Wie kommt es eigentlich, dass die Sprachen der Menschen aus Westeuropa solch auffällige Ähnlichkeiten mit den Sprachen der Menschen in Indien haben? Wie lassen sich die vielen Gemeinsamkeiten in Lebensweise, Kultur, Gesellschaft und Religion bei den Kelten, Germanen, Slawen, Griechen, Persern, Römern und Indern erklären - wo diese Völker doch durch tausende Jahre und Kilometer voneinander getrennt sind?
Diesen Fragen geht Reinhard Schmoeckel in "Die Indoeuropäer" nach. Dabei beschriebt er in sehr anschaulicher Sprache und für den Laien verständlich, was in wissenschaftlichen Kreisen schon längst bekannt ist: alle diese Völker haben einen gemeinsamen Ursprung, denn sie alle sind Nachfahren von Hirten und Viehzüchtern aus der südrussischen Steppe, die sich ab etwa 3500 vor unserer Zeitrechnung über Europa und Asien auszubreiten begannen. Tatsächlich ist dieses Buch das einzige populärwissenschaftliche Werk, das es in deutscher Sprache zu dem Thema gibt - Schmoeckel hält es daher für dringend notwendig, den historisch Normalgebildeten über unserer Vor-und Frühgeschichte aufzuklären. Und er hat Recht, wenn man bedenkt, dass dieser Zeitraum im Geschichtsunterricht praktisch gar nicht behandelt wird!
Schmoeckel beschreibt nun in seinem Buch die Wege all der zahlreichen Völker, die aus der Steppe kamen, und so kann der Leser ihre Entwicklung durch die Jahrhunderte nachvollziehen. Es werden die unterschiedlichsten Zusammenhänge zwischen den Völkern beschrieben, seien es biologische, kulturelle und sprachliche und auch die Unterschiede. Man erfährt also nicht nur etwas über Geschichte, sondern auch über Archäologie und Sprachwissenschaft. Dabei wird die Entwicklung der jeweiligen Völker immer nur bis zu dem Zeitpunkt beschrieben, an dem sie erste schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen haben, und somit also quasi aus der Vorgeschichte ins Licht der Geschichte treten. Die Fülle an Informationen ist dennoch beachtlich, und manchmal ist es natürlich auch schwer, sich die Namen all der einzelnen Völker und die genauen Wege ihrer Wanderungen zu merken - doch wenn man sich für das Buch Zeit lässt, wird man sehr viel neues daraus lernen können, und wenn man sich für Geschichte interessiert, wird man es eh nicht wieder aus der Hand legen wollen :-)
Sehr gut finde ich die romanhaften Episoden, die Schmoeckel zu Beginn jedes Kapitels eingefügt hat. Sie helfen sehr dabei, sich die Umstände der damaligen Zeit und das Leben der Menschen plastisch vorzustellen, und außerdem kann man sich auch so vieles besser merken.
Wer sich also für Geschichte interessiert und endlich erfahren will, was in Europa geschah, BEVOR die Griechen ihre Tempel bauten und ihre Epen dichteten, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Außerdem ist es auch für Jugendliche sehr gut verständlich (ich bin 15).