Warum glaubt niemand an die Horoskope in den Tageszeitungen und warum lesen wir sie trotzdem? Wieso sprechen wir mit dem Computer, auch wenn wir wissen, dass er deswegen nicht besser funktioniert? Wir machen uns keine Illusionen, wir glauben nicht ans Horoskop und auch nicht an einen verständigen Computer und trotzdem handeln wir, als würden wir es glauben.
Warum müssen wir lachen, wenn im Theater ein Schauspieler niesen muss, während er einen Toter spielt? Gewiss eine Illusion ist zerstört worden, doch wessen Illusion ist es eigentlich gewesen? Haben wir etwa geglaubt, der Schauspieler sei tatsächlich tot? Hat das irgend jemand im Saal gemeint? Die Illusion, die zerstört wurde, gehört dem anderen, niemals mir selbst. Ja, könnte es nicht sein, dass gewisse Illusion immer die Illusionen eines anderen sind, und niemals die eigenen? Und sind diese Illusionen, nicht vielleicht die wesentlichsten unserer Kultur?
Robert Pfaller knüpft aus Lacans Psychoanalyse und Huizingas Spieltheorie nichts weniger als eine eigentliche Theorie der Gesellschaft. Die „diskrete Magie" dieser Zivilisation, die sich in den obigen Beispielen zeigt, dem gehört das Augenmerk der jungen Philosophen aus Linz. So alltäglich, überraschend seine Beispiele, so einleuchtend und originell ist der Erkenntnisgewinn, den dieses Buch verschafft. Und wem es nicht genügt, eine Kulturanalyse vorgelegt zu bekommen, die ihren Gegenstand - nämlich die Kultur - tatsächlich beim Wort zu nehmen getraut und sich dabei weder hinter Habermas'schem Konservativismus noch postmoderner Utopie verschanzt, der kriegt hier immerhin vorgeführt, wie unterhaltsam kluges Denken sein kann.
So heikel es ist, grosse Worte zu gebrauchen: Dieses Buch ist vielleicht das wichtigste, ohne Zweifel aber das originellste philosophische Werk der letzten Jahre.