In Werbe- und PR-Agenturen sind Ideen etwas ganz Alltägliches. Sie entstehen als geniale Einzelleistungen eines Kreativen, im Austausch von Texter und Art Director oder im Teamwork beim Brainstorming. Alles Ideenfindungsprozesse, die funktionieren. Aber zeigen sie auch den besten, den günstigsten und kürzesten Weg zum Ziel? Nadja Schnetzler meint: Nein. Sie ist Gründerin der Schweizer Ideenfabrik BrainStore und behauptet, die besten Ideen wie am Fließband industriell herstellen zu können.
Was sich anhört, wie eine sanfte Provokation, wird beim Lesen des Buches mit jeder Seite plausibler. Es sind zwar mehr oder weniger die üblichen Tools der Ideenfindung, die sie uns vorstellt. Aber wir merken, entscheidend ist die professionelle Durchführung des gesamten Ideenfindungsprozesses. Je konsequenter die verschiedenen Phasen der Ideenfindung voneinander getrennt, je sorgfältiger und professioneller jede Phase bearbeitet wird, desto wahrscheinlicher wird, dass am Ende eine erfolgreiche Idee herauskommt.
Nehmen wir nur mal das Briefing. Ohne ein glasklares Briefing wissen die Ideensucher nicht, was sie ermitteln sollen. Ohne Briefing weiß der Auftraggeber nicht , wie er die Ergebnisse bewerten soll. Und ohne Einbeziehung der späteren Entscheider werden die später generierten Ideen allzu häufig abgeschmettert. Außerdem tabu sind Briefings, die einfach zu viel enthalten. Ihr Extratipp: versteht ein Zwölfjähriger das Briefing? Dann geben Sie grünes Licht.
Das Besondere an der BrainStore-Methode ist die Mischung des Creative Teams, der Gruppe der eigentlichen Ideenfinder. Eines Teams das mit Hilfe von Brainstormings oder anderen Kreativtechniken in wenigen Stunden Hunderte oder Tausende von Ideen produzieren soll. Dabei mischt sie Experten von Kundenseite, mit Jugendlichen aus der großen BrainStore Kartei. Das Zusammenprallen der Welten verrückt Blickwinkel und Maßstäb, macht laterales Denken und unkonventionelle Lösungen erst möglich. Insider und Outsider sammeln die Rohideen. Das funktioniert, rasend schnell, wie sie anhand zahlreicher Beispiele beweist.
Ideen sind für alle da. Ideen, die so einfach produziert werden können, müssen nicht ängstlich behütet werden. Nadja Schnetzler plaudert daher offen aus dem Nähkästchen. Neben dem altbekannten Brainstorming kommen in ihrer Firma auch Techniken wie Brain Writing, Brain Station, Brain Racing oder Brain Charting zum Einsatz. Allesamt passend für den Agentur-Werkzeugkoffer.
Doch der Herstellungsprozess geht weiter. Nach der Ideenfindungsphase folgt die Verdichtung und schliesslich die Ideenselektion. Welche Idee macht das Rennen? Was stellen wir dem Entscheider vor? Auch hier stellt sie eine Vielzahl von Werkzeugen vor, die sicherstellen sollen, dass nicht subjektive Befindlichkeiten oder spontane Mehrheitsbekundungen doch noch einer schlechten Idee aufs Podest verhelfen.Nur das Beste zählt. Erst dann geht es zum Kunden.
Ideen können erst wirken, wenn sie verkauft werden. Wie man die Ideen für die Präsentation aufbereitet, wie am Ende professionelle Texter und Layouter zur Darstellung der Ideen eingesetzt werden und wie man seine Auftraggeber auf die finale Präsentation einstimmt auch dies findet sich in diesem Ratgeber.
Fazit: Beinahe wäre mir das Wort Pflichtlektüre entfahren. Aber das wird einem Buch, das mit Hilfe zahlreicher Fallbeispiele und Anekdoten so unterhaltsam daherkommt, gar nicht gerecht. Die Ideenmaschine ist eine Spaßlektüre, die Sie an einem Wochenende lesen und Ihren Mitarbeitern in die Hand drücken können. Schlagen Sie darin nach, wenn Ihre Brainstormings an einem toten Punkt angekommen sind. Oder wenn Sie das unheimliche Gefühl beschleicht, an Ihrem Ideenentwicklungsprozess noch eine ganze Menge verbessern zu können. Ja, ich weiss: Das Buch ist eine gekonnt in Buchdeckel gekleidete PR-Broschüre der Firma BrainStore. Aber auch die derzeit beste Anleitung für Ideensucher überhaupt.