Ich habe das Buch vor 10 Jahren (im Alter von 19 Jahren) zum ersten Mal gelesen, förmlich verschlungen und zu einem meiner Lieblingsbücher erklärt. Vor kurzem habe ich es zum 4. Mal gelesen und sehe es -vielleicht inzwischen etwas gereifter :) - nun etwas kritischer. Das Thema der Reinkarnation finde ich sehr interessant und gut umgesetzt. Die Szenen in der Vergangenheit sind lebhaft beschrieben und sehr spannend. Aber was die Szenen in der Gegenwart angeht, gefällt mir inzwischen einiges nicht mehr. Es wird immer wieder betont, was für eine toughe, emanzipierte udn selbstbewusste Frau Jo ist - trotzdem lässt sie sich ständig von Männern herumschubsen, Vorschriften machen, schlagen, sogar vergewaltigen, ohne dass sie auf die Idee kommt, von diesen Männern vielleicht mal Abstand zu halten,(vor allem Nick), ihnen den Zutritt zu ihrer Wohnung zu verweigern oder die Schlösser auszuwechseln, (nachdem Nick sich weigert, seinen Schlüssel abzugeben). Der Psychiater bricht seine Schweigepflicht, um mit diversen Männern über sie zu reden, ihr Journalistenfreund beutet sie aus - und trotzdem zieht sie keinerlei Konsequenzen. Dieses absolut unselbständige, kindlich-abhängige Verhalten macht es in meinen Augen schwer, sich mit Jo zu identifizieren und sie ernst zu nehmen. Ohne die Männer in ihrem Leben ist sie ein Nichts, gleichzeitig soll sie jedoch unglaublich abgebrüht und durchsetzungskräftig sein, eine echte Karrierefrau - das ist leider nicht überzeugend umgesetzt.
Trotzdem ist es jedoch ein sehr spannendes Buch, nur zu empfehlen. Erskines spätere Bücher sind großteils leider nur noch laue romantische Spukgeschichten, lediglich Tochter der Phoenix und Königreich der Schatten sind noch auf dem Level von der Herrin von Hay. (Originaltitel übrigens "Lady of Hay")