Harding/Doherty verwendet diesmal ein dankbares Motiv. Hugh Corbett hat bereits seinen Abschied genommen, und will zu seiner Familie aufbrechen. Aber dann wird ein Anschlag auf seinen König verübt und so entschließt er sich noch zu bleiben, bis er diesen Fall, in den der Templerorden verstrickt ist, aufgeklärt hat. Schon aus dieser Konstellation ergibt sich eine Spannung. Da es Hugh Corbetts letzter Fall ist, besteht zumindest die Möglichkeit, dass er er ihn diesmal vielleicht nicht klären kann. (Tatsächlich passieren ihm diesmal einige Fehler.) Und da er als Detektiv abtritt, haben Leser/innen diesmal eine Chance, wirklich um sein Leben zu fürchten, wenn er bedroht wird. (Das ist diesmal ziemlich oft der Fall.) ---- Hardings historische Kriminalromane haben meistens eine sehr verwickelte Handlung aus mehreren Strängen, die zum Teil miteinander verknüpft sind. Sein Inventar an Motiven, Tatorten und Tatwerkzeugen ist dem typischen Krimileser/innen vertraut, in seinen besten Romanen, zu denen ich diesen - trotz einiger Schwächen, z.B. ein unnötiger Soloauftritt des Mörders, der seine nächsten Morde plant - zähle, wird aber mit der Erwartungshaltung der Leser/innen einfallsreich gespielt. Die Kriminalromane um Hugh Corbett sind gewöhnlich als effektvolle Puzzlespiele aufgebaut, wo alle Teile zuletzt zusammenpassen. (Vgl. dazu auch den „Kapuzenmörder".) ----- In „Die Hitze der Hölle" ermittelt Corbett mit seinen Helfern gegen den Templerorden, dies nur wenige Jahre vor dessen gewaltsamer Auflösung. (Harding strebt bei der Darstellung des Templerordens eine Entmythisierung und Entdämonisierung an.) Dazu passt es gut, dass Harding diesmal auf das typische Repertoire des Schauerromans zurückgreift: eine mysteriöse Mordmethode (obwohl ich es nicht recht glaubwürdig finde, dass nur der alte Bibliothekar alles durchschaut), die willkürliche Auswahl der Opfer, Verschwörungen und Attentate, ein verwinkelter Landsitz als Hauptort des Geschehens, eine düstere Bibliothek als Tatort für einen Mordversuch, eine Geheimschrift, verschlüsselte Botschaften, Geheimzimmer, Gerüchte etc. Zusätzlich muss Corbett noch eine merkwürdige Geldfälschergeschichte, die nur lose mit dem Haupthandlungsstrang verknüpft klären. Dann taucht noch ein geheimnisvoller Ritter auf, der nach jahrelanger Gefangenschaft bei den Assassinen nach England zurückkehrt ist, und vor seinem Tod noch etwas (was nur?) erledigen will. Reizvoll ist, dass Harding neben den Schauerelementen auch zeitlose typische Kriminalromanmotive verwendet (falsche Aussagen, Alibis, Mord am Mitwisser, weitere Detektive etc.). Zwei Aspekte verdienen besondere Hervorhebung. Die Auflösung des Falls (eine „Drehung") ist besonders gelungen (obwohl die Täterfigur als solche uninteressant und recht flach ist.), und alles wirkt (auf den 1. Blick) plausibel. Für viele rätselhafte Details (z. B. die verschiedenen Texte der Drohbriefe) gibt es banale Erklärungen, die gerade deshalb amüsant sind. ---- FAZIT: sehr unterhaltsam, sehr spannend, daher unbedingt lesen.