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Hatte sich Ulrike Schweikert in Die Tochter des Salzsieders noch in der Historie ihrer Heimatstadt Schwäbisch Hall getummelt, so führt ihr neuer Roman direkt ins Kernland der Schwaben. Zu Ausgang des 13. Jahrhunderts herrschte, wo heute die Hohenzollernburg thront, eine politische Großwetterlage, die jeden UN-Botschafter in den Wahnsinn getrieben hätte. In seelenvoller Landschaft metzelten und brandschatzten sich Balinger, Hechinger und Haigerlocher -- nur um sich anschließend in neu geschmiedeten Allianzen versöhnt wieder in die Arme zu sinken. Ulrike Schweikert schildert diese nicht unkomplizierten Vorgänge gleichsam als Modellstudie von Kleinstaaterei als Ursache ständiger Zwietracht.
Auch der Wehrsteiner, mit den Zollergrafen verbandelt, hatte erst jüngst zähneknirschend Lehen an die ungeliebten Hohenberger abtreten müssen, die ihrerseits Ränke mit den Zollern schmiedeten. Inmitten dieser unübersichtlichen Gemengelage aus Schlachtengetümmel, Erbgezänk und Leibeigenschaft, schlug die Stunde der beiden ungleichen, doch unzertrennlichen Schwestern, die inzwischen zu bildschönen Maiden herangewachsen waren. Das Wehrsteiner Ländchen wackelt bedenklich und Vater Hildebolt schickt die schönen Töchter in finsterer "diplomatischer Absicht" zum Zollerngrafen. Eine gefährliche Mission beginnt, in deren Verlauf Tilia tiefe Einblicke in die Machtstrukturen einer männerdominierten Kriegerwelt gewinnt -- und einen geliebten Menschen verliert.
Zugige Burgen, kuschelige Kemenaten, darbende Bauern, intriganter Adel. Schweikert liefert das sorgfältig recherchierte Porträt unruhiger Zeiten in einem alles andere als friedlichen Schwabenland. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Tilia v. Wehrstein und ihre Halbschwester, die Magd Gret, werden als politisches Unterpfand auf die Burg der Zollern geschickt. Dort sind die beiden nicht nur unwillkommen, sondern werden Zeuge von politischen Ränkeschmieden, Verschwörungen, Inzest, Machtgier und Wollust.
Als Edelfreie geht es Tilia nur unwesentlich besser als Gret, denn die Sitten sind rauh, das Verhalten der Ritter und Hofdamen zügellos und gewalttätig: Vergewaltigungen der Mägde sind an der Tagesordnung, die Ritter haben Spaß an grausamen Spielchen und die Hofdamen nehmen ungeachtet ihres Status mit ins Heu, wen sie wollen. Tilia und Gret müssen dabei versuchen, ihre Haut zu retten und nicht in die Ränkeschmiede hineingezogen zu werden. Im Nachwort teilt die Autorin mit, dass die Figur der Tilia sicherlich für das 13.Jahrhundert nicht typisch war. Sie stellt aber Überlegungen an, warum es solche Frauen doch gegeben haben könnte (z.B. wer sah auf den Burgen nach dem Rechten oder kümmerte sich bei oft monatelanger Abwesenheit der Ritter um die Leibeigenen?) und liefert somit eine plausible Erklärung für die Figur der Tilia.
Ulrike Schweikert ist m.E. eine der besten Autor/-innen historischer Bücher. Sie recherchiert sehr genau. Ihre Recherchen sowie ihre Art zu erzählen, machen ihre Bücher so lesenswert & spannend. Nicht vielen Autoren/innen gelingt es, Atmosphäre und Personen so gut rüberbringen wie Frau Schweikert. Und weil sie das eben so gut beherrscht, fand ich einige Schilderungen dieses Mal so beklemmend. Sie beschönigt nichts, sondern es macht eindeutig klar, dass das Leben in der damaligen Zeit - gerade für Frauen - kein Zuckerschlecken war: Es ist im Mittelalter zwar an der Tagesordnung gewesen, dass sich die „Herren" nahmen, wonach ihnen der Sinn stand, und es ist sicherlich grob und derb zugegangen, aber m.E. ist in diesem Buch zu oft vergewaltigt worden. Etwas weniger Brutalität hätte der Realitätstreue sicherlich keinen Abbruch getan!
Fazit: Wenn Sie über die Brutalität & Roheit hinwegsehen können, ist „Die Herrin der Burg" ein packendes Buch! Vermutlich war ich etwas zu zart besaitet, daher auch „nur" vier Sterne.
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