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Die Hyperion-Gesänge - Zwei Romane in einem Band: Hyperion / Der Sturz von Hyperion
 
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Die Hyperion-Gesänge - Zwei Romane in einem Band: Hyperion / Der Sturz von Hyperion [Taschenbuch]

Dan Simmons
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (142 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eine groß angelegte Science-Fiction-Saga über das Leben der Menschheit im 26. Jahrhundert: Die Erde ist vernichtet, die Menschen haben sich über mehr als 200 Planeten verstreut. Gleichzeitig haben sich im "Core" genannten, Welten umspannenden Computerverbund künstliche Intelligenzen (KIs) entwickelt und sich zu den heimlichen Herrschern über die Welt erhoben ... Mit "Die Hyperion-Gesänge" liegt eine Zusammenfassung der zwei Bände "Hyperion" und "Der Sturz von Hyperion" von Dan Simmons vor.

carpe.com

Nachdem die Kritiken zu Simmons' Werk durchweg positiv und die Wertungen ausgesprochen hoch ausfielen, ging ich mit großen Erwartungen an dieses Werk. Doch sowohl Cover als auch Klappentext dämpften meine Euphorie, denn diese vermittelten eher den Eindruck eines trivialen "Hilflose-Menschen-kämpfen-gegen-schreckliches-Monster"-Buchs, das nur durch die Beschreibung von Gewalt zu unterhalten weiß. Doch beim Lesen wird schnell klar, daß dem nicht so ist.

Im Vordergrund stehen die sieben Protagonisten, die zu einer letzten Pilgerfahrt nach Hyperion aufbrechen, um dort eines der letzten ungelösten Geheimnisse des Universums zu lüften: die Zeitgräber, die sich scheinbar aus der Zukunft kommend rückwärts in der Zeit bewegen. Umgeben von einem "Anti-Entropiefeld", das zuweilen starke Störungen in der Zeitlinie hervorrufen kann, dient es zugleich als Gefängnis für das Shrike. Dieses legendäre Dornenwesen -- gefürchtet von den meisten, angebetet von seinen Jüngern -- besitzt Kontrolle über die Zeit und kann so in Sekundenschnelle Armeen abmetzeln. Und eben diese Felder, die als einzige ein planetenweites Massaker verhindern, beginnen sich seit einiger Zeit aufzulösen und drohen bald vollkommen zu verfallen.

Die Wichtigkeit der Pilgerfahrt ergibt sich auch aus einer weiteren Tatsache. Vor langer Zeit, als die Erde durch den "Großen Fehler" zerstört wurde, hatten sich die Menschen auf viele entlegene Planeten, die nur aufgrund der sie verbindenden "Farcaster" ein Netz bilden, zerstreut. Nur ein kleiner Teil, die sogenannten "Ousters", hatten sich vom Rest losgesagt und die Reise in unbekannte Teile der Galaxie angetreten. Diese "Ousters" planen nun eine Offensive gegen das "Netz", und der Planet, den sie zuerst in ihre Gewalt bringen wollen, ist Hyperion. Falls sie das Geheimnis der Zeitgräber lösen können, kann sich ihnen nichts mehr in den Weg stellen.

All dies dient jedoch nur als Hintergrundgeschehen, denn eigentlich passiert im Laufe des Buches nicht viel. Die sieben Pilger treffen sich, treten ihre Reise zu den Zeitgräbern an und erreichen es. Wenn jetzt jemand vermutet, daß sie viele Abenteuer auf ihrem Weg zu bestehen hätten, liegt leider falsch, denn außer daß der "Tempelritter" -- einer der Pilger und Kapitän des Schiffes, das sie nach Hyperion brachte -- verschwindet, ereignet sich nicht viel. Die Funktion der Reise liegt vielmehr darin, den Protagonisten genug Zeit zu geben, um sich gegenseitig ihre Lebensläufe zu erzählen. Sie hoffen, so herauszufinden, warum gerade sie auserwählt wurden und wie sie das "Shrike" im Ernstfall besiegen können.

