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Die Individualität des Gehirns: Neurobiologie und Psychoanalyse
 
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Die Individualität des Gehirns: Neurobiologie und Psychoanalyse [Gebundene Ausgabe]

Pierre Magistretti , François Ansermet , Jürgen Schröder
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 282 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (19. September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518584413
  • ISBN-13: 978-3518584415
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 522.728 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein historisches Buch und ein symbolisches Buch: Pierre Magistretti und François Ansermet haben zusammen ein Buch geschrieben, durch das in ihren Disziplinen nichts mehr so sein wird wie zuvor.«
(Anna Lietti Temps )

Kurzbeschreibung

Lange Zeit galten Neurobiologie und Psychoanalyse als unvereinbar. Während die Neurowissenschaft versuchte, physiologischen Gesetzen auf die Spur zu kommen, und sich daher eher auf empirisch verifizierbare biologische Prozesse konzentrierte, untersuchte die Psychoanalyse psychische Prozesse und insbesondere den Einfluß von Wahrnehmungen, Ereignissen und frühkindheitlichen Einflüssen auf die Psyche. In jüngster Zeit hat jedoch ein überraschend fruchtbarer Dialog eingesetzt, der in der jeweils anderen Wissenschaft theoretische Modelle entdeckt, die auch der eigenen Forschung neue Impulse geben können. Im Zentrum dieses Dialogs steht dabei das Konzept der Plastizität des Gehirns, das in der heutigen neurobiologischen Forschung von zentraler Relevanz ist. Die neuronale Entwicklung ist, so zeigen die aktuellen Forschungen, keineswegs nach einigen Jahren abgeschlossen, sondern das Gehirn erweist sich als ein erstaunlich veränderbares Organ, das jederzeit offen für neue Eindrücke und Erfahrungen ist. Der Psychoanalytiker François Ansermet und der Neurowissenschaftler Pierre Magistretti zeigen in konziser und zugleich anschaulicher Form die aktuelle Forschungslage auf und öffnen die theoretischen Räume, die für die Begegnung dieser für das moderne Selbstverständnis grundlegenden Disziplinen erforderlich sind. Sie verbinden damit zugleich wieder die Stränge, die in der Frühzeit der Psychoanalyse, wie der Weg Sigmund Freuds zeigt, noch miteinander verbunden waren.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gemischte Gefühle 12. Mai 2006
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Es gibt Bücher, mit denen man einfach nicht klar kommt. Beim Werk der beiden Professoren aus der Westschweiz geht es mir zum Beispiel so. Ich vermute, dass diese vor allem daran liegt, dass sie dem Leser eine Berg- und Talbahn punkto Verständlichkeit zumuten, die ermüdend ist. Kaum fühlt man sich auf einem Wissensfeld mit blühenden Metaphern so richtig wohl, steht man wieder vor einer Wandzeitung, deren Fachchinesisch sich einer Entzifferung entziehen. Klar, einen nicht geringen Teil des Sprachenwirrwars verantwortet der Übersetzer, der sich allzu streng an die französische Syntax hielt. Aber die Vorgabe machte es ihm auch schwer. Wer sich in der Materie nicht bereits sehr gut auskennt, weiß bestimmt nicht, wie er nun so metaphorische Begriffe wie Seele mit einer Amygdala oder einer Insula verbinden soll. Der Kinderpsychiater und der Professor für Neurowissenschaften mögen hervorragende Forscher sein, Schreibtalente sind sie nicht.

Inhaltlich hatte ich nach dem Vorwort ebenfalls mehr erwartet. Denn die Autoren werden mir begabte Brückenbauer verkauft, die Neurobiologie und Psychoanalyse verbinden können, ohne dass nicht gleich die ganze Konstruktion wackelt. Doch gelungen ist ihnen das nur ansatzweise. Und auch die vorgestellten Thesen sind nicht so neu und revolutionär, wie es uns Verlag, Autoren und Klappentext weismachen wollen. Das mag auch daran liegen, dass man sich zu sehr auf Sigmund Freud beruft und dessen Nachfolger kaum beachtet. Denn es gibt zahlreiche Psychoanalytiker, die sich seit langem mit den Erkenntnissen der Neurologie auseinandersetzen und sowohl auf Gemeinsames wie auch auf Trennendes aufmerksam machen.

