Das Buch vermittelt einen sehr guten Einblick in die Vielfalt der SS- Organisation und darf als lesenswert empfohlen werden. Der Autor bedient sich eines gepflegten Schreibstils und übt Objektivität und Fairness. Aber: Autoren, die diese Zeit nicht miterlebt haben, sind vor die Schwierigkeit gestellt, Details von damals voll zu erfassen und umzusetzen.
Einige Anmerkungen:
Seite 33: 'Bad Lichterfelde'. Es muß heißen Berlin- Lichterfelde. Die Abkürzung für Berlin ist 'Bln', offenbar gelesen als 'Bad'. Die Opfer aus Berlin und Umgebung wurden in der Kadet-tenanstalt Lichterfelde erschossen.
S.41: Sudetenland. Damit sind allgemein die deutsch-sprachigen Randgebiete der Tschechoslowakei, vornehmlich in Böhmen und Mähren gelegen, gemeint.
S.49 und'72: Dies sind Aufnahmen des deutschen Farbphoto- Magazins 'Signal' aus der Zeit des II. WK.
S.49 zeigt die 3.7 cm Pak,'Heeresanklopfgerät'genannt, welches
in Rußland ab 1942, nachdem die leichten Panzer abgeschossen waren, kaum noch eine Chance gegen den zumeist nachfolgenden
T 34 hatte. Rohrlänge der 3.7 cm Pak war nur 1.66 m. Durchschlagsleistung 27 cm auf 600 m.
S.79: Fegelein. Er wurde im Führerbunker in Berlin vermißt. Seine Privatadresse war bekannt. Dort wurde er aufgespürt in Begleitung einer jüngeren Frau und reisebereit, um sich abzusetzen.
S.82/83: Dieses Photo wurde bereits 1971 gezeigt in dem frz. Magazin Historia in der Ausgabe'SS'.
S.93: 'Uniformen der Einsatztruppen'. In Polen wurden auch OT- Anghörige zu Exekutionen herangezogen. Sondereinsatz wurde z.B. befohlen. Vor Ort drückte man den verdutzten OT- Leuten Waffen in die Hand.
S.99: Pimpfenprobe: Hier eine der vielen Nachkriegsverzerrungen. Richtig ist: Das Horst- Wessel- Lied und das Fahnenlied mußten textmäßig aufgesagt werden. Ein Vorsingen war ausdrücklich nicht erforderlich. Die Pimpfenprobe sollte binnen 6 Monaten erfolgen, dann durfte das Fahrtenmesser getragen werden. Im Übrigen: Was hatten denn die 10-14-Jährigen mit der SS zu tun? Das Gros der deutschen Jugend hatte mit NS- Gliederungen gleich welcher Art wenig 'am Hut'. Die Nachkriegsliteratur versucht immer wieder, gegenteilige Eindrücke zu erwecken. Im DJ (Deutsches Jungvolk) wurde mit Luftgewehren (jeweils Junior- Ausführungen) geschossen. Einen Waffendrill gab es nicht, wohl aber selbstverständlich eine Schießdisziplin. In der HJ schoß man mit Kleinkalibergewehren. Hier mußte das Schloß auseinandergenommen und zusammengesetzt werden, in eher sportlichem Stil. Die Bezeichnung 'Burschen'ist einfach unangebracht.
S.103: Ein DJ- Angehöriger im Alter von etwa 12 Jahren bläst seine Fanfare. Auch dieses Photo gehört nicht in ein Buch über SS, kommt aber dem derzeit noch immer herrschenden Nachkriegszeitgeist gelegen. 1936 wurde die HJ zur Staatsjugend erklärt,
die Mitgliedschaft aber erst ab 1939 zur Pflicht gemacht.
S.152 unten: Das Photo zeigt oben rechts einen Befehlspanzer III mit 3 Antennen. Aufgabe der Bef. Pz. war die Funkverbindung mit den rückwärtigen Stäben (auf MW), Flugzeugen (UKW bei 42 MHz), oder anderen Kampftruppen (auf anderen UKW- Bereichen). Die Gerätebstückung mußte entsprechend getroffen werden. Die üblichen Panzerkampfwagen konnten auf UKW bei 30 MHz nur untereinander und mit dem Bef. Pz. verkehren.
S.165: Herbert Kappler: Er wurde 1948 verurteilt, weil er 5 Geiseln zuviel erschießen ließ, nämlich 335 anstatt 330.
