Als Heinrich von Kleist »Die Hermannsschlacht« 1808 veröffentlichte, hatte Napoleon grade große Teile Deutschlands besetzt. Es mag also nicht verwundern, dass der Patriot Kleist den römischen Besatzern in seiner »Hermannsschlacht« einige französische Attribute andichtete. Seine Germanen stilisierte Kleist in diesem Werk hingegen zu vielen kleine Adelshäusern, welche sich schließlich zur Befreiung »Deutschlands« verbünden. Dass der historische Flickenteppich wilder, germanischer Stämme in Wirklichkeit keine Idee von einem vereinten Deutschland und dem Wort an sich hatte, wird hierbei zur Nebensache. Von einem historischen Wahrheitsgehalt von Kleists Version der Hermannsschlacht kann wohl bis hierhin keine Rede sein.
Des weiteren ist in diesem Werk auch schon mal von der »niedrigeren Rasse« der Römer die Rede. Ein wehrloser Gefangener wird enthauptet. Selbst die verdienten, »guten« Römer werden mit »schlechten« in einen Topf geworfen, denn sie verdienen, nach Kleist, als Besatzer »Deutschlands« alle den Tod. Die Römer werden weiterhin verallgemeinert als Brandstifter, Plünderer und Frauenschänder, sie neigen zu Vertragsbrüchen und bringen willkürlich arme Bauern um. Natürlich ist eine solche Darstellung einer ganzen Volksgruppe heute moralisch nicht mehr vertretbar. Kein Wunder, dass dieses Stück Kleist seinen entscheidenden Durchbruch erst 1933 feierte. Nämlich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, denen »Die Hermannschlacht« gut in ihr Weltbild passte.
Ein weiteres Problem dieses Werkes betrifft die Reclam-Ausgabe. Diese entbehrt nämlich jeglicher Kommentierung. Und dies, obwohl kaum ein Werk einen kritischen Kommentar im Anhang nötiger hätte. Hier gibt es noch über Hintergründe aufzuklären.