschaftler zunächst einen Überblick über Forschung und Mythos der indoeuropäischen Sprachfamilie. Thomas Young war der erste, der bereits im Jahre 1813 den Begriff "Indo-European" verwendete, während die Bezeichnung "indogermanisch" dem Zeitgeist der Romantik entsprang und erstmals 1823 von Friedrich von Schlegel gebraucht wurde. Beide Termini weisen auf die Peripherie des Verbreitungsgebietes, die östliche (indo-) und westliche (europäisch, vzw. germanisch). Bei einer exakten Anwendung des geographischen Kriteriums müsste die Sprachfamilie jedoch das Attribut "indokeltisch" oder "indoromanisch" erhalten, denn im äußersten Nordwesten sind keltische, im weitesten Südwesten romanische Sprachen gebräuchlich....

....die alle von einer "Urmutter" dieser Sprachen abstammen. Sanskrit, mit seiner uralten schriftsprachlichen Tradition schien hierfür eine gute Kandidatin zu sein. Nach ihrer Selbstbenennung "Arya" galten die Träger dieser Kultur und Urahnen der Europäer als "Arier". Der Autor weist daraufhin, dass dieser Begriff in der schriftlichen Überlieferung ursprünglich an sprachlich-kulturelle Verhaltensweisen gebunden war und nicht - wie in der NS-Ideologie - ethnisch-anthropologisch verstanden werden darf. Auch die von Rassenfanatikern zum "arischen" Symbol hochstilisierte Swastika ist nicht von den Indoeueuropäern "ersonnen" worden, sondern gehörte schon lange Zeit davor zum Symbolschatz der altdrawidischen Indus- und anderen präindoeuropäischen Zivilisationen.

Im ersten Kapitel werden die Theorien zur Urheimat der Indoeuropäer vorgestellt. Die Befunde sprechen hierbei eher für die südrussische Steppe (Karte auf Seite 21), als für Anatolien. Die Lebenswelt der frühen Indoeuropäer ist Gegenstand von Kapitel 2. Hiebei spielen das Pferd und neue Technologien wie Wagenbau und Metallhandwerk eine wichtige Rolle. Mit der allmählichen Migration aus ihrer Urheimat gerieten die indoeuropäischen Steppennomaden in Kontakt mit Zivilisationen, die Ackerbau betrieben. Im Laufe der Akkulturation kam es zu einem Sprachwandel, der dazu führte, dass nur wenige Kernbegriffe des Pflanzenanbaus gemein-indoeuropäisch Wurzeln haben. Demgegenüber erlangte der Wortschatz des Viehnomadismus eine weite Verbreitung. Kapitel drei befasst sich mit der Ursprache und ihrer Verzweigung. Veranschautlicht wird dies durch eine Synopse "Entwicklung des Konsonatismus vom Indeoeuropäischen zum Germanischen und weiter zum Neuhochdeutschen", eine vergleichen Worttabelle und einem Zeitverlauf zur "Ausgliederung regionaler Kulturkomplexe und Sprachzweige". Eine wichtige Trennung erfolgte nach dem lateinischen, bzw. altiranischen Wort für "hundert", wonach die "Centumsprachen" von den "Satemsprachen" unterschieden werden.

Während im vierten Kapitel die ab 4000 v. Chr. einsetzende indoeuropäische Migration nach Westen exponiert wird, ist die später, ab 2500 v. Chr. beginnende Ostmigration Gegenstand des fünften Kapitels. Aus der Symbiose mit den Kulturen und Sprachen Alteuropas, bildeten sich neue Regionalkulturen und Sprachen heraus, deren älteste Vertreter das Altgriechische, Mazedonische und Italische sind. Diese Völker werden neben den Kelten, Germanen, Slawen, Balten, Thrakern, Illyrern, Messapiern, Veneter und Albanern vorgestellt. Die "Neuinder" oder "Indo-Arier" setzen sich über den Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Indien ab, wo sie mit den Ureinwohnern eine, zum Teil bis heute andauernde "arisch"-drawidische Mischkultur bildeten. Der Leser bekommt hier Einblicke in die "Indo-Iranischen Makrogruppierung", zu denen das antike Volk der Skythen und die Perser zählen. Daneben werden die iranischen und altindischen Sprachen, wie Vedisch und Sanskrit näher betrachtet. Das sechste Kapitel ist vor allem durch sprachliche und kulurelle Kuriositäten bestimmt. Das "Mysterium der Mumien von Ürümchi", die Tocharer im Tarimbecken und auch die heutigen Armenier zählen zu den "indoeuropäischen Außenlieger", die sich ab ca, 2000 v. Chr. räumlich und sprachlich isolierten. Neben den Hethitern und Phrygern sind im antiken Anatolien auch die wohl weniger bekannten Luwier ausgestorben.

