Ich hatte erst überlegt, folgenden Satz als Überschrift zu benutzen: "ein 'must-read' auf dem Weg zu wahrer Erkenntnis". Ob es so etwas wie ein 'must-read' überhaupt gibt ist allerdings sehr fraglich. Auf jeden Fall kann man aber sagen, dass "Die Illusion des Ich" ein Buch ist, das tiefe Weisheit vermitteln kann. Alan Watts bezieht sich dabei auf die indische Philosophie des Vedanta. Der Kern des Buches ist die Aussage, dass unsere Vorstellung eines isolierten Ichs eine Illusion ist und dass in Wirklichkeit alles Teil eines einzigen "universellen Prozesses" ist (egal wie man diesen auch nennen mag). Dies wahrhaft zu erkennen, ist die Aufgabe für jeden, der nach echter Erkenntnis strebt. Sehr spannend finde ich auch die vedantische Vorstellung der Welt, die Watts hier vorstellt: danach gibt es einen Gott, dem es irgendwann einmal langweilig geworden ist. Er spaltet sich in die Welt auf und spielt sozusagen "verstecken" mit sich selbst. Die Verwirrung des Menschen ist also ein Teil des Spiels und diese kann nur überwunden werden, wenn man erkennt, dass man eins mit dem Spiel ist.
"Die Illusion des Ich" ist ein wirklich faszinierendes Buch; allerdings gefällt mir persönlich sein letztes Buch ("Der Lauf der Wassers"), das er leider nicht mehr ganz vollenden konnte, noch besser. Mir ist aufgefallen, dass die Inhalte sich sehr ähneln. Hier greift Watts auf die indische Philosphie zurück, in der "Lauf der Wassers" auf die chinesische, hauptsächlich den Daoismus. Die chinesischen Ideen und Begriffe sprechen mich noch eine Spur stärker an, auch wenn beide Philosophien im Kern praktisch die selben Aussagen haben. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, beide Bücher zu lesen. Alle beide scheinen mir echte "Meilensteine" zu sein.