So wie die Charaktere sind auch deren Geschichten von grundlegend unterschiedlicher Thematik und Struktur: da gibt es den Geistlichen, der bei der Suche nach einem auf Hyperion verschollenen Priester eine unglaubliche, mit dem Menschen symbiotisch verschmelzende Lebensform entdeckt; den Soldaten, der sich bei seinen Kampfsimulationen in ein vermeintliches Konstrukt der Matrix verliebt und es dann nach einem Absturz auf Hyperion in persona trifft; den Dichter, der nach einigen, ihm gewissermaßen aufgezwungenen Bestsellerromanen erkennt, daß ihn seine einstige Muse verlassen hat, und der auf der Suche nach ihr in die "Stadt der Dichter" auf Hyperion reist; den Gelehrten, dessen Tochter bei den Zeitgräbern einen Unfall erleidet, und seitdem stetig jünger wird; die Detektivin, die von einer KI beauftragt wird, die Lücke in ihrem Gedächtnis zu füllen, sowie den Politiker, dessen Schicksal den Lauf der Geschichte am meisten beeinflusste. All diese Geschichten decken langsam aber sicher die Hintergründe auf, die Dinge, die unter der Oberfläche des "Netzes" geschehen: sei es das "Technocore", eine Vereinigung von KIs, die die Geschicke der Menschheit in Wirklichkeit leitet, oder seien es nur die geheimen Hoffnungen und Ängste, die die verschiedenen Parteien mit Hyperion verbinden.

Das Ganze bleibt jedoch äußerst unterhaltsam und der häufige Wechsel in Stil und Inhalt sorgt für anhaltende Leselust: ob Action, Thriller, Lyrik, Sex oder Politik, für jeden ist etwas dabei. Und obwohl beispielsweise bei den "Farcaster" nicht einmal der Versuch unternommen wird, eine Erklärung der Funktionsweise zu liefern (frei nach dem Motto: Kein Mensch weiß, wie sie funktionieren, Hauptsache sie tun es), merkt man, daß Simmons sich bemüht, wenigstens einigermaßen realistisch zu bleiben.

Urteil: Wirklich gute Unterhaltung, die jedoch nur das Fundament für den Fortsetzungsband Der Fall von Hyperion bildet. Ohne Fortsetzung wäre dieses Buch jedenfalls ziemlich unbefriedigend, da es gerade in dem Moment endet, als die finale Konfrontation der Pilger mit dem "Shrike" bevorsteht. --Oliver Faulhaber -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Dan Simmons wurde 1948 in Illinois geboren. Er schrieb bereits als Kind Erzählungen, die er seinen Mitschülern vorlas. Nach einigen Jahren als Englischlehrer machte er sich 1987 als freier Schriftsteller selbstständig. Zahlreiche seiner Romane – darunter "Sommer der Nacht", "Die Hyperion-Gesänge", "Ilium" und "Olympos" – wurden zu internationalen Bestsellern. Simmons lebt und arbeitet in Colorado, am Rande der Rocky Mountains.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