Das letzte Kapitel bietet einen Überblick über die Verbreitung der heutigen indeuropäischen Weltsprachen, d. h. solchen mit mehr als 100 Millionen Sprechern: Englisch, Spanisch, Russisch, Portugiesisch, Französisch und Deutsch. Zum Anhang gehören ein Literaturverzeichnis, in dem auch der Autor selbst mit seinen über 40 Werken überdurchschnittlich vertreten ist, ein Register, sowie eine hervorragende Übersicht über die "Ausgliederung der indoeuropäischen Sprachen". Neben weiteren Tabellen, Karten und schwarzweissen Abbildungen ist besonders die Karte "Verbreitung der indoeuropäischen Sprachen" zu Beginn des Bandes zu nennen.

"Die Indoeuropäer. Herkunft, Sprachen, Kulturen" ist eine empfehlenswerte Ergänzung zu den bereits früher erschienenen Werken "Kleines Lexikon der Sprachen: Von Albanisch bis Zulu" (2001), "Lexikon der untergegangenen Sprachen"(2002), Kleines Lexikon der Völker: Von Aborigines bis Zapoteken(2004), Lexikon der untergegangenen Völker: Von Akkader bis Zimbern"(2005), "Weltgeschichte der Sprachen: Von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart"(2006) und "Geschichte der Schrift" (2006).

Der multidisziplinäre Philologen Haarmann beweist einmal mehr, dass Sprache der Spiegel von Geschichte und Kultur ist. Dafür gibt es 5 Amazonsterne.
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16 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unseriös 17. Februar 2012
Von Tanzmaus
Jenseits der festgestellten Ähnlichkeiten in den sog. indoeuropäischen Sprachen, ist die "indoeuropäische Ursprache" ein sprachwissenschaftliches Konstrukt. Ob es also jemals "die Indoeuropäer" bzw. ein indoeuropäisches Urvolk gegeben hat, das von einer "Urheimat" ausgehend, den Kontinent bevölkerte, ist keinesfalls unumstritten. Insofern ist bereits der Buchtitel unseriös. Anders als vom Autor dargestellt, gibt es neben den verschiedenen Migrationshypothesen nämlich auch autochthone Erklärungsmodelle, die die Sprachverwandtschaften ohne wandernde Urvölker erklären. Aber die hat Haarmann glatt unterschlagen.

Archäologische Kulturen sind ebenfalls Konstrukte, die durch ihre materiellen Hinterlassenschaften definiert sind. Die Verbreitungen spezifischer Fundobjekte markieren z. B. Wirtschafts- und Verkehrsräume, Technikbereiche, bisweilen sogar "Heiratskreise" oder sind Ausdruck bestimmter Sitten und Praktiken. Entsprechend groß ist Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten. Eine "ethnische Interpretation" archäologischer Kulturen ist also nur eine Möglichkeit unter vielen. Ob die Träger einer archäologischen Kultur also die gleiche Sprache sprachen, steht auf einem anderen Blatt. Beispiele dafür, dass sich materielle Kultur und Sprache nicht zur Deckung bringen lassen, liefern sowohl die Völkerkunde als auch die Frühgeschichte zu Genüge. Es ist daher auch nicht gerechtfertigt, archäologische Kulturen vergangener Jahrtausende mit ethnischen Gruppen oder Sprachen zu verknüpfen. Aber auch hierüber liest man bei Haarmann nichts.

Von Forschungsgeschichte, Methodik oder gar methodischen Problemen unbeeindruckt, berücksichtigt Haarmann in seiner Darstellung ausschließlich Migrationsmodelle und reduziert die Diskussion um die Herkunft der "Indoeuropäer" auf zwei Regionen: die südrussische Steppe und Anatolien. Da er Anatolien ausschließen kann, bleibt natürlich nur die südrussische Steppe übrig. Die Vorstellung einer Steppeninvasion aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres geht jedoch nicht auf M. Gimbutas zurück, wie Haarmann schreibt, sondern wurde bereits in den 20er und 30er-Jahren diskutiert - und ist mittlerweile widerlegt. Aber auch das enthält Haarmann dem Leser vor.

Kopfschüttelnd entsorgt Rez. das Buch: Von einem Buch aus der Reihe "Wissen" wäre zu erwarten, dass es dem Leser eine fundierte Einführung in das Thema bietet. Dabei sollte der derzeitige Wissensstand klar umrissen, die verschiedenen Argumente, Thesen und Positionen dargestellt und zugleich auf Problemstellungen hingewiesen werden. Der vorliegende Titel bietet davon jedoch nichts, stattdessen flaniert der Autor nur munter plaudernd durch luftige und waghalsige Hypothesengebäude.

Rez. stellt sich die Frage, wie man beim Verlag C.H. Beck Themen und Autoren für die Reihe "Wissen" auswählt. Eine gründliche Recherche oder auch eine Beratung durch jeweilige Kenner der Materie ist dringend notwendig. Alternativ ist dem Verlag zu raten, neben der bestehenden Reihe "Wissen" doch eine Reihe "Halbwissen" oder "Unwissen" aufzulegen. In der vorliegenden Form wäre der besprochene Titel dort bestens aufgehoben.
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Archäologen rätseln über 7000 Jahre alte Kupferfunde 0 19.03.2011
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