S.165: Adrianitsche Höhlen. Richtig heißt es Ardeatinische Höhlen.
S.169: Auf dem Photo des Tiger I sieht man an der Walzenblende neben der Kanone 2 (hier schwarze) Öffnungen für das binokulare Turmzielfernrohr.
S.191: Zu den Aufgaben Dirlewangers gehörte ab 1940 die Aufstellung einer Wilddiebs- schützen- Einheit im KZ- Sachsenhausenn (Oranienburg). In dieser SS- Sonderformation waren etwa 2000 Schußwaffen- Wilddiebe als Bewährungssoldaten eingesetzt, um ihre Jagdleidenschaft gegen Partisanen zu nutzen. Ein Rest von etwa 400 wurde Ende April 1945 südöstlich von Berlin im 'Kessel von Halbe'aufgerieben.
S.197: Der Motor des Pz.IV war der HL 120 mit 265 PS. Der Motorwechsel nahm wenigstens 8 Stunden in Anspruch. Steckkupplungen im heutigen Sinne gab es noch nicht.
S.204: Die P 08 konnte in geladenem und hier zwangsläufig auch gespannten Zustand auseinandergenommen werden. Dabei gab es Unfälle.'Minderwertige Munition' wird von keiner halbautomati-schen Pistole akzeptiert.
S.206: Die Mauser- Pistole C 96 hatte das Kaliber '7.63 Mauser', (nicht 7.65). Diese Patrone wurde von der SU als 7.62 M 1930 Typ P übernommen. Angaben wie 7.65 mm oder 9 mm müssen präzisiert werden, etwa 7.65 Browning oder 7.65 Parabellum, oder 9 mm kurz oder 9 mm Parabellum. Das auf gleicher Seite gezeigte FG 42 (Fallschirmjägergewehr)ist ein Gasdrucklader mit Wechselmagazin für 20 Schuß. Das im Text genannte MG 42 hingegen ist ein Rückstoßlader mit Gurtzuführung. Beide Waffen verwenden die gleiche Patrone, sind aber grund-verschieden konstruiert und dienten unterschiedlichen Einsatz-zwecken.
S.215: Dünne Ketten. Gemeint sind 'schmale' Ketten.
S.216: Pz. III. In der Walzenblende sind 2 Öffnungen. Die runde ist für das monokulare Turmzielfernrohr, die rechteckige für eine verschließbare Sehöffnung mit Schutzglas des Richtschützen.
S.215-217: Die 'Ebenbürtigkeit'. Der Pz. III konnte selbst im neuesten Gewande dem T 34 keine Aufwartung machen. Er richtete bei günstigstem Treffer nur bis 1000 m etwas aus bei höchster Eigengefährdung. Der Pz. III war von Anbeginn ein schwaches Produkt und durchlebte 2 verschiedene Motoren, 4 Schaltgetriebe, wenigstens 2 Lenkgetriebe, 5 Laufwerke (von der Schrauben- über Blatt- zu mehrfach verstärkten Drehstab-federungen)mit 2 verschiedenen Kettenbreiten, 4 Kanonen, und diverse Panzerverstärkungen. Die schwingungstechnischen Daten ließen zu wünschen übrig. Das Gewicht stieg von 15 auf 21 to.
Der Pz. IV bekamm erst ab August 1942 eine (respektable) 7.5 cm Langrohrkanone, im gleichen Monat erschien der Tiger I mit seiner ballistisch gefürchteten 8.8 cm Flak 36. Im Frühjahr 1943 war der Panther einsatzbereit. Da brachten die Sowjets den T 34 mit der 85 mm Kanone. Der Panther hatte viele Ausfälle infolge seines ungünstig konstruierten Seitenvorgeleges und Lenkgetriebes. Der Königstiger(offiziell Tiger Ausf. B) mit der 8.8 cm Pak 43 ließ bis 1944 auf sich warten. Vom Tiger I wurden 1350 Stück gefertigt, vom Königstiger nur 485. Aber die Panzer der Russen und Amerikaner blieben in horrender Überzahl. Eine ganze Welt rüstete gegen Deutschland, mit Ideologie nicht kompensierbar.
S.241: 'Mk IV Panzer'. Gemeint ist der deutsche Pz.IV.
S.241: Automatische Pistole: Mehrschüssige Pistolen waren Halbautomaten.
H. Maus (Heidelberg)