Das Buch ist außerordentlich wichtig, um zu erkennen, aus welchen familiendramatischen Motiven heraus Adolf Hitler in der Weltgeschichte gewirkt hatte.
Der "Führer" wird hier nämlich aus dem Blickwinkel seines familiären Umfeldes betrachtet - die Familie Hitler sozusagen sehr privat auf der Couch eines Familienpsychologen. Und jeder der Hitlers bekommt hier sein Fett weg.
Dem Autor sei Dank für die Ausführlichkeit seiner Darstellung, denn viele Historiker haben diese Thematik bisher gemieden; vielleicht John Tolland ist in seiner Hitler-Biografie ein kleines bißchen ausführlicher als andere Historiker (Fest, Maser etc.)an diese familiären Zusammenhänge von Adolf und seinen Eltern herangegangen, jedoch unvollständiger und nicht so überzeugend wie dieses Werk. Z.B. fragte ich mich, welche Rolle und welche Motive ein Patrick Hitler immer hatte, der aus den USA gegen seinen Onkel Adolf öffentlich gestänkert hatte? In diesem Buch wird sie beantwortet.
Mein Fazit nach der Lektüre: Die Familie Hitler war materialistisch eingestellt und das lag deutlich an der dominanten Figur des Oberhauptes Alois Schicklgruber-Hitler. Adolf Hitler war in der Familie der einzige, der aus diesem monströsen Familienschatten ausbrach und Karriere machte - mit, wie wir wissen, bedauernswertem Erfolg.
JEDER der Hitlers (Adolf eingeschlossen) wollte von dem Erbe des Vaters profitieren, und als Adolfs Karriere auf dem Höhepunkt war (ab 1933), übertrug sich ein diffuser familiärer Neidkomplex auf ihn (seine Verwandten hielten die Hand auf und wollten Geld oder ein besseres materielles Leben) - Adolf, als Führer des Deutschen Reiches nun der großzügige Spender und "Ersatzvater" für den Rest der Familie? Mitnichten, denn egoistisch, wie Adolf nun einmal war, verweigerte er seiner Verwandschaft materialistisches Entgegenkommen und speiste sie alle mit kleinen Almosen ab.
Und nach Adolfs grandiosem Scheitern (ab Mai 1945)versank der Rest der Familie Hitler in Scham vor sich selbst und ihrer Herkunft und jeder mied, bis auf ein unbedeutendes Interview von Hitlers Schwester Paula, jegliches öffentliche Auftreten und persönlichen "Ausbruch". Dadurch wird eine alte "Familientradition" auch in der Gegenwart stets weitergeführt: die eigene Herkunft weiter zu verheimlichen und zu verdunkeln. 5 Sterne