Lada Lusina ist hier ein Roman gelungen, der die Atmosphäre Kiews perfekt einfängt und mit viel Charme und Magie anreichert. Für einige Stunden taucht der Leser in diese Stadt ein und mehr noch als um das Wohl der Protagonistinnen sorgt man sich um das Schicksal der Stadt. Dies hat allerdings noch einen anderen Grund: Mascha, Dascha und Katja sind stark überzeichnete Charaktere, deren Eigenheiten zu Beginn der Lektüre noch sympathisch sind, aber mit jeder Seite die Nerven des Lesers ein wenig mehr strapazieren. Sie machen zwar Entwicklungen durch, gewinnen aber kaum an Tiefe oder Glaubwürdigkeit.
Positiv anrechnen muss man der Autorin jedoch, dass sie mittels der chaotischen Frauen eine Menge Humor transportiert. Besonders die erste Hälfte des Buches überzeugt durch seine amüsanten Einfälle und einen kurzweiligen Stil, der fast schon über einen frechen Unterton verfügt. Danach setzt Lusina eher auf Spannung, jedoch gelingt ihr die Umsetzung ebenjener nicht immer. Unzählige Rätsel hat sie in dieses Buch eingeflochten und wenn die Lösung eines dieser Rätsel drei neue aufwirft oder sich mehrmals als falsch erweist, dann verliert der Leser irgendwann den Überblick und den Spaß an der Lektüre. Zudem gibt es auch zu viele Stellen, die für den Handlungsfortgang nicht relevant sind, und das zu Beginn des Buches rasche Erzähltempo wird so stark gedämpft.
In nahezu jedem Kapitel verweist Lusina auf berühmte osteuropäische Autoren, wie Michail Bulgakow oder Nikolaj Gogol. Sie selbst hat mit Die Hexen von Kiew" leider kein Meisterwerk vollbracht, das dieser Autoren würdig wäre, dennoch ist es ungemein spannend, wie viel sie dem Leser indirekt über die Geschichte Kiews, über russische Literatur und die Tradition von Hexen in Kiew beibringt. Bei all den Anspielungen und Personen- und Ortsnamen, die die Autorin verwendet, ist das Glossar, das sich am Ende des Romans befindet, sehr hilfreich. Außerdem beinhaltet das Buch auch eine Karte von Kiew, die es dem Leser leichter macht, die Stadt zu visualisieren.
Lada Lusina hat einen unterhaltsamen Roman geschaffen, der zwar noch einige Schwächen aufweist, insgesamt aber überzeugend ist. Vor allem aber macht er Lust auf mehr. Wer Die Hexen von Kiew" gelesen hat, wird sich nicht nur wünschen, die zauberhafte Stadt mit eigenen Augen zu sehen, sondern auch die großen russischen Schriftsteller zu lesen und eventuell auch mehr von den Nachwuchstalenten aus Osteuropa kennenzulernen.