Mit Die Herrscherin der Eismark" schrieb Stuart Hill 2005 eine klassische Fantasygeschichte, die vom alten Kampf zwischen Gut und Böse erzählt. Das Buch ist der Auftakt zur Eismark-Trilogie, die gerade erst vollendet wurde - der zweite Teil, Die Klinge aus Feuer", erschien 2007 auf Deutsch, der dritte Teil, The last Battle of the Icemark", erscheint im Juli 2008 auf Englisch.
Stuart Hills Völker sind eine bunte Mischung und, wie in so vielen Fantasyromanen, angelehnt an real existierende Völker. So ähneln die Bewohner der kalten Eismark den Wikingern, die nach ihrem Tod nach Walhalla gehen, das Polypontische Reich weist sehr starke Parallelen zum antiken Rom auf, und die Provinz der Hypoliter erinnert an Amazonenvölker. Der Autor hat aber noch eine Menge übersinnlicher und fantastischer Wesen in seine Geschichte mit eingeflochten: Hexen und Eistrolle, Werwölfe und Vampire, lebende Bäume und sprechende Leoparden. Diese Zutaten klingen nicht neu und die Geschichte weist im Grunde genommen auch keine großartigen Überraschungen auf, aber Hill erzählt sie sehr gekonnt und unterhaltsam, so dass die Eismark-Chroniken definitiv zu den besseren Fantasyromanen zählen.
Im Label Silberfisch ist bei Hörbuch Hamburg die Hörbuchfassung von Die Herrscherin der Eismark" erschienen, gelesen von Johannes Steck. Es hätte keinen besseren Sprecher für diese Geschichte geben können, Steck liest einfach grandios! Er gibt jeder Figur einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter und eine ganz eigene Stimme. Fantastisch gelungen ist zum Beispiel Thirrins Vater Roderich Lindenschild, der nicht normal sprechen kann, sondern sich immer nur brüllend verständigt. Auch alle anderen Figuren sind ganz wunderbar gelungen - Maggiore Totus' südländischer Akzent, das heisere Knurren der Werwölfe, die öligen Stimmen der Vampirmajestäten, die etwas schüchtere, gelassene Art von Oskan Hexensohn. Johannes Steck gibt immer vollen Einsatz und es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören - etwa wenn er unvermittelt den Schlachtruf der Eismark Blut! Feuer! Und Sturm!" in voller Lautstärke ertönen lässt.
Ein kleiner Kritikpunkt am Buch ist, dass es relativ unausgewogen ist und ziemlich wenig passiert. Die ersten fünf CDs vergehen praktisch ausschließlich damit, dass Thirrin Verbündete um sich schart. Das ist spannend und unterhaltsam, hat aber auch keine besonderen Höhepunkte. Erst gegen Ende der fünften CD beginnt dann die große Schlacht gegen die Polypontier, und nach CD sechs ist die Geschichte ja auch schon vorbei. Dies wird aber ohne Weiteres wettgemacht durch die wunderbare Lesung von Johannes Steck, so dass kleinere Längen in der Handlung wie im Fluge vergehen. Der Auftakt der Eismark-Chroniken ist ein tolles Hörbuch für Fans klassischer Fantasy-Geschichten und stellt eine herausragende Lesung dar.
Ein Wiedersehen mit Thirrin, Oskan, Grishmak Bluttrinker, Tharaman-Thar und vielen anderen gibt es im zweiten Teil der Trilogie in Die Klinge aus Feuer".