Mein Fazit: Bringt ein Werk tatsächlich neue Erkenntnisse, verdient es auch eine Empfehlung, wenn Ordnung, Begriffklarheiten und Sprache Schwächen aufweisen. Ich habe das Buch nur fertig gelesen, weil ich einen kleinen Wissenschaftstick habe und einfach alles verschlinge, was mit dem Thema zu tun hat. Viel Neues erfuhr ich nicht.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gut gemeint... 20. Juli 2006
Gut gemeint - ist etwas ganz anderes als gut gemacht. Das dachte ich immer wieder beim Lesen dieses Buches. Die beiden Autoren treten an, um eine Begegnung zwischen zwei Disziplinen, der Psychoanalyse (PA) und der Neurowissenschaft zu leben und um zu sehen, "was andere Gebiete die Psychoanalyse lehren können". (Vorwort) Beim Lesen habe ich aber immer mehr den Eindruck gewonnen, dass es eher einseitig darum geht, zu zeigen, was die Psychoanalyse (Freud, Lacan) schon lange gewusst hat, denn aufzunehmen, was die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung für die PA bedeuten.

Zu Beginn werden Erkenntnisse der Hirnforschung über die Plastizität des Gehirns vorgestellt, dicht und in einer Sprache, von der jemand, der mit den Themen noch nicht vertraut ist, nicht profitieren kann. Noch dazu unterlaufen Fehler wenn (am Beispiel von Kandels Aplysia) nicht korrekt zwischen Konditionierung und Sensitivierung unterschieden wird. (S 69f.). Die Auseinandersetzung mit der Hirnforschung wird im gesamten Buch (fast) ausschließlich auf das Thema Plastizität reduziert, ungewürdigt bleiben andere für Lernen und die PA bedeutsame Erkenntnisse der Hirnforschung zB. über die Entwicklung und Rückentwicklung der Vernetzung bestimmter Hirnareale in dafür kritischen Lebensphasen; über Wahrnehmung als einem Vorgang, bei dem das Wahrgenommene nicht als Einheit sondern über viele Teilaspekten aufgenommen wird; über die parallele Verarbeitung von Informationen im Gehirn oder über die Konstruktion(!) von Erinnerung und Wirklichkeit. All diese Aspekte würden die im Buch wiederholt verwendete Darstellung, dass Wahrnehmungen der äußeren Wirklichkeit (gleichsam auf lineare Weise) Spuren im Gehirn hinterlassen, zwar nicht als falsch aber als zu sehr vereinfachend ausweisen. Mit dieser vereinfachenden Sicht wird aber weiter argumentiert wenn Vermutungen über das Entstehen der unbewussten inneren Wirklichkeit angestellt werden (Das Unbewusste im Unbewussten!). Dabei zieht sich als Roter Faden das Anliegen durch, die psycho-analytische Triebtheorie zu bestätigen und jedenfalls auch eine Trennung zwischen der psychischen Sphäre und der Sphäre des materiellen Gehirns durchzuhalten. Gerade diese Trennung ist aber heute nicht mehr haltbar, weist die Hirnforschung doch nach, dass alle Gedanken und jedes Gefühl auf Vorgängen in Netzwerken des Gehirns beruhen! Den Gipfel der Trennung der Ebene des Psychischen von der organischen Ebene bildet dann die Aussage, dass es eine innere Wirklichkeit gibt, "die anderen Gesetzen gehorch...(t), als denen der materiellen physikalischen und biologischen Wirklichkeit". (S. 195) Der "unbewegte Beweger" lässt grüßen...

