>>> ZUM FILM <<<
Zugegeben: Ich habe mich vom Namen des Regisseurs blenden lassen. Immerhin hat Brad Anderson mit
The Machinist und
Transsiberian zwei Vertreter des modernen und teilweise abgründigen Spannungskinos inszeniert, die mir in sehr guter Erinnerung geblieben sind. Bei beiden Produktionen zeigte er, dass er in der Lage ist, auch ohne Mammutbudget sehr gute Ergebnisse abzuliefern. Auch bei DIE HERRSCHAFT DER SCHATTEN war das Budget niedrig. Nur ist das Ergebnis in diesem Falle sehr enttäuschend!
Dabei klingt die Ausgangsbasis für den Film hochinteressant: Endzeitatmosphäre, ausgelöst durch eine unerklärliche Dunkelheit, in der die Menschen, die ihr nicht entkommen können, spurlos verschwinden. So beginnt der Film auch ohne eine lange Einführung und baut in den ersten 10-15 Minuten eine gute Atmosphäre auf. Der Zuschauer wird neugierig auf das, was da noch alles kommen mag. Und wird in der weiteren Folge durchweg enttäuscht. Es scheint gerade so, als hätte das dünne Drehbuch auf eine DIN A-4-Seite Seite gepasst und der Autor tatsächlich nur die Idee gehabt, wie man den ersten Akt dieses Films schreibt. Anschließend herrscht nämlich nicht nur in der namenlosen Stadt gähnende Leere, sondern auch in der Handlung.
Storyseitig findet keinerlei Entwicklung statt. Im Prinzip geht es immer nur darum, ob die kleine Gruppe tapferer Helden in der Lage sein wird, den Schatten zu entkommen oder nicht. Der Mittelteil des Films findet dabei beinahe kammerspielartig in einer ortsansässigen Bar statt. In anderen Filmen wurde durch solche eine Konstellation (drinnen das Gute, draußen das Böse) schon mehrmals auch ohne große Effektspektakel eine beängstigende oder gar klaustrophobische Spannung aufgebaut. In DIE HERRSCHAFT DER SACHATTEN geht die Spannung jedoch spätestens nach dem zweiten Flackern des rettenden Lichts flöten. Selbst ein benzinbetriebener Generator, der für die lebensnotwendige Stromversorgung sorgt, will beim besten Willen nicht ausfallen. Gut, er darf hin und wieder Stottern, wodurch wieder einmal das Licht flackert. Damit hat es sich dann auch schon mit den spannungsgeladenen Momenten. Durch deren ständiges Wiederholen wird der Zuschauer nämlich zunehmend kalt gelassen. Schlimmer noch: Er wird gelangweilt. Und zwar so gelangweilt, dass ihm selbst das endgültige Schicksal der kleinen Gruppe vollkommen egal ist. Und da die Gruppe im Verlauf des Films konsequent dezimiert wird, muss ich zugeben, recht oft kalt gelassen worden zu sein.
So zieht sich der Film dann ca. 90 Minuten durch eine spannungsarme Handlung und versteht es dabei auch noch, den Zuschauer hinsichtlich der Ursache für das Schattenphänomen vollkommen im Dunkeln zu lassen. Spätestens hier macht es mich nachdenklich, dass selbst der Regisseur keine Erklärung dafür parat hat, weil ihm die Ursache selbst unbekannt sei, wie ich an anderer Stelle im Netz lesen konnte. Das schlägt dem Fass nun wirklich den boden aus! Ich habe schon Filme gesehen, denen ich kaum folgen konnte, bei denen jedoch zumindest der Regisseur wusste, warum und weshalb er nun diese oder jene Szene gefilmt und in Reihenfolge gebracht hat. Wenn jedoch selbst dem Regisseur der Kern des Films verborgen bleibt, dann kann man als hilfloser Zuschauer nur noch verständnislos mit den Schultern zucken.
Eine prinzipiell gradlinige Handlung wird präsentiert und weder Drehbuchautor noch Regisseur sind in der Lage, der Handlung einen Sinn zu geben? Da fehlen mir die Worte. Oder böse formuliert: Die Jungs haben einen verdammt schlechten Job gemacht und mir bleibt nur das Vernichtende Urteil: DIE HERRSCHAFT DER SCHATTEN ist ein wirklich schlechter Film.
Passend zur enttäuschenden Handlung gesellt sich ein Cast, bei dem selbst der von mir ansonsten hochgeschätzte John Leguizamo enttäuscht. Er spielt seinen Part ungewöhnlich belanglos runter. Hat Hayden Christensen überhaupt schon einmal irgendwo überzeugt? Dieser Minimalschauspieler tut dem Film sicher daher nicht gut. Thandie Newton hat man ebenfalls wieder schnell vergessen, so dass eigentlich nur der kleine Jacob Latimore positiv im Gedächtnis bleibt.
>>> ZUR BLU-RAY <<<
BILD (Testausstattung: LG Plasma 50 Zoll)
Schade, dass auch das Bild nicht überzeugen kann. Vor allem bei einem Film wie diesem - mit vielen Dunklen Szenen - wäre ein guter Schwarzwert wünschenswert. Doch gerade hier patzt der Transfer und man sieht oft statt einem satten schwarz ein mattes grau. Die Schärfe ist zudem nicht überragend und letztlich stört hin und wieder noch ein deutlich sichtbares Rauschen und ein übersteigerter Kontrast.
TON (Testausstattung: Canton Karat 7.1 Set)
Hier macht es die Disc deutlich besser als beim Bild. Druckvoll und dynamisch kommt der Sound aus allen Lautsprechern, so dass tatsächlich eine gute Surroundatmosphäre aufgebaut wird.
EXTRAS
Es sind mehrere Boni vorhanden (Deleted Scenes, mehrere kurze Dokus, Trailer, Audiokommentar). Zum Audiokommentar kann ich nichts sagen, jedoch wirken die Making-Ofs mit den Interviews der Schauspieler und Crewmitglieder angesichts der Filmqualität recht belstigend. So sprechen alle davon, wie engagiert sie alle bei der Sache sind und wie super-toll doch alles sei. Lobhudeleien wohin man nur blickt. Selten habe ich dieses Gesülze unpassender gefunden als bei diesem Film
>>> FAZIT <<<
DER HERRSCHAFT DER SCHATTEN enttäuscht, abgesehen vom interessanten Beginn, auf ganzer Länge! Mir fällt beim besten Willen niemand ein, dem ich den Film ruhigen Gewissens empfehlen könnte. Und da ich ungerne Prügel für Dinge beziehe, für die ich nicht selbst verantwortlich bin, kann ich nur sagen: Spart Euch das Geld und investiert es stattdessen in einen guten Film!