O ihr Götter, ihr Götter! Was haben die Sterblichen nicht alles vollbracht, um euch, Götter, zu rühmen! Die Werke des Homer waren so vollkommen, daß sein Name unsterblich wurde. Ein hoher Anspruch für den Übersetzer, der das Werk unverfälscht und ohne es im Wert zu mindern übertragen will. Homers Verse stehen in Hexametern. So setzten viele Übersetzer die deutschen ebenso. Altgriechische Wörter sind sehr sehr lang. Deutsche aber sind es nicht. So kommen viele Übersetzungen aufgefüllt mit unzähligen Adjektiven so breit wie der Amazonas herangewogt. Im Griechischen aber, bemerkte der große Goethe, wäre Homers Stil durch einen "außerordentlichen Lakonismus" gekennzeichnet. Was liegt da näher, als die strenge Welt der Hexameter zu verlassen und die Einfachheit, Sachlichkeit und Direktheit seines Stiles wieder hervor zu holen? Wolfgang Schadewaldt hat es getan. Den Verlust an Rhythmik hat er ausgeglichen durch möglichste Beibehaltung der Wortstellung und Verwendung von freien Rhythmen.
Über den Inhalt des Buches gibt es wohl nichts mehr sagen. Es geht um die Belagerung von Troja (sein Fall steht in der "Odyssee"). Wunderbar, wie Here, die Kuhäugige, von Aphrodite den Riemen ihrer Macht erbittet - "Dort drinnen war Liebeskraft, drinnen Verlangen, drinnen Liebesgeflüster, Verführung, die auch den verständig Denkenden den Sinn raubt."- um mit Schlafes Hilfe ihren Gatten, den Kroniden, zu verführen und einzuschläfern, um gegen dessen Verbot in den Kampf einzugreifen. Bewegend, wie Priamos bei Achilleus um die Herausgabe der Leiche seines Sohnes Hektor bittet. Der schönen Stellen alle zu nennen würde den Rahmen der Kritik sprengen. Wer von Sätzen, die kürzer sind als ihre Wörter und von ausführlich beschriebenen Körperfunktionen und anderen Banalitäten, womit sich die "moderne Literaur" so intensiv beschäftigt, genug hat, der sollte in dieses Buch investieren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)