Dieses Buch ist relativ klar gegen die gegenwärtige US-Politik ausgerichtet, gegen ihre Heilsversprechungen und ihre Propaganda, ihre tatsächlichen als auch behaupteten Ziele. Es beleuchtet das Phänomen USA als militärische, kulturelle und ökonomische Hypermacht, und das vorwiegend kritisch.
Wie kann ein Buch gleichzeitig einseitig und beeindruckend sein? Diese Einseitigkeit zwingt sich fast schon auf, wenn man bedenkt, wie heutzutage, auch in und vor allem in Amerika, mit Information umgegangen wird. Wenn Information frei zugänglich ist, hängt es nämlich nur noch vom eigenen Interesse ab, ob man sie auch wahrnimmt. Und das scheint in der Tat gering zu sein.
[Ich beziehe mich im Weiteren direkt auf die Fakten, die in einigen Kapiteln dargestellt werden]
Investigativer Journalismus, der in uns in Film und Fernsehen so gern vorgespielt wird, findet praktisch nicht statt. Die Anzahl kritischer Artikel steht zur Anzahl die offiziellen Verlautbarungen wiederkäuender Artikel etwa 20:4000, jedenfalls was Bushs Irakkrieg betrifft. Dass damit in einer medienzentrierten Gesellschaft die Bevölkerung gezielt einem einseitigen Meinungsbombardement ausgesetzt ist, ist klar. Darum muss dieses Buch auch einseitig sein, um wahrgenommen zu werden, auch und gerade wenn es eigentlich versucht, das Phänomen USA Europäern nahezubringen.
Die kriegerische Aussenpolitik, die sich über den eigenen Westen, in den Pazifik, nach Mittel- und Südamerika und jetzt in alle Welt ausgebreitet hat, wird beschrieben. Gore Vidal nennt die unglaubliche Zahl von ca. 200 militärischen Interventionen seit dem Zweiten Weltkrieg.
Der enorme Einfluss von Geld und Konzernen auf die Politik und die Wahlen wird beleuchtet. Ca. 96 % aller Amtsinhaber hatten bei ihrer Wahl mehr Finanzmittel als ihre Gegenkandidaten für die Wahl, 4% nur unwesentlich weniger, und weniger als 1 % wesentlich weniger. Und wo die Wahlbezuschussung aufhört, fängt die Lobbyarbeit an.
Aber auch amerikanische Konsumkultur geht um die Welt. Wie Hollywood es geschafft hat, die Träume der Welt zu produzieren, wird beschrieben.
Der Neoliberalismus, und seine zerstörerische Kraft in Bezug auf die amerikanische Mittelschicht, und über die Globalisierung auf weite Teile der Weltbevölkerung, wird beleuchtet. Dass die Sache auch einen Haken haben muss, und warum und wie der Trend zur Anhäufung grosser Vermögen in wenigen Händen, zur Steuererleichterung vor allem der Reichen, zur Entfesselung vor allem einer Konzernwirtschaft rigoros ideologisch unterfüttert wurde, ist auch beschrieben. Geld und Politik gehen Hand in Hand, und selbst Amerikaner sind nur die besseren Opfer dieser Politik.
Über Phänomene der amerikanischen Psyche, den konformistischen Zwang zur "Community", die religiösen Wurzeln einer zutiefst individualistischen Gesellschaft, rundet der Herausgeber seinen Gesprächsband gut ab.
Dieses Buch ist einseitig, weil uns die gewaltige Medienmaschine USA und ihre Regierung eh schon rund um die Uhr mit positiven Nachrichten, ob echt oder erfunden, füttern.
Dieses Buch ist notwendig, weil wir über These (das US-Image in der Westlichen Welt) und Antithese (Bücher wie dieses oder von Michael Moore, Noam Chomsky, Gore Vidal, etc.) uns endlich selbst eine Meinung bilden können.
Es geht nicht um Anti-Amerikanismus. Es geht um Information. Denn auch hierzulande sind nur informierte Bürger wahrhaft freie und mündige Bürger.