Auch dort, wo psychoanalytische Konzepte vorgestellt werden, wird eine Sprache verwendet, die ebenfalls kaum verständlich ist. Das psychoanalytische Theoriengebäude wird nicht in Frage gestellt. Ich musste wiederholt an den Ärger und Spott von Karl Kraus über die Psychoanalytiker denken, wenn die Autoren nicht müde werden zu betonen, dass das Unbewusste (per definitionem) das Ungewusste umfasst und sie im nächsten Atemzug daran gehen, detailliert zu erklären und auch in einem linearen Modell aufzeichnen, wie genau dieses funktioniert. Was für die gewöhnlichen Menschen gilt, gilt eben nicht für Psychoanalytiker - sie sitzen mit ihrer Methode der ex-post In-terpretation halt am längeren Hebel...

Ich denke, die Herausforderung einer Begegnung zwischen Hirnforschung und PA besteht nicht darin, dass die ältere Disziplin die neuere Wissenschaft bestätigt sondern umgekehrt, dass Analytiker und Therapeuten daran gehen, die Erkenntnisse der Neurowissenschaft zu studieren und kritisch zu prüfen, welche ihrer lieb gewordenen (aber empirisch oft nicht abgesicherten) Konzepte im Lichte der neuen Erkenntnisse noch haltbar sind und welche nicht - und daher aufgegeben werden müssen! Weiters gilt es unverzüglich, Erkenntnisse der Hirnforschung in die eigene (therapeutische) Arbeit einzubauen! Der Genialität Freuds, der wesentliche Phänomene erkannt hat, tut es keinen Abbruch, wenn heute mit neuen Methoden präzisere Erkenntnisse über das Gehirn (und damit über die Psyche) gewonnen werden. Er selbst hat ja die Metapher verwendet, dass man das (sichtbare) Gerüst nicht mit dem Bauwerk verwechseln soll!

Ich habe mich beim Lesen dieses Buches immer wieder geärgert, habe mir gedacht, dass es besser wäre, das Buch wegzulegen und eines zu lesen, das mir neue Erkenntnisse bringt statt Spekulationen zu folgen. Es muss wohl ein gewisser Masochismus mitgespielt haben, dass ich mich bis zum Schluss durchgequält habe...
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wider den Positivismus! 26. September 2006
Als Geisteswissenschaftler und notorischer Skeptiker vermag ich die harschen Kritiken auf dieser Seite nicht zu teilen. Sie gehen weitgehend von einer biologistischen Perspektive aus und unterstellen dem Autorenteam das Ansinnen, die Neurowissenschaften gegen jedes bessere Wissen der Psychoanalyse anpassen zu wollen. Meiner Lesart nach ist dies aber nicht der Fall; vielmehr bemühen sich Ansermet und Magistretti darum, den Neurowissenschaften einen Platz innerhalb der gültigen kulturwissenschaftlichen Deutungsmuster zu verschaffen - und das ist auch dringend nötig, da vor allem die Biologen immer wieder das simple Faktum übersehen, dass auch sie nur einen Diskurs (unter vielen anderen) über die empirische Wirklichkeit führen, nicht aber die Wirklichkeit selbst 'be-greifen' können - zumal dann nicht, wenn sie Strukturen, Zusammenhänge und Binnenwirkungen beschreiben, die der Beobachtung selbst nicht zugänglich sind. Die dabei zugrundegelegten Erklärungsmuster (Evolution, Plastizität, Anpassung, etc.) sind zum großen Teil selbst kultureller Herkunft und damit auf den Diskurs als zentrales Steuerungsinstrument wissenschaftlicher und sozialer Kommunikation angewiesen. Dieses Buch bereichert deshalb die Debatte; die positivistischen Leser täten gut daran, sich von Zeit zu Zeit selbst der Mühe wissenschaftskritischer Nabelschau zu unterziehen. Übrigens: Ansermet und Magistretti sind die einzigen, die großzügig auf die linguistischen Spekulationen des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacans zurückgreifen, um das Einfließen der neurologischen 'Wirklichkeit' in unsere sprachlichen Prozesse zu studieren - mit gutem Erfolg, wie ich meine. Der auf diesen Web-Seiten an anderer Stelle viel gelobte Eric Kandel erwähnt Lacan in seinem Buch nicht einmal; seine Vorstellung von Psychoanalyse ist auf der Ebene der Rezeption Sigmund Freuds stehengeblieben.
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