Dieser Dokumentarfilm beleuchtet die Geschichte von vier verurteilten Betrügern, unter ihnen der durch die Medien seinerzeit sehr bekannt und fast populär gewordene Hamburger Jürgen Harksen, in Form von Interviews, die in mehreren Teilstücken und unter mehrfachem Wechsel der Protagonisten gezeigt werden. Zusätzlich kommen noch zwei "Opfer" zu Wort, die zumindest die eine oder andere Aussage der Täter relativieren.
Seitens der Filmemacher werden hier keine weiteren Fakten eingebracht oder Wertungen eingebracht, dies wird dem Zuschauer überlassen. Für mündige Zuschauer, die es gewohnt sind, sich in kritischer Haltung eine eigene Meinung zum Gesehenen zu bilden, sicherlich ein Vorteil, weil man nicht von vornherein zu einer bestimmten Betrachtungsweise der einzelnen Persönlichkeiten und ihrer Taten gedrängt wird. Für das Massenpublikum vielleicht eher problematisch, weil die zum Teil durchaus charismatischen Protagonisten am Ende allzu leicht als die eigentlichen Opfer oder als eine Art "Robin Hood" verstanden werden könnten, was sie ganz sicher nicht sind. Natürlich hat der eine oder andere dieser Männer auch Opfererfahrungen gemacht, dies steht hier aber nicht im Mittelpunkt der Betrachtung.
Daher hätte ich mir persönlich - um des Massenpublikums willen - zumindest einen Prolog oder wegen meiner auch einen Epilog gewünscht, in dem seitens der Filmemacher zumindest auf die Gründe für das Unterlassen einer Wertung eingegangen wird oder in dem zumindest eine kritische Betrachtungsweise des Gesehenen empfohlen wird. Dies erfolgt jedoch immerhin im Begleitheft zu dieser DVD, welches auf jeden Fall nach der Betrachtung des Films gelesen werden sollte, weil es einige der im Film fehlenden Hintergrundinformationen oder Relativierungen bietet.
Ansonsten gelingt es dem Film gut in die Vorstellungswelt der vier, glücklicher Weise sehr unterschiedlichen Hauptdarsteller vorzudringen. Sie äußern sich nicht nur sehr offen zu ihren Taten und Vorgehensweisen, teilweise genießen sie sichtlich diese Möglichkeit der Selbstdarstellung, was weitere Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeitsstruktur und die Motivation für ihre Straftaten zulässt.
Zum Lachen, zum Weinen, zum Staunen, zum Kopfschütteln, diese Dokumentation bietet nicht nur interessante Einblicke in sonst weitgehend fremde Gedankenwelten, sie ist zudem ausgesprochen unterhaltsam.
Gäbe es 4,5 Sterne, hätte ich diese vergeben, lediglich einen halben Stern ziehe ich für den o. g. Kritikpunkt der zumindest im Film mangelnden Distanzierung der Filmemacher zu den Aussagen der Täter ab.
Ansonsten ist dieser Film in jeder Hinsicht zu empfehlen.