Alek Popov: Die Hunde fliegen tief (dtv 2010)
Den Roman habe ich mit viel Vergnügen gelesen und empfehle ihn jedem, der Freude an gelungener aktueller Gesellschaftssatire hat. Der Autor ist Bulgare. Er hat für diesen Roman in seiner Heimat einen namhaften Literaturpreis bekommen.
Ango, ein in seiner Heimat Bulgarien erfolgloser Verleger von Kinderbüchern und Ned, zwei Brüder, beschließen nach der politischen Wende in ihrem Heimatland ihr Glück außerhalb des Landes zu suchen. Nachdem ihnen in einem schwarzen Kasten die Asche ihres Vaters, Mathematikprofessor in den USA, zugegangen ist, reist Ned in die USA, um den Spuren seines Vaters nachzugehen. Ango, Gewinner einer Greencard", lässt ebenfalls Rumänien hinter sich, um in den USA sein Glück zu suchen. Hier trifft er seinen Bruder, der ist inzwischen aufgrund von Börsenspekulationen ein reicher Mann geworden ist. Ango findet keine adäquate Arbeit. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen nimmt er einen Job an als Hundeausführer. Ned, inzwischen zum Unternehmensberater avanciert, organisiert und rationalisiert in Betrieben herum und lehrt die Angestellten der Firmen das Fürchten um ihren Arbeitsplatz.
Skrupel kennt er nicht. Seine Philosophie könnte aus einem Schwarzbuch für Unternehmensberater stammen:
Ich komme von weit her und bleibe nur für eine kurze Zeit".
Seine Skrupellosigkeit wird ihm beinahe zum Verhängnis. Er überlebt einen tätlichen Angriff nur ganz knapp. Eine Zeit lang verbringt er in seiner Heimat Bulgarien, wohin ihn seine Firma beordert, um einen dort tätigen Mitarbeiter wieder auf Linie" zu bringen. Hier muss er erleben, wie dieser Kollege, gehasst von seinen Mitarbeitern, einem Anschlag zum Opfer fällt; offenbar Folge neokapitalistischer Arbeitsphilosophie der Firma, die er selbst gnadenlos umgesetzt hat und wie folgt formulierte:
Die Konzerne versuchen, so rentabel wie möglich zu sein: Sie kürzen die Ausgaben und blasen ihre Gewinne auf...Je mehr Geld man aus etwas herausholen kann, desto besser. Alle seien von dieser Idee besessen, er selbst nicht ausgenommen!"
Sein Bruder Ango fasst mittlerweile in USA Fuß. Er führt Hunde durch die New Yorker Parks, für 10 Dollar das Stück, offenbar für Herrchen oder Frauchen, die dafür zu faul sind. Allerdings ist auch dies kein leichtes Leben. Er bekommt Ärger mit der Gewerkschaft der Hundeausführer, die ihm, weil er keine Lust verspürt, ihr beizutreten, seinen Hund entführt und für die Freilassung von dessen Herrchen ein Schutzgeld von 200.000 Dollar fordert (Der Hund ist geklont; eine Nachbildung" seines Vorgängers, an dem seine Familie doch so gehangen hat). So verliert er seinen ersten Job. Selbstverständlich gibt er nicht auf, er beißt sich durch. Zwischen den Brüdern wendet sich am Ende das Blatt. Ned, Broker an der Wall Street, verliert sein Vermögen durch Börsenspekulation, indem er auf den Kursverfall von Aktien eines Hundefutterproduzenten setzt. Er verschwindet im südamerikanischen Regenwald. Ango steigt auf zum Ombudsmann missachteter Tiere und zum Millionär und findet schließlich die Frau fürs Leben. Erfolgreich ist also nicht die Topetage, sondern die untere Etage.
Der Roman ist unterhaltsam, der Leser kann sich auf ein immer kurzweiliges Lesevergnügen einstellen. Der Roman ist reich an irrwitzigen Ereignissen und turbulentem Geschehen. Rasant, witzig und verdammt bissig: Wau, " so die Worte eines Kritikers.