Was in der ersten, sehr plakativen Szene mit dem schlüpfrigen Balzverhalten einer jungen männlichen Genitalgemeinschaft rund um eine junge Dame beginnt, ist nahezu prädestiniert, um letztendlich im Gefühlschaos zu enden: Es ist die Geschichte der Georgina Spencer (Keira Knightley), die im Alter von 17 Jahren von ihrer Mutter, Lady Spencer, einen unterschriftsreifen Ehevertrag mit dem Duke von Devonshire vorgelegt bekommt und den Kontrakt in naiver Euphorie auch bereitwillig eingeht. Die Freude trübt sich spätestens in der Hochzeitsnacht, in der ihr frisch angetrauter, sehr umtriebiger, aber äußerst langweiliger Gatte (Ralph Fiennes) möglichst schnell und dementsprechend unbeholfen und unsensibel sie ihrer Kleider entledigt, um endlich in der mechanisch-schmerzhaften Horizontalen des Liebesaktes den heiß ersehnten männlichen Erben zu bekommen. So weicht die Euphorie der bitteren Erkenntnis, dass in einer Welt, die Frauen in Mätressen und Gebärmaschinen einteilt, für Liebe nicht viel Platz ist. Fortan fristet die junge Lady ein Dasein in Unterdrückung, Unfreiheit, Gefangensein in gesellschaftlichen Konventionen, sexueller Frustration und erogener Ödnis. Es folgen eskapistische Versuche in die Politik und die Etablierung als Modeikone. Beides wird im Film jedoch nur angedeutet. Das politische Engagement beschränkt sich hier auf eine kurze Konversation beim Dinner mit Politikern und auf einen öffentlichen Auftritt für die Whig-Partei ihrer heimlichen Liebe Charles Grey, mit dem sie nicht nur politische Ansichten, sondern auch die liberalen Bettlaken teilt. Alles andere wird von Regisseur Saul Dibb im Dunkeln zurückgelassen. Georgina Spencer wird so eher als erstes It-Girl der Zeitgeschichte porträtiert, das bei gesellschaftlichen Partys nicht immer frei von Peinlichkeit in Erscheinung tritt. Da kann es schon mal passieren, dass die auf ein beträchtliches Maß an prätentiösem Phallussymbol angewachsene und mit penibel detaillierter Genauigkeit geflochtene Perücke bei einem Gesellschaftsabend den Flammen zum Opfer fällt. Damit aber nicht genug. Die junge, vom Glück verlassene Duchess holt sich in ihrer Einsamkeit auf naive Art und Weise und aus tiefer Sehnsucht nach einer Freundin (besser gesagt Leidensgenossin) auch noch eine lüsterne Nebenbuhlerin mitsamt Kindern ins Haus. In der Folge werden emotionale Berg- und Talfahrten und einzelne Schicksalsschläge abgearbeitet.
Der Film basiert auf der Biografie von Amanda Foreman. Skizziert werden die emotionalen Seiten dieser Figur. Die gesellschaftspolitische Bedeutung wird nur an der Oberfläche angerissen. Was hätte wohl ein James Ivory aus diesem Stoff gemacht? Der Film ist jedoch optisch so gut geschossen, dass viele Schwächen gar nicht ins Gewicht fallen. Sowohl Ausstattung, als auch Kostümierung, Kameraeinstellungen und die äußerst warme Farbpalette der sehr elegant gehaltenen Bilder kaschieren wunderbar einige Längen und überzeichnen den äußerst vorhersehbaren Plot. Darstellerisch bringt Ralph Fiennes in seiner typisch minimalistischen Art und Weise die Blasiertheit, Belanglosigkeit und die unterdrückende, verklemmte subtile Gewalt des Dukes sehr gut auf die Leinwand. Überraschend ist, dass diese Figur von Fiennes als ebenfalls im Standesdünkel gefangene Person interpretiert wird und so eine nahe liegende Dämonisierung vermieden wird. Hayley Atwell als Bess Foster versucht ihrer sehr festgelegten Rolle einiges an Vielschichtigkeit zu geben. Keira Knighley haucht trotz Schwächen des Drehbuchs der Duchess noch soviel Leben ein, dass man diese Figur zumindest als sinnbildliche Leidensikone für alle frustrierten Adelsdamen dieser Zeit erkennt.
Bonusmaterial: Making Of, unveröffentlichte Szenen, TV-Spots, Trailer. Die DVD hat ein Wendecover.