»Der Hegemoniekonsul saß auf dem Balkon seines Ebenholzraumschiffs und spielte Rachmaninoffs Prelude in cis-Moll auf einem uralten, aber gut erhaltenen Steinway, während sich große grüne Saurierwesen unten in den Sümpfen drängten und heulten.«
So beginnt ›Hyperion‹. Es ist ein brillanter und mutiger Einstieg von jener Art, die Fachleute gern mit der Behauptung quittieren, so könne oder dürfe man das nicht machen. Doch wäre ich nicht in Versuchung, zu älteren Werken zu greifen, würde ich dies als den besten Eröffnungszug eines Science-Fiction-Romans bezeichnen, den ich je gelesen habe. Er ist überschäumend und knistert vor visuellen und akustischen Bildern. Er entlockt uns auch ein Lächeln, weil wir sofort erkennen, daß wir einem Meister der Special Effects in die Hände gefallen sind – einem Autor, der genau weiß, was er aus dem Digitalstudio mit dem unerschöpflichem Budget herausholen kann, das wir alle im Kopf haben. Und man ahnt hier auch schon ein technisches Können, das fast unbemerkt bleibt, weil es so selbstverständlich angewendet wird. Während Dan Simmons diese ersten Zeilen einsetzt, um in unserer Vorstellung ein verführerisches Bild zu malen, das den Wunsch zum Weiterlesen weckt, hat er uns bereits einige wichtige Dinge über das Buch verraten.
Wir wissen beispielsweise, daß es ein Buch ist, in dem Raumschiffe vorkommen. Auch können wir vermuten, daß das Raumschiff auf einer fremden Welt steht, ja auf einem Planeten in einem Sonnensystem, das ein gutes Stück von unserem eigenen Planeten entfernt ist. Weiter wird deutlich, daß das Raumschiff in Privatbesitz ist und groß genug, um einen Balkon zu haben, was sofort an von Endzeitstimmung geprägte Dekadenz denken lässt. Der Protagonist – der Hegemoniekonsul – spielt auf dem Balkon sogar auf einem Flügel; offensichtlich ist die Handlung in die Zukunft verlegt – weit genug jedenfalls, um die Anwesenheit eines Flügels in einem Raumschiff nicht als lächerliche Idee erscheinen zu lassen. Andererseits sind wir nicht so weit in die Zukunft gesprungen, daß alle Verbindungen zu unserer Gegenwart abgeschnitten wären: Wir erfahren, daß es sich bei dem Flügel um einen Steinway handelt und daß ein Stück von Rachmaninoff gespielt wird. Aus diesen Indizien können wir schließen, daß die Geschichte wahrscheinlich einige Jahrhunderte in der Zukunft angesiedelt ist und daß der Konsul, wer er auch sein mag, uns selbst einigermaßen ähnlich ist, da er Musik spielt, die wir kennen. Vielleicht sind es auch einige Jahrtausende, aber Jahrmillionen sind es ganz gewiss nicht. Wir bekommen darüberhinaus einige Hinweise auf den Konsul selbst. Er muß wohlhabend oder mächtig genug sein, um ein Raumschiff zu besitzen, und wir müssen ihn uns offenbar als Ästheten vorstellen, der einen Sinn für die schönen Dinge des Lebens hat. Es ist nicht etwa ein nachgebautes Klavier, sondern der Konsul benutzt einen »uralten, aber gut erhaltenen Steinway«. Mit einem Nachbau wäre es offensichtlich nicht getan gewesen. Wir haben uns in gewisser Weise schon ein Bild von diesem Mann gemacht. All dies steckt in einem einzigen Satz.
Es so viel, daß einem die Tränen kommen könnten.
Wir lesen weiter und erfahren bis zum Ende des ersten Absatzes noch einige Dinge über die Situation und den Charakter des Konsuls. Simmons führt hier sogar schon mehrere Details über die Ökologie der Welt ein, auf der das Raumschiff steht, auch wenn sich dies als eher nebensächliches Lokalkolorit entpuppen soll.
Dann setzt die eigentliche Wandlung ein. Der Konsul bekommt eine dringende Mitteilung. Jemand, offenbar sein Vorgesetzter, nimmt mit ihm Kontakt auf und befiehlt ihm, nach Hyperion zu fliegen, zu einer erdähnlichen Welt, auf der sich eine schwer durchschaubare Krise zusammenbraut. Wir erfahren nicht, was für eine Krise es ist, doch wir werden informiert, daß es mit »Zeitgräbern« zu tun hat, die kurz davor sind, sich zu öffnen. Außerdem hören wir, daß etwas, das als »Shrike« bezeichnet wird, sich in Bewegung gesetzt hat. Der Konsul benötigt keine Erläuterungen, was damit gemeint ist, und wir können aus seinen Reaktionen schließen, daß die Neuigkeiten keine guten sind.
