Ravenna und Yvonne sind zwei Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein können. Während die jüngere Yvonne ständig neue Männer mit nach Hause schleppt, aufgeschlossen ist und sich als moderne Wicca-Hexe bezeichnet, ist Ravenna verschlossen, ja beinahe menschenscheu, und hält die Leidenschaft ihrer Schwester für alles Okkulte für reine Zeitverschwendung. Als Steinmetzin ist sie viel für sich allein und fühlt sich während der Arbeit sehr mit den steinernden Figuren aus dem Mittelalter, die sie restauriert, verbunden. Doch seit einem Überfall in ihrer Wohnung leidet sie unter Angstattacken und besucht regelmäßig einen Therapeuten, auch wenn Yvonne die Ursache für Ravennas Leiden eher in einem Fluch sieht. Die ältere Schwester zieht sich auf das Gut ihrer Eltern zurück, um einen klaren Kopf zu bekommen, doch bei einem Ausritt landet sie plötzlich in einem magischen Kreis und findet sich zwar noch am selten Ort, aber in einer vollkommen anderen Zeit wieder. Sie stellt fest, dass sie nicht mehr im Jahre 2011 ist, sondern im Jahr 1253, und dass die Sieben, ein mächtiger Hexenzirkel, sie gerufen haben, weil sie die Nachfahrin einer mächtigen Tormagierin ist und ihre Hilfe im Kampf gegen den Leibhaftigen selbst benötigt wird. Aber wie sollen 700 Jahre altes verschollenes Wissen über Magie - an die Ravenna eigentlich gar nicht glauben will - in ihr fortleben? Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und sie muss feststellen, dass entgegen ihrer Erwartung Magie in ihr schlummert, die geweckt werden will - und dass auch mehrere Jahrhunderte dazwischen nichts daran ändern können.
Mit Die Hexen ist Lea Nicolai ein ausgesprochen faszinierendes Werk gelungen. Gleich zu Beginn wird man beim Lesen feststellen, dass die Autorin ihre Handlungsorte nicht einfach so aus den Ärmel geschüttelt, sondern sich sehr gut informiert hat. Lebendig und ausdrucksvoll wird das Geschehen geschildert und mit wachsender Spannung forangetrieben.
Besonders die Entwicklungen der einzelnen Figuren sind nachvollziehbar und authentisch geschildert, was sie sowohl plastisch, als auch undurchsichtig macht. Das wird sowohl in Ravenna deutlich, die vom verschreckten Mauerblümchen über sich hinaus wächst, als auch in Yvonne, die als aufgeklärte 'weiße' Hexe plötzlich in finstere Machenschaften verstrickt wird. Unvorhersehbare Kurven und Hindernisse gestalten das Lesen zu einem regelrechten Wettrennen, sodass die 700 Seiten schnell an einem vorbei fliegen.
Sprache, logische Verknüpfungen und Hintergrundinformationen sind gelungen verwendet und eingefügt worden, sodass man die Magie an den Buchseiten meint spüren zu können ;)
Absolut empfehlenswert und mit einem Ende versehen, dass vielleicht auf eine Fortsetzung hinausläuft, aber trotzdem nicht das Gefühl gibt, dass Buch sei nicht abgeschlossen.