Wenn die geneigte LeserIn sich gerne hauptsächlich dem glamour-Faktor der Herzogin hingeben möchte, wird sie etwas enttäuscht sein.
Ganz ein Kind ihrer Zeit und Klasse akzeptiert Georgiana Spencer die Wahl ihrer Eltern und heiratet einen nach heutigen Maßstäben Millionär. Die unendlichen pekuniären Möglichkeiten gepaart mit einem hohen Maß an Vertrautheit und Stilsicherheit der damaligen Etikette ermöglichen es der jungen Frau, zunächst ein recht angenehmes Leben im Wohlstand zu führen.
Frustriert über die Gleichgültigkeit ihres Ehemannes, dem in erster Hinsicht an einem männlichen Nachkommen gelegen ist und bedingt durch die Dominanz und Einmischungen ihrer Mutter fehlendem Selbstwertgefühl sucht sie ihr Heil beim Spiel. Diese Sucht führt zur unvermeidlichen hohen Verschuldung und lässt sie zur perfekten Geldbeschafferin werden,deren vorübergehende gute Phasem dennoch immer wieder durch den Druck der Schulden beeinträchtigt werden.
Georgiana avanciert dank ihrer Stilsicherheit und der Freude an modischen Experimenten schnell zur Stilikone ihrer Zeit. Mit zunehmendem Alter und Reife entdeckt sie jedoch ihr Talent für public relations und engagiert sich auf dem politischen Parkett vergleichbar dem Wahlkampfengagement diverser VIP's im modernen Amerika. Als Frau ihrer Zeit, der eine eigene Karriere versagt bleibt, entwickelt sie politischen Spürsinn und wird von den mächtigen und politisch wichtigen Männern ihrer Epoche als Ratgeberin akzeptiert, ja ihr Talent wird regelrecht eingefordert.
Letztendlich ist eine Frauenfreundschaft, die zeitgleich auch eine menage à trois mit ihrem ihr legitim Angetrauten darstellt, ebenfalls ein wichtiger Aspekt in ihrem Leben.
Nach Erfüllung der ehelichen Pflichten, der Geburt eines männlichen Stammhalters gibt die Herzogin, wiederum Kind Ihrer Zeit, ihren Gefühlen nach und wird die Geliebte eines Politikers, mit dem sie auch ein gemeinsames Kind hat, welches jedoch aus Standesgründen - im Gegensatz zu den unehelichen Kindern des Herzogs - nicht in ihrem Umfeld verbleiben und aufwachsen darf.
Heute würde Georgiana sämtliche Hochglanzmagazine füllen, die Titelblätter würden sich um ihre Präsentation und Geschichte reißen, ähnlich wie um das ihrer berühmten Nachfahrin, Lady Diana Spencer, princess of wales.
Das Buch zeichnet ein gutes Bild dieser phänomenalen Frau und wurde von der Autorin trotz unzureichend erhaltener Dokumente weitestgehend gut recherchiert und dargestellt. Ohne konkrete Detailkenntnis der damaligen politischen Gegebenheiten wirken einzelne Passagen etwas trocken und die geneigte LeserIn muss hin und wieder sehr mitarbeiten.
Für die Liebhaberin von Biographien historisch herausragender Frauen im gesellschaftlichen Colorit ihrer Zeit darf dieses Buch durchaus zur Lektüre gehören, da es neben der Darstellung des Lebensverlaufs der Herzogin auch einen guten Einblick in die Sitten der upper class der damaligen englischen Gesellschaftsszenerie liefert.