Damit hat der Autor uns genau dort, wo er uns haben will. Wir werden weiterlesen, weil wir herausfinden wollen, was diese geheimnisvollen Zeitgräber sind und was es mit dem Shrike auf sich hat, und weil wir die Antworten auf ein Dutzend weitere Fragen bekommen wollen, die Simmons uns auf den ersten paar Seiten seines Buches in den Kopf gesetzt hat. Man muß nicht eigens betonen, daß wir ganz nebenbei eine Menge weitere Informationen über das Universum des Konsuls bekommen, während Simmons uns mit anderen Dingen beschäftigt. Wir erahnen einen komplexen, vielschichtigen Hintergrund – zahlreiche bewohnte Welten, interstellare Reisen und Kommunikation, vielleicht sogar eine Art von Teleportation. Es gibt auch Hinweise auf die Geschichte: Wir hören von einer äußeren Bedrohung der Hegemonie durch eine anscheinend kriegerische Splittergruppe, die Ousters. Wie kam es zu dieser Abspaltung? Immer mehr Fragen tun sich auf, und wir wissen, daß uns nichts anderes übrig bleibt, als den Konsul auf seiner Mission nach Hyperion zu begleiten, wenn wir die Antworten erfahren wollen – eine Mission, die, wenn wir den Andeutungen glauben können, eigentlich nur mit einem besonders qualvollen Tod enden kann.
So also beginnt ein vielgepriesenes Buch, das zu den bedeutendsten Werken der Science Fiction der letzten zwanzig Jahre zählt. Es erschien in zwei Bänden als ›Hyperion‹ und ›Der Sturz von Hyperion‹, doch tatsächlich handelt es sich um ein nahtloses Ganzes, das als Einheit gelesen werden muß. Für den ersten Band hat Simmons den Hugo-Gernsback-Award erhalten, und beide Bände zusammen haben – neben einer kleinen Anzahl weiterer Werke, die in der Zeit von kurz vor bis kurz nach 1990 erschienen sind – eine Erneuerung jener Sparte der Science Fiction eingeleitet, die als ›Space Opera‹ bezeichnet wird. Der Begriff wird gelegentlich (früher noch in stärkerem Maße als heute) in herabsetzender Weise benutzt, doch Brian Stableford trifft in der ›Encyclopedia of Science Fiction‹ recht genau den Punkt, wenn er dieses Genre als »farbenprächtige, handlungsbetonte Abenteuergeschichten, die sich um interplanetarische oder interstellare Konflikte drehen«, definiert. Ich glaube, hier ist insbesondere die Farbenpracht zu betonen. Space Operas sind SF auf einen Breitwandschirm projiziert, so daß dem Zuschauer die Augen aus dem Kopf fallen können. Meist gibt es einen detailreich beschriebenen, sympathischen Helden oder eine Gruppe solcher Helden, und gewöhnlich steht eine Menge auf dem Spiel. Die Beschreibung paßt hervorragend auf ›Hyperion‹, doch der Roman geht darüber hinaus. Er ist weitaus mehr als »nur« eine Space Opera.
Im Jahre 1989, als ›Hyperion‹ erschien, gab es noch keinerlei Anzeichen dafür, daß die erwähnte Erneuerung bevorstehen sollte. Die Science Fiction hatte Anfang der achtziger Jahre einige turbulente Umwälzungen erlebt, als der Cyberpunk das Terrain im Sturm eroberte. Doch gegen Ende des Jahrzehnts waren die Schlachten mehr oder weniger geschlagen. William Gibsons ›Neuromancer‹ war bereits fünf Jahre alt, und die Masse von brillanten Stories, die dem Roman vorausgegangen waren – nicht nur von Gibson, sondern auch von Bruce Sterling, John Shirley, Lewis Shiner und anderen –, hatte sogar noch länger Zeit gehabt, ins Bewußtsein der SF-Gemeinde einzudringen. 1989 war der Cyberpunk schon lange nicht mehr neu und aufregend, und die wichtigsten Vorreiter waren längst auf ihre eigenen, ganz individuellen literarischen Flugbahnen eingeschwenkt. Die jüngeren Autoren, die nicht zum Cyberpunk gehörten – Autoren wie Michael Swanwick, Kim Stanley Robinson, James Patrick Kelly, Connie Willis und andere – hatten die Romane und Stories, mit denen sie berühmt werden sollten, noch nicht geschrieben. Die Giganten, die in den fünfziger und sechziger Jahren das Feld beherrscht hatten,...
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