Nach den überschwänglichen Kritiken habe ich mir dieses Buch gekauft mit großen Erwartungen. Sie haben sich leider nicht erfüllt. Ich fand „Die Herrin im Turm" ziemlich oberflächlich und streckenweise (gerade bei den erotischen Szenen) sprachlich schrecklich und manchmal einfach nur peinlich...
„Irgendwo zwischen `Der Herr der Ringe' und `Tausend und eine Nacht'" versprach (ein bisschen zu großspurig...) der Klappentext. Leider fehlt „Herrin im Turm" für den einen Vergleich dann doch die überwältigende Komplexität und das dramaturgische Können des unvergleichlichen Originals, für den anderen eindeutig die erotische Finnesse und Vielschichtigkeit.
Ich hatte den Eindruck, ein paar „heiße Szenen" wurden gewaltsam in das gerade sehr angesagte Fantasy-Genre gequetscht - ob das nun passte oder nicht...
Da wird aus Mittelerde mal eben Mittelberge, eine Stadt wird beherrscht von einer Gemeinschaft lustvoller Hexen, die sich hemmungslos ihrer mal hetero-, mal homosexuellen (und vorwiegend masochistischen) Schmerzlust hingeben und angeführt werden von der Titelgebenden Herrin und [Zitat] „Chefhexe", die sich ewige Jugend von einer Art Hausdämonin erkauft und einen (selbst noch angesichts „gepflegter Lesbenshow" [auch O-Ton]...) impotenten Kraftprotz als persönlichen Bodyguard hält . Die Gemeinschaft von selbstverständlich immer und unendlich „geilen Weibern" wird dann recht schnell und unspektakulär politisch abgesägt und damit endet dieser erste Teil der angekündigten Trilogie auch schon. Besonders gepackt hat mich das alles nicht und große Spannung, wie denn die Fortsetzung nun weiter gehen mag, kam für mich persönlich jetzt auch nicht auf.
Als störende Stilbrüche empfand ich, wie erwähnt, vor allem die oftmals leider einfach nur grottige Wortwahl, wenn es erotisch zur Sache ging in dem Buch. Ich finde es nicht unbedingt passend und besonders phantasievoll, wenn die Personen einer Fantasy-Geschichte sich einer Ausdrucksweise bedienen, die eher in eine anspruchslose, simpel gestrickte Sexgeschichte passen würde wie zum Beispiel eben die erwähnten „geilen Weiber" (die wirklich unglaublich oft auftreten!), das arg strapazierte „geile, kleine Luder", die vielen „Sessions" und vermutlich stimmungmachend gemeintes „Du machst mich fertig! Du bist unglaublich! Mach weiter!"-Gerede und ähnliches in diesem Tonfall garniert mit vielen Ausrufezeichen... Ich finde, da müsste doch heutzutage und nachdem es eben schon länger wirklich gute, vorzüglich geschriebene (SM-)Erotik gibt, einfach ein bisschen mehr drin sein. Auch einfallslose Beschreibungen von „schwellenden Formen", „schlanken, wohlgeformten Frauengestalt"(en), „so einer Klassefrau" und (selbstredend immer!) "mächtigen", "starken" und "heißen" männlichen Genitalien rissen mich nicht gerade vom Hocker... Na ja, das ist vermutlich Geschmackssache. Mich haben diese sprachlichen Plattitüden jedenfalls immer wieder aus dem Lesefluß gebracht und mir kein Genuß verschafft.
„Ein fesselnder, sehr, sehr spannender Fantasie-Zyklus" , „atmosphärisch dicht" und „eine sadomasochistische Märchenwelt von großer erzählerischer Kraft" sollte das nun sein...? „Die Herrin im Turm" ist nicht gerade, was ich darunter verstehe.
Auch 19 Seiten Glossar mit den Erklärungen der vielen Phantasiebegriffen und -orten können so recht noch kein Epos machen.
Anstandspunkte für ein schön schnell lesbares Stück erotischer „Gebrauchsliteratur", ein ambitioniertes Konzept, das hübsch gemachte Cover und die gezeichnete Kartenbeilage, die das Buch optisch aufwertet.