In der ersten Geschichte erzählt uns Martel von einem jungen Aids-Kranken (angesteckt durch eine Bluttransfusion), der von seinem Freund auf seinem letzten Lebensabschnitt begleitet wird. Die beiden Freunde erzählen sich abwechselnd die Geschichte einer finnischen Familie und lassen sich dabei von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts inspirieren, und während die finnische Familie von Schicksalsschlägen heimgesucht und von freudigen Ereignissen überrascht wird, kann der Leser den traurigen Verfall des Aids-Kranken mitverfolgen.
Die zweite Geschichte handelt von einem Vietnam-Veteran, der seinen Lebensunterhalt als Putzmann verdient und viele Stücke komponiert hat, und obwohl die "dissonante Violine" bei der Uraufführung gänzlich misslingt, sind die Zuhörer ergriffen.
In "1096 Arten zu sterben" beschreibt der Direktor einer Strafvollzugsanstalt den Tod (durch Erhängen) eines jungen Mannes. Einmal stirbt der junge Mann ängstlich, ein anderes Mal gefasst, einmal bringt er sich selbst um, einmal erliegt er eines natürliches Todes, einmal schreibt er seiner Mutter einen langen Brief, einmal redet er die ganze Nacht mit einem Priester -- allen Varianten enden mit dem Tod.
Im "Spiegel für die Ewigkeit" zeigt die Grossmutter ihrem Enkel, wie man früher Spiegel fabriziert hat, und während der Spiegel entsteht, redet die Grossmutter auf ihren Enkel ein. Sie redet und redet, und der Enkel schweift mit den Gedanken ab, verflucht dieses Materiallager in Grossmutters Wohnung, wünscht sich ein kleines Feuer herbei, das all den Müll verschlingt. Und plötzlich sagt die Grossmutter: "UND ENDE." Der Spiegel ist fertig. Und als der Enkel genau hinschaut, sind im Spiegel all die gesprochenen Worte sichtbar.
Die Themen in diesem Buch sind sehr originell und einzigartig, Yann Martel selbst ein sehr feinfühliger, verständnisvoller, humorvoller Autor und hervorragender Erzähler. Ein überaus erfreuliches Leseerlebnis für anspruchsvolle Bücherfreunde.