Der Anfang erinnert an Jane Austen. Das Leben in der ländlichen Oberschicht verläuft behaglich. Jeder kennt jeden, man besucht sich gegenseitig ... - alles ist geordnet. Doch die beschauliche Idylle brodelt (ansatzweise). Den gesellschaftlichen Hintergrund wird AB im Verlauf der weiteren Handlung nicht völlig vernachlässigen, aber im Unterschied von Austen legt sie den Hauptakzent auf die Darstellung der beiden Hauptpersonen und deren Beziehung zu einander. -- Helen, eine bemerkenswerte Frau - sie passt ideal in die Galerie beeindruckender Frauengestalten, die die Bronte-Schwestern, geschaffen haben -, zieht mit ihrem Sohn auf Wildfellhall ein. Die neue Pächterin versucht sich als „Alleinerzieherin" (auch gegen die Vorstellungen des gesellschaftlichen Umfelds), sie ist vielleicht etwas überbesorgt, was die Entwicklung ihres Sohnes betrifft (aber das hat seine Gründe), sie arbeitet als Malerin (verdient sich ihren Lebensunterhalt mit eigener Arbeit), sie scheint verwitwet zu sein (jedenfalls ohne männlichen Schutz) ... - kurz, es umgibt sie ein Geheimnis. Die Person, die ihr Vertrauen und später auch ihre Liebe gewinnt und daher dieses Geheimnis erfährt, ist Gilbert, ein junger, wohlhabender Mann aus der Nachbarschaft, aus dessen Blickwinkel die Handlung erlebt wird. Aber ist er, zu Beginn eigensinnig, aufbrausend und noch ziemlich unreif, wirklich bereit, sich auf diese Frau einzulassen. ------ Der Roman ist voll Spannung, stellenweise herrlich humorvoll, lässt sich stellenweise hinterfragen und hat trotzdem klare Konturen. Was wünscht man sich mehr? Gerade die beiden Hauptfiguren mit ihren charakterlichen Stärken bzw. Schwächen finde ich besonders gelungen. (Dass er kein zweiter Heathcliff oder sie eine zweite Jane Eyre ist, ist doch wirklich kein Einwand.) Zusätzlich verpackt AB noch eine Menge interessanter Themen (Genderrollen, Ehe, Erziehung ...) in ihre Romanhandlung, ohne diese damit unnötig zu beschweren.