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Anant Kumars Texte sind voll von Lebendigkeit, 10. Februar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Inderin (Broschiert)
Ich möchte Anant Kumar, den ich seit Jahren persönlich gut kenne, an dieser Stelle gegenüber der Kritik der Kasseler Rezensentin in Schutz nehmen. Anant Kumar ist ein Autor, der, ganz im Ggensatz zu der oben zum Ausdruck gebrachten Meinung, immer wieder versucht, Stereotypen zu durchbrechen, indem er diese überspitzt darstellt. Seine Gedichte und Kurzprosatexte kreisen um den Fremden in der Fremde und die Daheimgebliebenen in der Heimat - mal poetisch und verspielt-sprachverliebt, mal von radikaler Klarheit und zornigem Sarkasmus, aber immer mit einem Blick in den Spiegel aus sich selbst und die Menschen in dem Land, in dem er lebt - Deutschland. Kumars Dichtung, in deutscher Sprache in Deutschland entstanden, ist konsequent und erfrischend beunruhigend, sie eröffenet dem Leser unbekannte Blickwinkel auf sich selbst. Anant Kumar fordert mit großem Selbstverständnis nicht mehr und nicht weniger als das eigentlich Menschliche - daß es selbstverständlich ist, daß der Fremde in der Fremde eine Heimat entdecken darf.
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1.0 von 5 Sternen
Kritische Stellungnahme, 1. Februar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Inderin (Broschiert)
In seinem Prosaband "Die Inderin" hat der in Kassel lebende Autor Anant Kumar, wie auch in seinen vorigen Büchern "Fremde Frau, fremder Mann" und "Kasseler Texte", gezeigt, dass er die deutsche Sprache trotz seiner indischen Herkunft ausgezeichnet beherrscht. Facettenreichtum jedoch vermisse ich. Viel mehr bekommt der Leser zwischen den Zeilen den Eindruck vermittelt, dass es sich bei Kumars Texten lediglich um eine Aneinanderreihung von mangelhaft verfremdeten Erlebnissen und Gedanken des Autors selbst handele. Die Deutschen, insbesondere die Studierenden, werden im Kontrast zu ihren ausländischen Mitbürgern im allgemeinen als ignorant dargestellt wie beispielsweise in "Das Literaturkolloquium": (...) Der Riese lockt viele Studenten damit, dass eine Möglichkeit besteht, einen kolloquium-internen Schein zu machen. Die Mitgliederanzahl verringert sich jedoch abrupt, weil die heutigen Hiphop-Studenten seine Projekte doch sehr langweilig finden, z.B. das neueste Projekt lautet: Handschriften der höfischen Bibliothek Lamberg! Bei so einem Projekt ist ein zusätzliches Problem, wie man die drei übriggebliebenen Exoten, die als treue Exponate auf jeder Sitzung anwesend sind, mit integrieren soll. (...) Anstatt eine Mittlerposition zwischen den Kulturen zu ergreifen, bildet und unterstützt Kumar Stereotypen, was am Intensivsten in "In Bayern" zum Ausdruck kommt: Eine überaus kluge indische Studentin landet in den Semesterferien als Serviererin in einem Hotel mit dem typisch deutschen Namen "Post" und wird mit weit weniger klugen, Bayrisch sprechenden Deutschen konfrontiert, denen es darüber hinaus noch an Englischkenntnissen mangelt. Da drängt sich mir ehrlich gesagt die Frage auf, was Kumar an einem Germanistikstudium in Deutschland gereizt haben mag, wenn ihm der Charakter "der Deutschen" nicht gefällt. Was ist denn typisch Deutsch oder typisch Indisch? Die gegenwärtige Studentengeneration ist mehr denn je an Fremdsprachen interessiert, ein Merkmal, das der Autor jedoch nur auf die intelligente, fleißige Inderin Sawitri projeziert. Kumar gelingt es nicht, runde Charaktere zu kreieren. So wird in "Modern Times" beispielsweise ein Asylant aus Bangladesh, Abdul Qasim, als dumm bezeichnet, weil er weder der deutschen Sprache mächtig genug ist, noch über die documenta-Kunst zu diskutieren weiß. Der Autor beweist in seinen Beschreibungen zwar Talent zur Satire, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass das Bild der Charaktere wegen fehlender konkreter Charaktereigenschaften sehr verschwommen bleibt. In "Die verzweifelte Kinogängerin" wird eine Frau aus eindeutig chauvinistischem Blickwinkel präsentiert: Kumar thematisiert die Beziehung zwischen einem schwarzen, "im Geschlechtsakt unermüdlichen" Togoaner und einer deutschen Studentin. Schon nach kurzer Zeit aber ist diese Verbindung zum Scheitern verurteilt - aufgrund von "Kleinigkeiten". Der Autor mokiert sich hier auf ironische Weise über die verletzten Gefühle der Protagonistin: (...) Als fleißige Studentin und selbständige Frau kam ich am Anfang mit der Trennung besser klar. In traurigen Momenten tröstete ich mich mit Sprüchen, z. B. Er war doch arrogant und dominant wie die meisten Männer! Scheißegal! Es gibt noch andere geile Männer und andere geile Möglichkeiten. (...) Am Schluß des Buches steht eine wohl einzigartige Lobhudelei auf den Autor, die mehr als ein Drittel des gesamten Werkes einnimmt. Annika Senger
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Na bitte, 22. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Inderin (Broschiert)
Ein Inder über eine Inderin, ein Werk über ein Land mit gleichem Namen? Aber nein, positiv überrascht und gleichzietig beeindruckt, schafft der Schriftsteller es ohne viel Worte den Leser in sein Buch ein zu binden. Man kommt nicht drum herum, über sich und das Geschriebene nach zu denken. Vieleicht ertappt man sich mit Identifikation. ... und ob die Inderin eine Inderin ist, sei dahin gestellt. ... und wer glaubt die deutsche Sprache ist kompliziert, sollte sich eines Besseren besinnen. Wenig ist viel mehr! Ich hatte das Vergnügen den Schriftsteller kennen zu lernen und er war die Zeit wert, die ich diesem Buch gewidmet habe. 22. Oktober 2001, HBS, S.M.
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