Jürgen Taube, der Herausgeber dieses Bandes, ist der Ressortleiter der Geisteswissenschaften bei der "Frankfurter Allgemeinen". Jürgen Taube, der mit großem Sachverstand über die Geisteswissenschaften schreibt, hat sie nicht wirklich studiert. Er hat ein Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte nach einigen Semestern beendet und ist unter dem Einfluss von Niklas Luhmann zur Soziologie gekommen. Vielleicht ist das gerade der richtige Einstieg, um über die Geisteswissenschaften zu schreiben. Jürgen Taube hat diesen Band "Die Illusion der Exzellenz: Lebenslügen der Wissenschaftspolitik" herausgeben, und der Titel sagt schon alles. Es geht um die Missgeburt des BA/MA Studiums und andere schlimme Fehler der Hochschulpolitik (falls die Politik überhaupt so etwas wie Hochschulpolitik betreibt). Warum muss alles Schlimme in der katastrophalen Bildungspolitik italienische Städtenamen bekommen, Pisa, Bologna? Qualitativ schmeckt das Ganze doch eher nach Bumsdorf, ein deutscher Ort in dem Wilhelm Raabes "Abu Telfan" spielt. Es gibt keine Lösungen, wie die eines nicht zu nennenden Politikers, der die gesamte Steuerreform auf einem Bierdeckel unterbringen wollte. Obgleich es da Ansätze gäbe. Jemand hat einmal gesagt, dass es der deutschen Universität schon sehr helfen würde, wenn jeder an seinem Arbeitsplatz wäre und das täte, wofür er bezahlt wird. Eine Schreckensvision für alle die Spagatprofessoren, die zwei Tage an ihrem Arbeitsplatz sind (und in den Semesterferien nie). Eine andere schöne Meinung, die in der Diskussion um die Qualität der deutschen Hochschule geäußert wurde, war die eines Professors, der freimütig bekannte, dass wenn er für 24 Stunden diktatorische Macht hätte, er 75% seiner Kollegen wegen Unfähigkeit entlassen würde. Gott erschuf den Professor, der Teufel erschuf den Kollegen. Die Beiträge in dem Band von Kaube sind auf einem höheren Abstraktionsniveau als diese beiden konstruktiven Vorschläge, aber auch da weiß man nach der Lektüre nicht, ob man lachen oder weinen soll. Eigentlich könnte man nach den ersten vier Seiten des Vorworts von Kaube aufhören, dies Buch zu lesen. Eigentlich sollte man alle Kultusminister zwingen, dieses Buch zu lesen. Die deutsche Uni ist auf einem Kurs direkt in die Klippen und in den Untergang. Dieses Buch sollte Politiker dazu bringen, einen anderen Kurs einzuschlagen oder volle Fahrt zurück zu kommandieren. Und es werden dann auch zu wenig Lateiner auf der Kommandobrücke sein, um Petronius' "ubique naufragium est" zu verstehen.