Jörg Klinger hat eine Einführung die Geschichte der Hethiter geschrieben, die nicht zuletzt für Wissenschaftler der Nachbardisziplinen wie Ägyptologen oder Klassische Archäologen ihren Wert hat. Besitzen doch hethitische Quellen z.B. für die Erforschung des mykenischen Griechentums hohe Bedeutung. Da man nicht immer eine umfassende Darstellung von mehreren hundert Seiten lesen kann, ist dieses kleine Buch ein guter Einstieg und Überblick zur Welt der Hethiter.
Das Buch beginnt mit einer kurzen Forschungsgeschichte, die Vorreiter der Hethitologie wie Winckler, Forrer und Hrozný vorstellt und auch etwas zu Sprachwissenschaft und zur Quellenlage liefert. Dem schließt sich eine Ereignisgeschichte des hethitischen Reiches von der ersten Hälfte des 2. Jt. bis ins 12. Jahrhundert an, die seltsamerweise plötzlich von einem 30seitigen Abschnitt zur hethitischen Kultur unterbrochen wird. Diesem Abriss fehlt wiederum jede Betrachtung zur bildenden Kunst und zur Architektur.
Ein wenig vermisst man Verweise auf jüngere Feldforschungen in Kleinasien. So hätte man bei der Besprechung der Eroberungen Mursilis II. im Westen (S. 99f.) darauf verweisen können, dass dieser Zerstörungshorizont in Milet/Millawanda inzwischen auch archäologisch nachgewiesen ist, mithin also die hethitischen Quellen bestätigt wurden. In strittigen Punkten wie dem Streit um Troia-Wilusa, der Ahhijawa-Frage und auch der Identifizierung von Ephesos mit dem in den hethitischen Quellen genannten Apasa beschränkt sich Klinger, dem Charakter seines einführenden und überblicksartigen Werks angemessen, auf eine neutrale Beschreibung der Fakten und Thesen ohne ein abschließendes Urteil abzugeben. In dieser Hinsicht unterscheidet sich dises Buch angenehm von einigen bisweilen allzu wertenden und polemischen Bänden derselben Reihe (z.B. Patzek, Homer oder Kolb, Rom).
Alles in allem eine gute Einführung, die für viele Adressaten ihren Wert haben wird.