Das außergewöhnliche Leben einer faszinierenden historischen Frauengestalt des Alten Roms, detailgenau recherchiert und hinreißend erzählt!
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Produktinformation
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"Ein blendender historischer Debütroman!"
Frau mit Herz
"Wer den Roman 'Die Päpstin' von Donna Cross mochte, wird 'Die Herrin der Päpste' verschlingen."
Hamburger Abendblatt
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Mich interessierte dieses Buch, da ich gespannt auf einen anderen Blickwinkel auf Marocia war, da praktisch die einzige zeitgenössische Quelle die des Propagandisten Liutprand von Cremona ist, der aber als objektiver Historiker mitnichten in Frage kommt – weder für Marocia, noch für andere Personen dieser Zeit. Allerdings bemerkte ich schnell, daß es Walz nicht um eine Biographie in Form eines Romans ging, sondern um einen echten Roman vor historischer Kulisse. Dies fand ich auch nach Genuß des Buches ausdrücklich im Abspann, was ich sehr lobend erwähnen möchte, denn häufig weiß man nach dem Lesen eines historischen Romans nicht, was nun Wahrheit und Dichtung ist; meistens lassen die Autoren den Leser damit allein. Walz führt am Ende einige wahre Eckpunkte der Geschichte auf, deutet auch definitiv auf fiktive Ereignisse in seiner Geschichte hin.
Bedauerlicherweise ist diese Aufzählung nicht einmal ansatzweise vollständig, und so bekommt der Leser erhebliche weitere Geschichtsverschiebungen gar nicht mit. Einige zur Auswahl:
- Walz übergeht komplett den Punkt, daß Wido und Lambert von Spoleto nicht nur als Könige von Italien, sondern auch jeweils zum Kaiser gekrönt wurden. Gleiches gilt für den Bösewicht des Buches, Berengar I., wie auch für seinen Gegenspieler Ludwig. Mit der auch im Buch erwähnten Ermordung Berengars endet das Kaisertum bis zur Wiederaufnahme durch Otto I. Da im Buch das Kaisertum schon eine bedeutende Rolle spielt, ist diese Ungenauigkeit merkwürdig.
- Hugo von Vienne und sein Bruder Boso werden im Buch zu Söhnen Ludwigs des Blinden sowie Guido von Toskana zu deren Halbbruder mütterlicherseits. Dies ist historisch absolut unrichtig. Die Mutterperson stimmt zwar, aber die Väter waren zwei ganz andere Grafen, während Ludwig selbst zwei eigene Söhne hatte. Vermutlich hat Walz diese Variante gewählt, um den historischen Werdegang Hugos ohne sonst notwendige komplizierte dynastische Erläuterungen mit weiteren Personen auszurollen.
- Der gemeinsame Schlachtentod Hugos und Bosos ist natürlich sehr beeindruckend für einen Roman, doch hat Hugo seinen Bruder nicht weniger als 11 Jahre in der Realität überlebt.
- Walz hat sich so in Marocia selbst „verliebt“, daß er den historisch ausgesprochen erfolgreichen Heerführer und Landesfürsten Alberic I. zu einem Muttersöhnchen und fast pathologisch statischen Pseudomann mutieren läßt, um sie zu erhöhen.
- Marocias zweiter Ehemann war mitnichten Hugo von Vienne, sondern dessen Halbbruder Guido von Toskana, der im Buch einfach ihr guter und zuverlässiger Freund ist!
- Marocias dritter Ehemann war Hugo von Vienne, der, um diese politische Ehe eingehen zu können, durch Marocias päpstlichen Sohn seine noch existierende Ehe anullieren ließ. Es ist also genau andersherum, wie im Buch beschrieben, wo Marocia verstoßen wird, damit Hugo sich Hochburgund einverleiben kann.
- Marocia wurde originär nicht durch Hugo gefangengesetzt, sondern von Anfang an durch ihren Sohn Alberic II. Dieser führte nämlich während der Hochzeit seiner Mutter mit Hugo den auch im Buch beschriebenen Staatsstreich durch. Der Putsch richtete sich also sofort gegen Mutter und Stiefvater, nicht anfangs gegen den Stiefvater allein.
- Marocias Schwester wird im Buch zur ultrareinen und sprichwörtlich unbefleckten Person, während auch sie – jedenfalls sagt das Liutprand – ein erheblich bewegtes sexuelles Leben gehabt haben soll. Allerdings ist hier natürlich zu beachten, daß Liutprands Ziel war, Marocias Familie zu diskreditieren. Die Wahrheit liegt womöglich zwischen diesen beiden Antipoden.
Diese Liste läßt sich noch beliebig fortsetzen, wenn man beispielsweise die Burgundische Geschichte näher beleuchtet.
Ohne Zweifel hat ein Romanschreiber das Recht, für die ihm wichtige Handlung begleitende historische Ereignisse etwas zu straffen, damit es kein pures Geschichtsbuch oder der Faden durch extrem viele Personen zu komplex wird. Auch die von Walz durchgeführte (und extra dokumentierte, sehr schön!) Umbenennung einiger Personen, damit es nicht zu viele Johannesse, Theodoras und Marocias gibt, begrüße ich für die Flüssigkeit des Buches sehr. Dem Leser dieses Buches muß nur klar sein, daß er keinen Roman in der Hand hält, der historische Persönlichkeiten sehr eng an ihren tatsächlichen Taten begleitet, sondern eine sehr fiktive Geschichte, die immer wieder historische Ereignisse, passend für den fiktiven Handlungsablauf, mit aufgreift. Dies sagt Walz auch am Ende sehr deutlich: „… habe ich eine eigene Geschichte kreiert, nicht mehr und nicht weniger.“
Wir haben also keine mögliche Lebensbeschreibung Marocias als realen bibliographischen Kontrapunkt zu der Propagandaschrift Liutprands vor uns, sondern eine wirklich fiktive Person mit historischen Eckpunkten einer historischen Frau. Wer weiß, vielleicht hat Walz eine Marocia geschaffen, die ebenso fiktiv ist, wie die des Liutprand. So böse und verrufen sie der eine darstellt, so ultragut kommt sie bei dem anderen herüber. Walz schafft eine Marocia, die zwar kein Engel ist, aber gleichzeitig extrem gut (abgesehen von ihrer von ihr selbst kritisch gesehenen Mutterrolle). Sie nimmt beispielsweise zwar durchaus den Tod ihrer Gegner in Kampf oder Gefängnis in Kauf, aber sie befiehlt keine körperlichen Folterungen oder Morde. Selbst ihre übelsten Gegner behandelt sie ausschließlich mit Giftplacebos. Eine charmante Idee.
Wem dies klar ist, der kann sich auf ein paar sehr schöne Stunden mit einem sehr guten Buch freuen, und vielleicht wird ja auch der eine oder andere Leser neugierig, begleitende historische Literatur zu diesem Thema zu suchen. Das 10. Jahrhundert gibt allemal viel Spannendes her.
Abschließend möchte ich noch erfreut erwähnen, daß dieses Buch ohne seitenlange detaillierte Beschreibungen diverser Körperzerstückelungen oder Geschlechtsverkehre auskommt und dennoch fesselt. Man kann dieses Buch öffnen, ohne daß automatisch Blut und Samen in Strömen herausfließen, es vernachlässigt diese Themen aber auch nicht. Das ist ein Beweis für die schriftstellerische Fähigkeit von Walz.
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