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Dabei hat Kyra Berg mit ihrem Privatleben bereits genug Probleme. Der liebenswerte, aber etwas dickliche Kollege Franz Pawlak rückt ihr doch zu sehr auf die Pelle. Und an die Liebesnacht mit dem ausnehmend hübschen Kellner kann sie sich überhaupt nicht mehr erinnern. Von dem Abenteuer mit dem großmäuligen Töchterchen des verschiedenen Chefredakteurs ganz zu schweigen...
Thea Dorn verläßt sich allerdings nicht nur auf eine spannende Handlung und gekonnt in Szene gesetzte Situationskomik. Sie sucht -- und findet -- stilistische Entsprechungen für das auf den ersten Blick recht außergewöhnliche Seelenleben ihrer Täterfigur. Anfängliche Befürchtungen, es mit einer weiteren, als Krimi getarnten, bildungsbürgerlichen Spielerei zu tun zu haben, erweisen sich als grundlos. Ganz im Gegenteil: Das Finale erlaubt sich eine ansonsten eher angloamerikanische Freizügigkeit, die den Krimi mit den Traditionen des Schauerromans verbindet.
Bisher hatte sich die Berliner Autorin dem Universitätsleben (Berliner Aufklärung) und des Opernmilieaus (Ringkampf) angenommen. Dieses Mal ist die Presse dran, und auch hier scheint sie sich blendend auszukennen. Ohne Luft zu holen setzt sie ihre Leser mittenrein in Arbeit und Alltag ihrer Hauptfiguren und liefert damit den soliden Hintergrund für eine mehr als ungewöhnliche Geschichte. Blut, Wahnsinn und Berliner Schnauze -- beste Voraussetzungen für einen gelungenen Leseabend. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Es lohnt sich doch noch, Griechisch zu lernen,
Von Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Die Hirnkönigin: Roman - Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis (Taschenbuch)
Es kann nämlich passieren, dass man seinen hochgebildeten Mörder nur noch mit ein paar Griechisch-Zitaten von seiner Tat abhalten kann. Und genau ein solcher treibt in Berlin sein Unwesen. Spezialität: das Sammeln und Einmachen der Gehirne von kulturell gebildeten Männern. Das ist ekelig und hat auch seine komischen Ursachen, wie man am Ende erfährt. Als es den Chefredakteur der "Berliner Morgen"-Zeitung erwischt, steigt Kyra Berg, die clever-deftige Journalistin mit vermeintlich hartem Herz, aber dafür viel Kultur und 2 Fäusten, von Feuilleton auf Kriminologie um und ermittelt.Die Autorin Thea Dorn hat Theaterwissenschaften studiert und war Dozentin für Philosophie in Berlin. Im Buch äußert sich das so, das kaum eine Figur oder Situation von einem Vergleich mit Persönlichkeiten der antiken griechischen Mythologie verschont bleibt, Athene, Elektra, Ilias & Co. geben sich die Hand. Selbst die heruntergekommene Hausbesetzerin zitiert noch Niobe. Das überrascht, ist aber auch mal was anderes. Im gleichen Absatz kommt es übrigens auch oft zu kräftigen Ausdrücken unter der Gürtellinie, es gibt also ausgleichende Kontraste. Und statt Beziehungen gibt es Affairen satt. Bei der Hirnkönigin handelt es sich schon um eine ganz besondere Persönlichkeit, die, wenngleich abstrus konstruiert, als Figur schön und interessant ist. Am Ende frage ich mich wie schon häufiger bei Krimis, warum Kyra nicht einfach die Polizei anruft, als der Mörder bekannt ist. Deshalb musste es dann so dramatisch kommen, na ja, selbst schuld und noch 999,90 DM bezahlt. Insgesamt fand ich es nicht so schlecht wie erwartet und ich freue mich über ein deutsches Werk mit Berliner Szene. Wer mal nicht den klassischen Inspektor XY-Krimi lesen will und was Unkonventionell-Ekliges mit kultureller Keule sucht, ist hier eigentlich nicht schlecht bedient. In diesem Sinne: andra moi ennepe, Musa, warum nicht ? (habe ich abgeschrieben :-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
spannender skurriler Krimi,
Von tinaklein "tina" (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Hirnkönigin (Gebundene Ausgabe)
Nach "Die Brut" und "Mädchenmörder" habe ich mich an "Die Hirnkönigin" herangewagt, da ich bisher von der Autorin Thea Dorn mehr als begeistert war. Dieses Buch ist etwas verwirrend. Man springt in sehr kurzen Abständen von einer Erzählperson zur nächsten. Die Charakterisierungen der handelnden Personen waren im großen und ganzen stimmig. Allerdings waren einige Szenen wirklich sehr grausam in allen Einzelheiten geschildert. Weniger wäre hier mehr gewesen. Was mir wieder sehr gut gefallen hat waren die Vergleiche von Thea Dorn. Auf diesem Gebiet ist sie ungeschlagen. Die Auflösung war keine wirkliche Überraschung mehr. Gefallen hat mir besonders die letzte Seite - das sehr sehr böse Ende...
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Übermensch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Hirnkönigin: Roman - Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis (Taschenbuch)
Der alte Traum vom Übermenschen. Diesmal träumt ihn ein pensionierter Lehrer der klassischen Sprachen. Zur Umsetzung sucht er sich eine namenlose Frau, mit der er eine Tochter zeugt. Denn bei Knaben hat er beobachtet, daß ihr Interesse für Latein mit der Pubertät abrupt endet. Ein Seitenhieb gegen Nietzsche? Besagte Tochter wird nach platonischen Reinheitsidealen erzogen; in diesem Rahmen darf sie keine Bindungen an Menschen eingehen, die dem alltäglichen Schmutz verhaftet sind. Bereits ihre Amme wechselt monatlich, und natürlich wird sie vom Vater zu Hause unterrichtet. Erst als diese Erziehung zu vermeintlicher psychischer Stabilität geführt hat, wird sie auf die Menschheit losgelassen. Hiermit wären wir beim Kontrastprogramm angelangt, in Form einer Berliner Zeitungsredaktion, in der die Protagonistin ein Praktikum macht. Ihre Gegenspielerin ist eine glücklose Reporterin, und neben allem Schmutz der Welt (es trieft nur so von Sex und Alkohol) treten so skurrile Gestalten auf wie ein weltfremder österreichischer Kulturreporter, der die Reporterin anschmachtet, eine grünhaarige hysterische Lesbe aus der Hausbesetzerszene, die dies ebenfalls tut, ein geiler Bock von Chefredakteur, der die gesamte weibliche Belegschaft der Redaktion als Privateigentum betrachtet. Dessen verirrte Seele wird, ganz im platonischen Sinne, als erste aus dem Gefängnis ihres Körpers befreit. Die Protagonistin ist so weltfremd, daß sie beim Betrachten seines Gehirns in einem Einmachglas ihren Orgasmus weder genießt noch überhaupt erkennt, sondern einen "Unterleibskatarrh" befürchtet. Weitere Befreiungsaktionen folgen, als letzter muß der Kulturreporter dran glauben. Dieser ach so wahrscheinliche Plot wird von hinten aufgerollt, damit die Spannung erhalten bleibt. Bei einem Krimi erwarte ich allerdings ein Mindestmaß an Verträglichkeit mit der Realität, sonst kann ich gleich Science Fiction lesen. Man gewinnt den Eindruck, daß die Autorin krampfhaft ein noch nie dagewesenes Sujet gesucht hat, vor dessen Hintergrund sie ihre klassische Bildung heraushängen lassen kann.
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